Es ist wieder soweit – Zeit für einen Exkurs in die lokalen Gefilde des Nürnberger Landes. Dieses Mal aber bei etwas kleineren Tierchen, die sich nicht immer ganz so leise verhalten wie eine gleitende Schleiereule: ab zu den Fledermäusen! (Ihr habt den Eintrag zu den Schleiereulen verpasst? Den könnt ihr hier nachlesen!)
Ich interessiere mich tatsächlich schon länger für die Jäger der Nacht und war entsprechend schon letztes Jahr begeistert, als ich vom Fledermaushilfstelefon erfahren habe und dass dort noch Helfer gesucht werden. Leider gibt es sonst beim Nürnberger LBV (noch) keine Fledermausgruppe, das wäre natürlich noch cooler… Letztes Jahr war ich jedenfalls recht spät dran, als ich von der Hilfsgruppe erfuhr, sodass die Hauptsaison schon vorbei war und ich die eigentliche Einweisung verpasst hatte. Nicht so dieses Jahr: ich war ab dem Auftakt-Termin dabei und bin seitdem etwa zwei Mal pro Woche im Bereitschaftsdienst aktiv am Helfen.

Das Fledermaushilfstelefon des LBV
Aber warum gibt es überhaupt so ein Hilfstelefon? Leider sind die meisten unserer einheimischen Fledermausarten schon deutlich seltener geworden oder sogar vom Aussterben bedroht, sodass sie jegliche Unterstützung gut gebrauchen können. Gerade im Sommer sind die Fledermäuse besonders aktiv. Im Juli werden die Kleinen geboren und von ihrer Mutter teilweise mit herumgeflogen, wobei auch mal ein Kindchen verloren geht und gerettet werden muss. Ende Juli bis Anfang August ist der Nachwuchs dann groß genug, um selber zu fliegen, und die sogenannte Invasionszeit beginnt: Gruppen von halbstarken Fledermäusen suchen nach der nächtlichen Jagd einen Platz zum Abhängen (pun intended) und ein Zimmer hinter einem gekippten Fenster wirkt dann gerne mal wie eine praktische Höhle. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass bis zu mehrere hundert Tiere gemeinsam in ein Gebäude einfliegen und je nach Fenster-Situation nicht so einfach wieder herauskommen.
Und da kommt nun das Fledermaushilfstelefon ins Spiel: dieses ist vom LBV Mittelfranken organisiert und bietet betroffenen Anwohnern im Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen die Möglichkeit, sich Unterstützung zu holen. Die Helfer sind lauter Freiwillige, die sich die Schichten untereinander aufteilen, sodass der Anrufbeantworter der Hotline immer zeitnah abgehört wird. Wir wurden dafür praktisch angelernt und werden dann schrittweise an die Aufgaben und das Handling der Fledermäuse herangeführt. Je mehr Freiwillige in einem Jahr dabei sind, desto besser verteilen sich natürlich auch die Schichten und desto eher findet man jemanden, der möglichst nahe am relevanten Einsatzort wohnt.
Die Saison startet dafür immer mit einem Auftakt-Termin, in dem uns von den erfahrenen Helfern mehr über die Fledermäuse, auch liebevoll Flausis genannt, erzählt wird. Neben der biologischen Info gibt es da auch Geschichten von den Einsätzen der Vorjahre, Beispiele für Anrufe und wie man darauf reagiert, und natürlich auch das Organisatorische zwecks Kilometergeld und dem Eintragen in die Schicht-Liste. Auch die relevante Ausstattung für den Fledermaus-Einsatz wird besprochen und vorbereitet. Danach ist es soweit: wir sind bereit für den Start des Telefons und alle tragen sich entsprechend in die Liste ein – entweder als Ersthelfer, wenn man sich das schon zutraut, oder als Zweithelfer, wenn man erst noch Übung sammeln will. So zumindest die Theorie.

Dieses Jahr kämpfen wir leider etwas damit, dass viele der bisherigen Helfer in ein Alter gekommen sind, dass ihnen die Schichten leicht mal zu viel werden und nur wenig Neue nachkommen. Das hat dazu geführt, dass ich mich auch praktisch nur noch für Ersthelfer-Schichten eingetragen habe, wobei ich durchaus zugebe, dass ich mich da nicht immer so sicher fühle. Aber zum Glück lässt sich ein Großteil der Anrufe telefonisch lösen – auch mit meiner noch limitierten Erfahrung – und mit jedem neuen Fall lernt man etwas dazu. Viele Anrufer möchten der Fledermaus helfen und bieten von sich aus jegliche Unterstützung an, sodass man wirklich nur in manchen Fällen rausfahren muss, um die Flausi selbst einzusammeln.
Meine erste gerettete Flausi
Wie schon gesagt, beschloss ich nach der Auftakt-Veranstaltung, dass ich wohl auch schon den Dienst als Ersthelfer übernehmen konnte und plante entsprechend ein paar Tage ein, mit dem Ziel etwa zweimal pro Woche mitzumachen – im Idealfall einmal davon als Zweithelfer, um mehr Anleitung zu bekommen. Dabei war meine eigentliche Hoffnung, dass die ersten Wochen noch recht ruhig ausfallen würden, sodass ich wenigstens einmal mit jemand mit mehr Erfahrung gemeinsam unterwegs sein würde, bevor ich selbst ausrückte.
Nun ja, das funktionierte… weniger gut. Direkt in meinem ersten Dienst war niemand als Zweithelfer eingetragen und dann kam ein Anruf rein, der nicht nur weit weg war, sondern auch aktiv Hilfe benötigte und nicht nur Informationen. Ich versuchte also, einen der erfahreneren Helfer in der passenden Ecke zu erreichen – erfolglos. Außer einer guten Bekannten, die auch erst letztes Jahr angefangen hatte und auf der komplett anderen Seite der Stadt wohnt, war keiner zu erreichen. Kurzentschlossen packte ich meine Flausi-Retter-Ausrüstung und machte mich auf den Weg: samt Regionalbahn und ordentlicher Laufeinlage am Zielort.
Ich gebe gerne zu, dass ich echt nervös war. Ich habe in meinem Leben zwar schon viel mit Tieren gemacht und auch gearbeitet, aber hatte bisher halt so gut wie keine praktische Erfahrung mit Fledermäusen. Und in der Theorie zu hören, was man tut, ist nochmal etwas ganz anderes, als es tatsächlich auch umzusetzen. Immerhin war mein Plan klar: die Fledermaus anschauen, wenn sie (für mich) gesund aussieht, sie einpacken und dann in der Auffangstation abgeben. Sowohl das Einsammeln als auch das Wasser geben, was besonders wichtig für die Tierchen ist, traute ich mir schon zu, und der Rest würde sich dann wohl ergeben müssen. Vor Ort atmete ich nochmal tief durch und bemühte mich dann, so professionell wie möglich rüberzukommen, als ich bei der Adresse aus dem Anruf klingelte.
Die kleine Fledermaus hing an einer Hauswand im Garten, keine 10cm über dem Boden und war schon seit über einem Tag an dem Eck auf dem Boden herumgekrabbelt. Die Vermutung lag also nahe, dass es sich um ein Jungtier handelte, das irgendwie seine Mutter verloren hatte. Immerhin konnte ich direkt sagen, dass es vermutlich eine Zwergfledermaus war und musste mir daher immerhin weniger Sorgen um Bisse machen (die haben so kleine Zähne, dass sie fast nicht durch die Haut kommen). Dennoch zog ich meine Handschuhe über und streifte die Kleine in meine Tragebox, die ich mit einem alten Waschlappen zum Verstecken ausgestattet hatte. Das Tier wollte meinen Handschuh gar nicht mehr loslassen, sodass ich ihn einfach auszog und der Flausi damit etwas mehr Ruhe zum Runterkrabbeln gab.


Da es zusätzlich auch immer wieder kurze Schauer gab, war die Entscheidung recht einfach: das Jungtier mitnehmen und in der Station aufziehen lassen. Wenn man vermutet, dass die Mutter sich noch in der Nähe aufhält, dann kann man alternativ auch versuchen, das Kind wieder aufsammeln zu lassen. Dafür braucht man dann eine Art Starthilfe für den Kleinen, damit Mama ihn besser abholen kann. Das kostet aber Zeit und funktioniert nur dann, wenn das Muttertier auch in der passenden Gegend ist und umherfliegt. Bei Regen fliegen diese Tierchen aber weniger gerne – und es war schon nach 21 Uhr und ich musste wieder per Zug nach Hause kommen – also war mir das zu riskant und zeitlich zu aufwändig.
Also machte ich mich mit meinem neuen Pflegling auf den Rückweg zum Bahnhof und hatte dort dann noch genug Zeit, um dem Kleinen etwas Wasser zu geben. Das macht man ganz vorsichtig mit einer Pipette (oder einem Pinsel) und von der Seite, während man darauf achtet, das Wasser nicht aus Versehen in die Nase zu geben. Beim dritten Tropfen hatte die Flausi es dann auch verstanden und schlabberte mit der kleinen pinken Zunge drauf los, offensichtlich schon ziemlich durstig (und extrem putzig!). Dehydrierung ist bei Fledermäusen ein typisches Problem, wenn sie irgendwo hängen und nicht mehr rauskommen, da sie vom Stoffwechsel her viel Wasser brauchen, dieses aber wie wir aktiv trinken müssen. Daher ist Wasser geben immer ein wichtiger Punkt bei der Fledermaus-Ersthilfe.

Nun war ich also mit einer putzigen, krabbelnden Flausi in meiner Box auf dem Weg nach Hause – alles nicht ganz so wie geplant. Die Auffangstation war für heute zu und so würde die Kleine die Nacht bei mir schlafen dürfen. Immerhin wurde ich auf dem Rückweg von einem der erfahrenen Helfer zurückgerufen und weiter instruiert, wie ich am besten vorgehen sollte. Ich stellte die Box also passend ab, sodass sie schön warm bleiben würde, und ließ der kleinen Maus noch etwas Wasser da (in einem Flaschendeckel), und dann hoffte ich einfach darauf, dass sie die Nacht gut überstehen würde. Bei den letzten Vorbereitungen stellte ich auch fest, dass die Fledermaus Milben hatte, da zwei davon schon durch die Box krochen. Das ist leider ziemlich typisch und daher sollte man die Box auch nicht gerade mit ins Bett nehmen…

Zum Glück krabbelte die kleine Zwergfledermaus am nächsten Morgen auch noch fleißig kreuz und quer durch die Box und wenig später konnte ich sie bei der Auffangstation der Fledermausfreunde Fürth abgeben. Dort erfuhr ich, dass es sich um ein junges Männchen handelte, und dann durfte der Kleine sich erstmal schön aufwärmen, bevor er die Ersatzmilch gefüttert bekam. Damit war mein erster Einsatz erfolgreich abgeschlossen und eine junge Fledermaus mehr würde in ein paar Tagen mit den anderen Findlingen zusammen in die Freiheit entlassen werden.
Die nächsten Schichten danach waren aber zum Glück wieder ruhiger – häufig wurden einzelne Fledermäuse gefunden, die offensichtlich schon fliegen konnten, und nach Anleitung dann in der nächsten Nacht von selbst abhauten. Oder aber es wurden krabbelnde Flausis entdeckt und die Melder hatten sich schon selbst so weit gekümmert, dass die Tiere irgendwie geschützt in eine Box oder Ähnliches gepackt worden waren. In solchen Fällen können die Melder häufig – ebenfalls mit etwas Anleitung – die Fledermaus selbst entsprechend transportfähig machen und bei der Auffangstation abgeben, sodass wir nur den Kontakt herstellen müssen. Und nach den ersten Wochen ergibt sich dann eine gewisse Routine des Zurückrufens und Aushelfens…
Besuch in der Auffangstation
Aber apropos Auffangstation in Fürth – da kann man natürlich auch mal so zum Helfen vorbeischauen, und wenn sie nicht so weit außerhalb liegen würde, dann wäre ich da bestimmt auch öfter dabei. Auf jeden Fall wurde ich dann Ende Juli noch von einer netten Kollegin vom Hilfstelefon dazu eingeladen, nochmal mit zur Station zu kommen, um etwas mehr Erfahrung mit der Handhabung der kleinen Flausis zu bekommen.
Dafür bietet sich diese Saison besonders an, da grade noch die letzten Jungtiere gefüttert werden müssen, die in wenigen Tagen dann alt genug zum selber fressen sein werden. Anfang und Mitte Juli sind dabei eher stressig, weil da immer mehr noch sehr junge Fledermäuse abgegeben werden, die oft besondere Aufmerksamkeit brauchen und auch mehrfach am Tag gefüttert werden müssen. Gegen Ende des Monats wird es dann ruhiger, weil die ersten Tiere selbstständig werden, und zwar noch in der Voliere leben, aber schon ihre ersten Flug- und Jagdversuche machen können.
So kam es also, dass ich an einem schönen warmen Abend in die Fütterung eingewiesen wurde und eine junge Flausi in die Hand bekam. Dazu verwendet man einen dünnen Stoffhandschuh, um die Kleine besser halten zu können und sich gleichzeitig auch ein bisschen vor einem Biss (oder bei der Größe eher einem Kratzer) zu schützen. Zum Füttern gibt es dann drei Möglichkeiten: eine Milch-Alternative für die eher jungen Tiere, einen Brei aus Algen und Mehlwürmern für die Mittelstarken und lebende Mehlwürmer als Übergang für die bald selbst fressenden Tiere.


Die erste meiner Fledermäuse war nicht wirklich an Mehlwürmern interessiert, aber ein bisschen Milch und deutlich mehr Brei fand sie super. Die Herausforderung bei der Sache ist tatsächlich das saubere Füttern – die Flausis bewegen sich ständig und schnappen auch aktiv nach dem Futter, aber da sie und ihre Münder so klein sind, ist es fast unmöglich, mit der Pipette nur korrekt zu treffen, obwohl die Spitzen schon sehr fein und weich sind. Also hatten wir auch noch Wattestäbchen bereit gelegt, um den Tierchen nach dem Füttern die Gesichter nochmal abzuwischen – was diese aber leider so gar nicht mochten. Da wurde immer sehr aktiv nach dem Stäbchen geschnappt. Trotzdem mussten sie da durch, bis sie dann zu unruhig wurden und nicht mehr fressen wollten. Und da kann man sich schon vorstellen, dass die Jungs ganz schön krabbelig sind – das Einsammeln meiner ersten Kleinen war auf jeden Fall einfacher, aber die war ja auch nicht so fit damals…
Nach der Fütterung sammelten wir die Fledermäuse in einem Transportbehälter, in dem sie sich möglichst schnell wieder unter und zwischen den Tüchern versteckten, und wo sie auf den Rest ihrer Kumpane warten konnten. Insgesamt durfte ich drei putzige Jungtiere füttern und freute mich beim letzten besonders darüber, wie sehr der Kleine Lust auf Mehlwürmer hatte – so eine Flaus beim aktiven Fressen zu beobachten ist dann doch nochmal was anderes und macht wirklich Spaß. Die Bewegungen dabei sind so schnell, dass es fast wie Zeitraffer aussieht, wenn der kleine Mehlwurm von vorne bis hinten ausgesaugt wird.

Auf jeden Fall war es wieder ein schönes Erlebnis, die kleinen Fledermäuschen so nah sehen und anfassen zu dürfen, und genau das macht die Mithilfe im Fledermaushilfstelefon auch so besonders: man lernt lauter nette Leute kennen, die sich für die nächtlichen Flieger einsetzen und kann die Tiere auch ganz nah erleben. Ich werde mich jedenfalls noch lange an den Blick der kleinen Flaus in meiner Hand erinnern, die kleinen schwarzen Augen haben einfach so eine besondere Ausstrahlung…
So viel zum aktuellen Stand meiner Fledermaus-Abenteuer. Ich bin auf jeden Fall stolz, Teil des Hilfstelefons zu sein und meinen Teil zu tun, um so viele kleine Flausis wie möglich zu retten. Wenn es noch spannende Einsätze oder sonst etwas Spannendes zu erzählen gibt, dann kann ich auch nochmal ein bisschen mehr berichten – habt ihr Interesse daran? Dann lasst mir doch gerne ein Like da!


Hinterlasse einen Kommentar