Unser erster voller Tag war ja schon sehr erfolgreich gewesen und entsprechend gespannt waren wir auf die nächsten Erlebnisse. Uns war aber auch bewusst, dass wir nicht erwarten konnten, jeden Tag so tolle Sichtungen zu haben – man weiß halt nie so genau, was der Busch für einen bereithält. Und so gut es uns gefallen hatte, viel Zeit mit den Hyänenhunden zu verbringen, wir waren natürlich auch interessiert daran noch weitere Tierarten zu sehen und in Ruhe beobachten zu können. Ich bin ja sowieso mehr der Hundemensch, und war damit sehr zufrieden nach dem ersten Tag, aber mein Freund Sebastian mag vor allem Katzen sehr und so hoffte ich doch, dass wir vielleicht auch da noch eine bessere Sichtung als eine Schwanzspitze hinbekommen würden…

Eine besondere Begegnung

Dennoch fing die morgendliche Tour wie üblich mit der Suche nach den Hyänenhunden an, da sie gestern in Richtung Boma gelaufen waren und wir sicherstellen wollten, dass es da keine Probleme gegeben hatte. Zum Glück konnten wir aber schon an unserer ersten Telemetrie-Scanning-Stelle grade außerhalb des Camps feststellen, dass das Rudel diese Nacht keine große Unruhe gestiftet hatte – stattdessen waren sie in Richtung Fluss weitergezogen. Also machten wir uns auf den Weg zu ihnen und genossen die ruhige morgendliche Atmosphäre, während uns ein paar gemütlich grasende Büffel aus dem Weg gingen.

Wir hatten auch schnell die passende Stelle gefunden: der Feldweg führte direkt an dem Hang zu einem kleinen Gewässer entlang und während der dichte Busch uns nicht gleich einen Blick ermöglichte, hörten wir doch recht bald das Rascheln im Unterholz neben uns und konnten durch das Telemetriesignal sicherstellen, dass es die Hunde sein mussten. Also machten wir es uns bequem (soweit möglich) und warteten, während wir der Geräuschkulisse des aufwachenden Busches zuhörten.

Es dauerte noch etwas, bis sich der erste Vierbeiner nah genug an uns vorbei bewegte, dass wir ihn auch tatsächlich sehen konnten, aber dann kamen sie wieder alle auf den Weg und es war fast, als würden wir zum Rudel gehören. Vor und hinter uns waren Hunde, sie liefen wieder ganz nah an uns vorbei und oft wurde ein neugieriger Blick zu uns nach oben gerichtet. Nach einigem Strecken und Gähnen zogen die Hyänenhunde dann langsam nach vorne und wir machten uns schon bereit, ihnen zu folgen, als aus dem Gesträuch vor dem Rudel Gegenverkehr auftauchte.

Ein Breitmaul-Nashorn (White Rhino) samt seinem Begleitschutz aus zwei Kuhreihern (Cattle Egrets) schritt gemächlich vor den Hunden auf den Weg. Generell kommt es schon mal vor, dass man zuschauen kann, wie sich verschiedene Tierarten in der Wildnis begegnen, aber Hyänenhund und Nashorn ist etwas, was sogar unser Monitor noch nicht aktiv gesehen hatte. Es war auch wirklich interessant zu beobachten, wie die Leithunde sich erst scheinbar ungestört hinlegten, bis das Nashorn sie fast erreicht hatte. Dann standen sie unwillig auf und liefen ein paar Schritte weiter, um sich wieder hinzulegen. Das ganze wiederholte sich, bis sie dem größeren Tier aktiv auswichen und es etwas scheu umrundeten. Der Rest des Rudels folgte dem Beispiel der Älteren und so blieben wir schließlich mit dem Nashorn alleine zurück.

Ein Nashorn, mit einem Kuhreiher auf dem Rücken, scheucht einen Hyänenhund vor sich her (© Cornelia Hebrank, 2024)
Bei diesem Größenunterschied haut Hundi lieber ab (© Cornelia Hebrank, 2024)

Das kam uns in der typisch ungestörten, gemütlichen Laufweise dieser Art entgegen, offenbar unwillig, die Straße zu verlassen. Da wir aber nicht wirklich aus dem Weg gehen konnten – der Feldweg war kaum breiter als unser Fahrzeug – führte das zu einem kleinen Showdown, während dem das Nashorn uns anstarrte, sichtbar überlegte, ob es sich an einer Seite an uns vorbei drängen konnte, und sich dann doch anders entschied. Mit einem unzufriedenen Schnauben bog es vor uns ab und stapfte die Böschung hinunter, sodass der Weg wieder frei war, um den Hunden weiter zu folgen.

Die hatten die Chance aber genutzt und waren ein Stück weiter seitlich ins Grüne ausgewichen, sodass wir sie nicht mehr zu Gesicht bekamen. Dabei liefen sie in die Richtung des Zauns, der das ganze Schutzgebiet umgibt, und zwar zu der Stelle, wo der Fluss und Zaun sich treffen, was wegen der Überschwemmungen immer wieder zu Problemen mit der Einzäunung führt. Es war also durchaus möglich, an dieser Stelle als Tier aus dem Park zu gelangen, sodass wir auch hier aufpassen mussten, was die Hyänenhunde vorhatten.

Raubtiere in der Luft und im Wasser

Fürs Erste konnten wir die Hunde aber alleine lassen, um uns noch auf die Suche nach anderen Tieren zu begeben. Nachdem eine der anderen Freiwilligen unbedingt Elefanten sehen wollte, hatten wir das mit als Ziel auf die Tagesliste genommen, aber auch Löwen standen noch fest auf der Wunschliste. Wir gaben uns gleich auch mit zwei weiteren Nashörnern zufrieden, die gemütlich am Grasen waren. Auch diese waren enthornt und so erfuhren wir, dass genau in den beiden Wochen unseres Aufenthalts eine große Aktion zur Enthornung stattfand, um die Nashörner vor dem Tod durch Wilderei zu schützen (mehr dazu morgen: Tag 4).

Anschließend ging es erstmal ins Reich der hohen Lüfte: wir sahen die ersten Geier, nämlich drei Weißrückengeier (White-backed Vultures) in einem prachtvollen großen Baum sitzen. Auch Geier zählen zu den priorisierten Arten (Priority Species), über die aktiv Daten gesammelt werden. Die Bestände sind leider aufgrund von Vergiftungen stark zurückgegangen und werden daher aktiv geschützt. Dafür sind jegliche größere Gruppen von Geiern oder auch Nistbäume besonders relevant, so dass wir diese Sichtung direkt notierten. Geier haben oft einen schlechten Ruf, obwohl sie extrem wichtig für das Ökosystem sind, da sie eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf innehaben und verwesende Kadaver auch für andere, kleinere Tiere aufbrechen und verwertbar machen. Insofern war ich froh, auch diese Art wieder gesehen zu haben, wenn auch in deutlich geringerer Zahl als ich es von vor acht Jahren gewöhnt war.

Das blieben aber bei weitem nicht die einzigen Vögel, die uns nun begegnen sollten. Als nächstes schwirrte eine Gruppe Gelbbauchgirlitze (Yellow Canaries) um uns herum, die mit ihrer leuchtend gelben Färbung in der Sonne besonders auffielen. Danach zog eine Schlankmanguste (Slender Mongoose) unseren Blick zurück zum Boden, bevor wir ihn für den ersten Adler wieder nach oben richteten – und was für ein prachtvolles Exemplar eines tiefbraunen Einfarb-Schlangenadlers (Brown Snake Eagle) wir da im Baum sitzen sahen!

Dann gab es noch eine kleine Unterrichtsstunde im Busch, als eine “spinnenjagende” Wegwespe (Spider-Hunting Wasp) – praktisch in der Größe eines kleinen Vogels – an uns vorbeiflog. Diese Wespen jagen tatsächlich aktiv nach Spinnen, welche sie dann paralysieren, um ihre eigenen Eier in der noch lebenden Spinne zu legen, so dass diese nach dem Schlüpfen genug Nahrung finden. Was es in der Natur nicht alles gibt…

Für die Teepause ging es dann nochmal an den schönen Rastplatz am Fluss, wo auch heute wieder gut etwas los war. Wir konnten einen Grünbaumhopf (Green Wood Hoopoe) beobachten, bevor ein etwas suspekter Baumstamm in der Ferne vorbeitrieb, der sich ganz eindeutig als Nilkrokodil (Nile crocodile) herausstellte. Zum Glück schien es dem Reptil auf der anderen Seite des Flusses ganz gut zu gefallen und so konnten wir unsere Getränke und Rusks, für Südafrika typische, trocken gebackene Gebäckstückchen, die zwangsweise in irgendetwas getunkt werden müssen, in Ruhe genießen.

Beeindruckende Dickhäuter

Nach der Pause stand der nächste Boma-Check auf dem Programm – einmal täglich muss der Zaun kontrolliert werden, man möchte ja nichts riskieren. Dieses Mal waren wir schon etwas erfolgreicher und konnten zumindest von beiden Hyänenhunden einen kurzen Blick erhaschen, auch wenn sie weiterhin zu scheu waren, als dass wir sie in Ruhe hätten anschauen können. Trotzdem waren wir damit ganz zufrieden, da wir sicher sein konnten, dass beide noch lebten und sich sinnvoll bewegen konnten, was der für uns wichtigste Punkt war.

Also ging es direkt weiter auf die Suche nach anderen Tieren. Die Geier von vorhin sollten auch nicht die einzigen bleiben: wir entdeckten drei weitere Weißrückengeier, die über uns dahin zogen, und als wir sie beobachteten, fielen uns noch weitere schwarze Punkte in der Luft auf. Aber wie viele davon! Das Zählen mit dem Fernglas dauerte eine ganze Weile, dann einigten wir uns darauf, dass es knapp 40 Geier sein mussten, die da in der Thermik über dem Tal kreisten. Auf den ersten Blick mag das sehr viel erscheinen, aber nachdem ein einzelner Kadaver von hundert oder mehr Geiern gleichzeitig genutzt werden kann, ist das tatsächlich keine untypische Zahl dieser Vögel.

Mittlerweile waren wir mit dem Vormittag schon mehr als zufrieden und eigentlich auch auf dem Rückweg ins Camp, doch der Busch hatte uns scheinbar noch nicht genug gezeigt. Am nächsten Wasserloch gab es schon wieder etwas neues zu sehen, nämlich unsere ersten Elefanten! Zwei Bullen, ein älterer und ein jüngerer, hatten sich mit drei Büffeln diesen Platz ausgesucht, um eine kleine Mittagspause zu machen und schlammten sich friedlich ein. Das war zwar noch nicht ganz die Elefanten-Sichtung, die wir uns vorgestellt hatten, aber immerhin gab es damit nicht nur Spuren zu sehen.

Wir blieben nicht allzu lange und sahen dann nur eine Ecke weiter eine kleine Herde von Steppenzebras (Plains Zebras), die sich ein anderes Wasserloch zum Trinken ausgesucht hatten – leider etwas von der Straße entfernt. Aber wir hatten es immer noch nicht zurück geschafft und als nächstes sorgte eine Elefantenherde dafür, dass wir noch länger draußen blieben. Dabei hatten wir jetzt aber genau das, was wir uns gewünscht hatten: die Herde zupfte ganz in unserer Nähe an den Büschen, bevor die Leitkuh entschied, dass die andere Straßenseite doch deutlich besser aussah, und dann die komplette Herde vor uns querte. 16 beeindruckende Tiere, drei davon noch putzig und klein, schritten an uns vorüber und bedachten uns mit interessierten, warnenden oder auch gelangweilten Blicken. Und wir genossen einfach nur, so gemütlich Elefanten anschauen zu können.

Eine Elefantenherde beim Überqueren der Straße (© Cornelia Hebrank, 2024)
Die Jugendgruppe der Herde beim Weg über die Straße (© Cornelia Hebrank, 2024)

Während wir noch das Erlebnis genossen, zog ein weiteres Knacken im Unterholz unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein großer Bulle folgte offensichtlich der Herde, auf der Suche nach paarungsbereiten Elefantinnen, und er fand es auch ganz offensichtlich nicht so toll, dass wir nun fast in seinem Weg standen. Er kam auf die Straße gelaufen, schaute uns an und schüttelte erst mal unwillig den Kopf, nur knappe fünf Meter entfernt von uns. Einen irritierten oder genervten Elefanten hat man ungern so nah bei sich, erst recht keinen Bullen, aber durch die Herde waren noch weitere Touristen angelockt worden und wir konnten grade nicht mal sinnvoll ausweichen, da wir als die ersten Beobachter ziemlich eingeparkt waren. Der Bulle schüttelte nochmals den Kopf und starrte uns an, was doch zu einiger Unsicherheit auf unserem offenen Auto führte – die meisten Tiere kommen dank der Höhe nicht allzu leicht an die Passagiere heran, aber für einen Elefanten macht das kaum einen Unterschied, er hätte uns leicht mit dem Rüssel erwischen können.

Ein erwachsener Elefantenbulle schüttelt unwillig den Kopf (© Cornelia Hebrank, 2024)
Der Bulle ist offensichtlich genervt von den ganzen Autos in seinem Weg (© Cornelia Hebrank, 2024)

Während er uns weiter im Blick behielt, fing er dann an, Büschel von Gras und kleinen Büschen vom Rand der Straße auszureißen – nicht, um sie zu fressen, nur um uns zu zeigen, dass er das locker konnte. Wir verhielten uns still und hofften auf das Beste. Schließlich verlor er das Interesse an uns und stapfte weiter der Herde hinterher, aber nicht ohne drei Schritte weit im Busch nochmal stehen zu bleiben und uns eine Wolke Gestank zu hinterlassen! Trotzdem waren wir begeistert von dem Erlebnis und mussten das erstmal noch nachverarbeiten…

Der Rest des Rückwegs wurde dann etwas weniger aufregend, aber nicht weniger schön. Wir entdeckten noch einen jungen Kampfadler (Martial Eagle), der vor uns aufflog und sich in einiger Entfernung wieder in einen Baum setzte und anschauen ließ, auch ein prachtvoller Vogel.

Dann ging es einmal mehr an zwei Nashörnern vorbei, die einige Madenhacker (Oxpecker) mit sich herumtrugen, bevor eine Nyala-Herde am Straßenrand graste. Mittlerweile waren wir es schon gewöhnt, häufiger an Nyalas und Warzenschweinen vorbeizufahren und es wurde auch nicht mehr zwangsweise dafür angehalten. Aber mit diesem letzten Zwischenstopp schafften wir es dann grade noch vor Mittag wieder zurück ins Camp und waren nach dem langen Morgen doch ganz froh, uns nun etwas ausruhen zu dürfen.

Ein krönender Abschluss des Tages

Immerhin gab es heute mal eine etwas längere Pause, nachdem wir schon recht spät zurück gekommen waren, und so konnten wir uns etwas von dem langen Morgen erholen. Und dann hatten wir auch noch Besucher am Camp: drei große Elefantenbullen hatten sich die Fläche vor dem Camp-Eingang zum Fressen ausgesucht und wir verbrachten ein paar Minuten damit, sie dabei zu beobachten, bevor wir uns dann noch ein bisschen hinlegten. Kurz vor vier Uhr nachmittags ging es dann wieder auf die Fahrt in den Park.

Als wir dann unter der elektrischen Schutz-Litze, die den Ein- und Ausgang des Camps schützt, hindurch das Camp verließen, waren die Elefanten schon wieder im Grün verschwunden, aber dafür hatte sich eine Truppe von Pavianen (Baboons) auf dem Zufahrtsweg niedergelassen. Diese gar nicht mal so kleinen Affen sahen uns erstmal entspannt an, und machten keine Anstalten, den Weg freizugeben, so dass wir ihnen noch eine Weile beim gegenseitigen Putzen zuschauten, bevor genug Platz zum Weiterfahren frei wurde.

Der Plan für den Nachmittag war, auf die Suche nach drei Löwen zu gehen, da diese gesehen worden waren. Aber auf der Strecke dorthin gab es wie üblich einiges zu sehen. Als erstes bemerkten wir zwei Breitmaulnashörner (White Rhinos), bei denen wir uns dieses Mal auch die Zeit nahmen, über die Altersklassifizierung dieser Art zu sprechen. Während man bei den meisten Arten von den drei Altersklassen juvenil, subadult und adult spricht, werden Nashörner in Klassen von A bis F beschrieben, bei denen A ein kleines Baby und F ein ausgewachsenes Tier ist. Die beiden von dieser Begegnung waren einmal F und einmal D, beide weiblich, also wohl eine Mutter mit ihrem “jugendlichen” Kind.

Wenig später sahen wir unsere nächste Zebraherde, fünf Tiere, die einige Rotschnabel-Madenhacker (Red-billed Oxpeckers) auf sich herumtrugen und recht entspannt blieben, als wir an ihnen vorbeifuhren. Es war wirklich typisch, diese Vögel auf allen möglichen größeren Pflanzenfressern sitzen zu sehen, und diese schienen sich auch gar nicht von dem Gepicke stören zu lassen – so auch die nächsten paar alten Büffelbullen. Das Impala-Männchen wenige Meter weiter war für so etwas doch etwas zu klein, da diese Antilopen noch etwas zierlicher als zum Beispiel die Nyalas sind, aber dennoch ließ er es sich nicht nehmen, seine Damen zusammen zu treiben, als das bedrohliche Auto näher kam. Impalas, auch Schwarzfersenantilopen genannt, haben zur Brunftzeit eine Haremsstruktur, in der Männchen kaum anderes tun, als ihre Weibchen beisammen zu halten und gegen andere Männchen zu verteidigen – so auch hier. Dabei magern sie oft richtig ab, da nicht mal mehr genug Zeit zum Fressen bleibt, aber scheinbar lohnt es sich trotzdem für die “Gunst der Damen”. Jedenfalls war dieses Exemplar sichtlich erleichtert, als wir uns wieder entfernten, während die Weibchen uns nur mit mildem Interesse begutachtet hatten.

Das neugierige Impala-Harem am Wegrand (© Cornelia Hebrank, 2024)
Das neugierige Impala-Harem am Wegrand (© Cornelia Hebrank, 2024)

Das war dann aber wirklich die letzte Ablenkung auf unserem Weg an die Stelle, an der die Löwen vorher gesehen worden waren. Entsprechend langsam waren wir unterwegs und hielten in alle Richtungen die Augen offen, um auch ein einzelnes herausspitzendes Ohr nicht zu verpassen. Es ging ein bisschen den Hügel hinunter und während der Steigung schnaubte etwas links von uns im Busch, was aber definitiv nicht nach Löwe klang. Aber keine fünf Sekunden später sahen wir etwas im hohen Gras und dann kam vor uns ein junger, männlicher Löwe auf die Straße gesprungen und rannte mit Schwung auf uns zu! Das war nun nicht ganz das, was wir erwartet hatten, und zum zweiten Mal heute wurde es uns etwas anders, als das mächtige Tier ohne zu Bremsen angerannt kam. Im Nachgang lernten wir, dass die beiden Jungtiere noch recht verspielt waren und das für sie sehr typisches Verhalten war, aber in dem Moment war es schon sehr beeindruckend (und ein kleines bisschen beängstigend). Er lief dann direkt links am Auto vorbei und sprang in den Busch, in dem ich das Schnauben gehört hatte, dann folgte etwas Geraschel und er kam gemütlichen Schrittes wieder auf den Weg gelaufen.

Junger männlicher Löwe kommt direkt auf die Kamera zugelaufen (© Cornelia Hebrank, 2024)
Löwe im Anmarsch! Ziel wird anvisiert! (© Cornelia Hebrank, 2024)

Wir folgten ihm dann zu seiner Familie – seine Mutter und sein Bruder lagen noch im hohen Gras, nahe der Stelle, an der wir ihn das erste Mal gesehen hatten. Der neugierigere Bruder ließ sich erstmal am Straßenrand nieder, hielt es aber doch nicht lange alleine aus und warf sich dann zum Spielen auf seinen Bruder. Wie man männliche Löwen aber kennt – faul wie eh und je – fiel das Spiel sehr ruhig und gemütlich aus: große Pranken wurden im Gesicht des anderen platziert, die Zähne gezeigt und dann wälzten sich die beiden etwas am Boden. Mama passte solange ganz entspannt auf und verteilte höchstens selber mal eine Pranke, wenn die Jungen ihr gegenüber zu frech wurden. Sonst ließ sie sich aber auch ankuscheln und es war ein sehr putziges Schauspiel der großen Katzen.

Eine Löwenfamilie (zwei junge Männchen und deren Mama) beim Kuscheln und spielen im hohen Gras (© Cornelia Hebrank, 2024)
Die beiden Männchen beim Kuscheln und Spielen (© Cornelia Hebrank, 2024)

Natürlich blieben wir so lange wir konnten und machten uns dann erst in der Dämmerung wieder auf den Rückweg. Dabei durften wir uns dann immerhin etwas Zeit lassen, sodass wir die Vögel auf der Straße mal genauer betrachten konnten. Erst hatten wir eine ganze Gruppe von Perlhühnern (Guinea fowl), die vor dem Auto rannten und, wie bei ihnen so üblich, ewig nicht auf die Idee kamen, mal von dem offensichtlichen Weg abzubiegen. So kann man diese Vögel oftmals eine ganze Weile “jagen”, bevor sie sich endlich wieder am Rand in die Büsche schlagen. Außerdem sahen wir uns auch ein Kaptriel (Spotted Thick-knee) mal genauer an, diese Bodenvögel laufen auch besonders abends gerne auf den Straßen herum und fliegen dann auf, wenn man mit dem Pickup angefahren kommt.

Und so ging der dritte Tag zu Ende… Wir konnten kaum glauben, dass wir jetzt schon die kompletten “Big Five” zu Gesicht bekommen hatten – viele Büffel, einige Nashörner, eine schöne Elefantenherde, die Löwen eben und zumindest schonmal einen Leopardenschwanz. Auf jeden Fall hatte sich der Ausflug jetzt schon gelohnt und wir waren uns einig, dass wir eine ganz wunderbare Zeit hier haben würden.

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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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