Und schon haben wir den letzten vollen Tag in unserem Abenteuer als Naturschutzhelfer erreicht – man kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Tatsächlich waren wir gefühlt fast durchgehend unterwegs, konnten unseren Aufenthalt absolut genießen, aber wurden auch immer wieder emotional gefordert. Zusätzlich fingen wir langsam an, uns Sorgen zu machen, dass wir „unser“ Hyänenhunderudel nicht nochmal sehen würden – nachdem sie uns schon am ersten Tag so schön begrüßt hatten, wollten wir uns auf jeden Fall noch persönlich von ihnen verabschieden können…
Das, und unser schon erkennbarer Trennungsschmerz, wurden natürlich auch von unseren beiden Monitorinnen gesehen und so war der Plan, nochmal eine ausgiebige morgendliche Fahrt zu unternehmen, bevor dieser Nachmittag zu unserem letzten Abend im Busch führen würde. Zwar war morgen auch noch ein voller Tag im Park, aber wie üblich würden wir am Sonntag nicht mehr viel Zeit außerhalb des Camps haben und mussten uns daher jetzt schon so langsam an den Abschied gewöhnen. Trotzdem oder vielleicht erst recht waren wir gespannt auf die kommenden Stunden.
Ein neues Löwenrudel
Tatsächlich hatte es in der letzten Nacht ganz schön geregnet und nun hingen die Wolken noch tief, sodass wir lieber zu viel Regenschutz mitnahmen. Gut eingepackt saßen wir dann pünktlich früh auf dem Geländewagen und halfen von oben mit, wieder ein Nyala-Bein zu verladen – der Plan war klar: wir würden uns nochmals an einem Call-Up versuchen und auf dem Weg wieder nach Löwen schauen.
Entsprechend machten wir uns ein weiteres Mal auf die weite Strecke in den Süden und kamen dabei in der wolkenverhangenen Dunkelheit bald an einem untypischen Paar vorbei: ein ausgewachsenes Nashornmännchen hatte sich scheinbar einem allein gelassenen Jungtier angenommen. Grade nach gestern traf diese Konstellation uns noch extra hart – wir konnten immer noch nicht glauben, wie krass die Wilderei auf diese armen Tiere gelebt wurde… Immerhin rissen uns die tapsenden Schopffrankoline (Crested Francolins) mit ihren schopflosen Kumpanen ohne deutschen Namen (Natal Spurfowl) aus diesen düsteren Gedanken, und wenig später waren wir dann an unserem Standort von gestern zurück.
Leider bekamen wir hier nun gar kein Signal mehr für die Hyänenhunde, aber das für die Löwen war immer noch sehr stark. Auch diese Löwin und ihr Rudel waren schon ein Weile nicht beobachtet worden, also beschlossen wir, erst ihrem Signal zu folgen. Wir mussten auch nicht lange suchen und trafen bald auf die ersten Jungtiere. Dieses Rudel bestand aus der Mutter, zwei Söhnen und einer Tochter – und während Mama sich noch versteckt hielt, kamen die Kinder direkt mal nach uns sehen.

Einer der Söhne war auch extrem interessiert an unserem Geruch – vermutlich hatte er das Nyala-Bein gewittert und fragte sich, warum wir Fressen vor ihm versteckten – und kam uns fast ungemütlich nahe. Zum Glück war er dann doch noch etwas scheu und trollte sich bald zu seinen Geschwistern zurück, aber auch so konnten wir die herrlichen Tiere in Ruhe aus der Nähe beobachten und erneut feststellen, wie mächtig und klobig diese Raubtiere doch sind.
Wie bei vielen Raubtieren ist die Mutter am Wichtigsten für die Aufzucht ihrer Jungen und kümmert sich im Zweifel auch alleine für Jahre um ihre Kinder, bis diese gut jagen und überleben gelernt haben. Daher sind die Weibchen bei einigen Raubtieren tatsächlich die besseren Jäger, da sie erfolgreicher sein müssen als ein einzelnes Männchen, um samt ihrem Nachwuchs zu überleben. Das ist auch mit der Grund, warum die Halsbänder hauptsächlich an Löwenweibchen vergeben werden, da man mit diesen meist direkt das ganze Rudel finden kann – selbst wenn sie sich wie hier verstecken. Wir blieben aber geduldig und umrundeten das Rudel zwei Mal, und dann endlich konnten wir auch durch eine kurze, aber gute Sichtung der Mutter sicherstellen, dass sie gesund und unverletzt war. Mit diesem ersten Erfolg ließen wir die Katzen gemütlich im Gras liegen und machten uns ein weiteres Mal auf zu den Hunden.


(© Cornelia Hebrank, 2024)
Suche nach unserem Hyänenhunderudel
Zwar brauchten wir auch heute wieder etwas, bis wir ein sinnvolles Signal für Mlilo mit dem einzigen (leider schwächeren) verbleibenden Halsband bekamen, aber umso mehr freuten wir uns darüber, dass dieses echt nahe an der Straße war! Wir suchten also den besten Punkt am Ende des Tales und beobachteten das Geschehen weiter: und wirklich, die Hunde waren in Bewegung und kamen in unsere Richtung. Nach den vielen verzweifelten Suchen konnten wir kaum glauben, dass es dieses Mal so einfach sein würde und fürchteten, dass sie sich noch umentscheiden würden, bevor sie uns erreicht hatten…
Aber dann gab es ein Rascheln im Busch nicht weit vor uns und ein erster Hund kam auf die Straße gelaufen, friedlich am Schnuppern und noch leicht feucht von der letzten Nacht. Bald waren alle sechs verbleibenden Hyänenhunde durch unser Blickfeld gewandert und ein Teil legte sich faul an den Straßenrand, während andere noch aktiv am Schnuppern waren. Wir waren erstmal einfach froh, dass es allen verbleibenden Tieren noch so gut ging – uns fielen nur kleinere Verletzungen auf und die Mägen schienen recht leer, aber sonst waren alle Tiere wohlauf.

Natürlich war es keine Frage, dass wir nun noch länger bei unserem vermissten Rudel blieben und die Hunde machten es uns leicht, da sie gemütlich der Straße folgten und sich in Ruhe überall umsahen. Die Wassertropfen glänzten und glitzerten in ihrem Fell und sie machten sich offensichtlich einen gemütlichen Vormittag. Bei der Beobachtung fiel uns auf, dass das ausgewachsene Weibchen, Mhlophe, deutlich runder aussah als die anderen und auch ihre Zitzen waren sehr klar sichtbar – war sie etwa trächtig? Unsere Monitorin war sich ziemlich sicher und das war natürlich eine besonders schöne Nachricht, dass Dane zumindest noch ein weiteres Erbe hinterlassen konnte.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

Nachdem sich das Rudel nun so lange versteckt gehalten hatte, schienen sie heute gar nicht mehr von der Straße verschwinden zu wollen. So lange sieht man die Hunde selten am Stück, dafür bewegen sie sich normal zu viel, aber heute wirkte es fast, als wollten sie unsere Gesellschaft auch noch ein bisschen genießen und wenig später lag das ganze Rudel gemütlich am Straßenrand und schlief. Wir blieben noch eine Weile, bis wir dann für eine kurze Tee-Pause ans Mitteltor fuhren, um danach wieder möglichst bald zurückzukommen – immerhin hatten wir auch noch das Nyala-Bein, das eine Verwendung brauchte…

Zweiter Versuch des Call-Ups
Auf dem Weg zum Tor kamen wir nochmal an einer Pantherschildkröte (Leopard Tortoise) vorbei, dieses Mal allerdings einer deutlich kleineren, die über die Straße spazierte. Wir blieben kurz als Schutz stehen, bis sie die Überquerung geschafft hatte, um sicherzugehen, dass sie nicht überfahren wurde. Zwei Kurven später waren wir auch schon am Tor-Parkplatz und machten unsere Rast, während der wir einen Rotschwingenstar (Red-winged Starling) beim Rumhüpfen auf dem Dach beobachteten. Als dann noch etwas Zeit blieb, sahen wir uns auch die hübsch gestaltete Nashorn-Statue im Torhaus an, bevor ich einmal mehr an den Massen an Flughunden hängen blieb – es mussten bestimmt hundert der Tiere unter diesem Dach hängen! Einfach zu putzig, so eine Kolonie, die einen von oben interessiert beäugt.

Lange hielten wir uns aber nicht auf, schließlich hatten wir noch Pläne. Ein Call-Up direkt an der Straße war eigentlich nicht ideal, da man ungern vor Touristen aus dem Auto steigt, wenn Raubtiere in der Nähe sind – aber da das Rudel immer noch am Straßenrand lag und die Strecke zur nächsten sinnvollen Abzweigung zu weit war, holten wir die Erlaubnis vom Ranger ein und mussten dann ein weiteres Mal geduldig sein. Wir warteten ab, bis gerade mal keine Touristen mehr in unserer Nähe waren und dann beeilte sich unsere Monitorin, das Bein in einiger Entfernung zu den Hunden an einen Baum am Straßenrand zu befestigen.
Die Hyänenhunde waren grade so außer Sicht, aber mussten uns bestimmt auch so schon gehört haben, und als wir dieses Mal den digital erstellten Ruf abspielten (den ich ja gestern beim ersten Versuch des Call-Ups schon beschrieben habe), zeigte sich gleich eine Reaktion. Einer nach dem anderen kamen als erstes die jüngeren Rudelmitglieder vorsichtig angelaufen und schauten sich noch etwas unsicher um. Dann hatten sie das Nyala-Bein entdeckt und alle Vorsicht war dahin: das Gerupfe und Gekaue ging los und bald waren alle außer Mhlophe am Fressen. Sogar einige Geier schienen Wind von der Aktion bekommen zu haben und kreisten in der Nähe vor sich hin.


Knack! Knusper! (© Cornelia Hebrank, 2024)
Innerhalb von nur wenigen Minuten war von dem Bein nur noch Knochen und etwas Hautfetzen übrig. Zwischendurch hatte sich Mhlophe auch immer mal wieder einen Happen geschnappt, aber sich dabei möglichst versteckt gehalten – früher war uns dieses Verhalten nicht so aufgefallen und wir fragten uns, ob es daran lag, dass sie ihren Partner verloren hatte… Sonst sahen die Hunde aber sehr zufrieden und glücklich mit der Welt aus und wenig später ging die Fressorgie wieder mehr und mehr in ein gemütliches Rumliegen über.

Wir mussten dann noch warten, bis es so heiß wurde, dass die Hyänenhunde sich wieder in den Busch verzogen, weil wir erst dann die Kette einsammeln konnten, mit der das Bein befestigt gewesen war. Danach machten wir uns nach einem sehr erfolgreichen Morgen auf den Rückweg ins Camp, der uns noch von zwei freundlichen Elefanten am Straßenrand verschönert wurde.
Außerdem machten wir kurz an einem Nashorn-midden Halt: das sind Stellen, an denen Nashörner regelmäßig ihren Dung hinterlassen, um ihr Territorium zu markieren. Besonders spannend ist die Tatsache, dass diese Stellen von beiden Nashornarten genutzt werden, da sich deren Territorien überlagen können, weil die Arten unterschiedliche Fressgewohnheiten haben. Männliche Tiere verbreiten ihren Dung dabei in dem gesamten Bereich des middens durch Zertreten und Scharren und verteilen den Geruch im Anschluss beim Weiterlaufen auch noch mit ihren Beinen weiter, um ihren Einfluss zu zeigen. Weibchen hingegen lassen ihren Dung eher am Rand fallen, sodass das Männchen des jeweilen Territoriums riechen kann, ob sie aktuell paarungsbereit sind und aufgesucht werden wollen. Also sind diese Dung-Kreise eine Art Zeitung für Nashörner…
Die letzte Abendfahrt
Durch den langen Vormittag wurde die Mittagspause, wie so häufig, recht kurz und bald war es wieder soweit und wir machten uns auf den Weg für unsere letzte Fahrt gen Sonnenuntergang…
Unser erster Stopp war an der Boma, an der uns eine Gruppe gestreifter Skinks (Striped Skinks) begrüßte, die es sich auf der Sichtschutzplane in der prallen Sonne bequem gemacht hatten. Das waren natürlich bei Weitem nicht die ersten solchen Echsen, die wir sahen, aber meistens hatten wir sie nur kurz gesehen und jetzt ließen sie sich gar nicht so sehr von uns stören und wir konnten ihre Färbung etwas genauer bewundern.
Bei der Runde um das Gehege konnten wir dann leider keinen Blick auf die beiden Insassen erhaschen, aber dafür war der Baum in der Mitte heute von einem Kuhreiher besetzt, der dann abflog und dabei unseren Weg kreuzte.
Langsam fingen wir an, uns Gedanken zu machen, was wir nochmal sehen wollten oder noch nicht so richtig gesehen hatten, und dabei kamen Wünsche nach einem Fotostopp für Nyalas auf – wir sahen diese Antilopen zwar sehr häufig, aber hatten nur selten lang genug angehalten, um auch schöne Fotos machen zu können. Und wie auf Bestellung tauchten wenige Kurven später zwei wunderschöne ausgewachsene Männchen am Wegrand auf uns ließen sich bewundern, bevor dann auch nochmal eine ganze Herde vor uns den Weg überquerte. Nun darf man Herde hier nicht falsch verstehen – anders als bei Impalas sind Nyalas eher in kleineren Familiengruppen unterwegs, also sieht man selten mehr als vielleicht zehn Tiere auf einem Haufen, während bei Impalas zwanzig bis dreißig nicht selten sind. Auf jeden Fall nutzten wir die Chance für Fotos nur zu gerne.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Sonst waren wir auf der Suche nach der Löwin, die wir damals als erste ihrer Art gesehen hatten, aber leider funktionierte ihr Halsband so gut wie gar nicht mehr und so mussten wir abbrechen, als es dunkler wurde. Um den Abschluss unseres Besuchs aber noch richtig zu genießen und schön ausklingen zu lassen, ging es nun ganz flott auf einen der höheren Hügel und dann durften wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen und die besondere Stimmung noch ein letztes Mal so richtig in uns aufsaugen, bevor es das letzte Mal durch die einbrechende Nacht zurück ins Camp ging.

Mittlerweile war der Abschied in ungute Nähe gerückt und am liebsten wären wir direkt nochmal zwei weitere Wochen geblieben, aber uns war klar, dass das nicht passieren würde. Also hieß es nun, sich langsam aber sicher von der Umgebung und dem Camp zu verabschieden, und so fühlte sich sogar das Datenblätter abtippen irgendwie ein bisschen so an, als könnte man es in Zukunft vermissen…
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