Auch unsere letzten Urlaubstage wollten wir natürlich nicht nur untätig herumsitzen und hatten uns daher direkt noch mit der Umgebung unserer Lodge beschäftigt, sodass wir zwei schöne Ausflugstage machen konnten. Erst hatten wir noch den Gedanken gehabt, mal bis ans Meer bei St. Lucia zu fahren, aber da das eine deutlich längere und zeitintensivere Sache geworden wäre, entschieden wir uns am Ende dagegen und machten insgesamt noch zwei ruhigere Tage.
Tatsächlich war uns das heutige Ziel bei unserer Anfahrt zur Lodge aufgefallen, da es direkt an der Hauptstraße lag, von der wir hatten abbiegen müssen. Die Schilder und das von der Straße aus sichtbare Gebäude von Zulu Croc hatten auf jeden Fall unser Interesse geweckt, und nachdem wir noch recht wenig der uralten Reptilien gesehen hatten, vor allem nicht aus der Nähe, klang das spannend. Da es außerdem nicht weit zu fahren war, planten wir für den Rest des Tag noch etwas gemütliche Zeit ein, in der wir auch den Wildnis-Trail in der Lodge ausprobieren wollten. Somit stand der Tagesplan.
Auf zu Krokodilen und Reptilien
Der Morgen fing aber erst noch ganz entspannt und ungefährlich an – obwohl wir auch nicht wirklich spät aufstanden, fühlte es sich nach den letzten zwei Wochen wie ausschlafen an. Dann wanderten wir gemütlich auf dem hübschen Waldpfad zum Frühstück, bei dem wir die Antilopen bei ihrem Morgensport beobachten konnten, während wir uns mit leckeren Omelettes und frischem Kaffee verwöhnen ließen. Es fühlte sich wirklich ein bisschen wie im Paradies an.
Wenig später stiegen wir dann in den Mietwagen und fuhren das kurze Stück zu dem Reptilienpark. Zulu Croc lag wie unsere Lodge im Nordosten von Hluhluwe in dem großen Gebiet von Ananasfeldern und vereinzelten Hütten oder anderen Gebäuden, aber dort prominent an der großen Verbindungsstraße nach Ngwenya. Die Anlage hat schon allein vom Namen her einen klaren Fokus, aber zusätzlich zu den Tieren gibt es auch noch ein Restaurant mit Café und eine kleine Minigolf-Anlage, sowie den zwingend notwendigen Souvenir-Shop.
Wir waren aber sehr zielstrebig und starteten direkt mit den ersten Vierbeinern: einige Leguane (Green Iguana) hatten es sich auf den heißen Steinen in der Sonne bequem gemacht und verfolgten uns nur aus dem Augenwinkel. Als wir sie aber eine Weile beobachteten, brach ein kleiner Streit aus und eins der Tiere rannte plötzlich und schneller als erwartet weg ins nächste Versteck. Wir störten dann lieber nicht länger und kamen als nächstes bei den Landschildkröten vorbei, die auf beiden Seiten des Wegen vor sich hin stapften. Die durfte man sogar berühren und ganz aus der Nähe anschauen, während sie ihre typische Ruhe ausstrahlten.


Als nächstes wurde es dann schon deutlich gefährlicher, als wir das Schlangen- und Spinnenhaus betraten und auch direkt eine persönliche Führung angeboten bekamen – es war Nebensaison und die Angestellten hatten offensichtlich nicht viel zu tun und freuten sich über die Ablenkung. Dort hatten sie tatsächlich eine Sammlung von Schlangen und Spinnen aus aller Welt, nicht nur aus Afrika, von denen alles von ungiftig, aber riesig, bis hochgiftig dabei war.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Sebastian Sperling, 2024)
Hier fingen wir erstmal mit einer Tour an, bei der die verschiedenen Schlangen vorgestellt wurden und wir auch einmal durchs Terrarium gehen konnten, in dem es schön schummrig war und die großen Spinnen in ihren kleinen Behausungen umherkrabbelten. Von denen blieben wir dankenswerterweise verschont, aber wenigstens mal eine Schlange mussten wir schon halten, meinte unser Führer. Da wären unsere Freunde daheim bestimmt stolz auf uns. Und so schnell hatte Sebastian das schwere Monster auf der Schulter und durfte ein bisschen mit der riesigen gelben Schlange kuscheln, während ich immerhin nur eine Session mit der kleineren Schwester bekam. Das Gefühl von den beweglichen Schuppen auf der Haut ist schon immer wieder was Besonderes, und die beiden Tiere waren auch sehr entspannt und schienen ihren Auslauf aus den typischen Gehegen zu mögen.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Sebastian Sperling, 2024)
Nach dieser direkten Interaktion wurde uns dann auch direkt noch eine Fütterung der Krokodile versprochen, die wollten schließlich auch in Besucher-ärmeren Zeiten ihr Futter. Entsprechend durften wir uns erstmal noch nicht viel Zeit mit den verschiedenen Arten nehmen, sondern wurden direkt bis an das größte Gehege mitgenommen, um dort ein bisschen Aktion mitzubekommen.
Wenn sie nicht gerade auf der Jagd sind, dann sind Krokodile ja eher ruhige und scheinbar entspannte Zeitgenossen, wenn sie in der Sonne liegen oder fast wie Holzstämme im Wasser treiben. So auch an diesem heißen Tag – zumindest bis dann der Geruch des Fleisches in ihren Nasen ankam. Sobald klar wurde, dass es hier etwas zu holen gab kam Bewegung in das weitläufige Gehege, in dem einige ausgewachsene Nilkrokodile herumgelegen hatten. Sogar die schwimmenden Tiere machten sich auf den Weg zu unserer Seite und als dann die Fleischstücke geworfen wurden, ging das große Geschnappe los: jeder wollte das nächste Stück ergattern und dafür wurde auch über andere gekrabbelt und die Mäuler mit den beeindruckenden Zähnen weit aufgerissen.

Besonders interessant war auch, dass die Krokodile nicht wirklich so beweglich sind und daher das Fleisch teilweise zwar nicht weit neben dem Maul lag, aber trotzdem erstmal mühsam reinbefördert werden musste. Normal jagen sie ja als Lauerjäger, um dann schnell ein unvorsichtiges Tier zu schnappen und mit sich in die Tiefe des Wassers zu ziehen, damit es dort ertrinkt. So ein kleines Fleischstück wirkt dagegen fast unergiebig in so einem Maul, in dem noch so viel mehr Platz wäre…

Nach der Fütterung waren wir dann auch wieder alleine und die Tiere hatten sich auch sehr schnell wieder beruhigt und ließen sich noch in Ruhe beäugen. Der Park hat auch von den nicht-einheimischen Arten jeweils ein Exemplar da, sodass man sich die verschiedenen Tiere im Vergleich anschauen kann: nacheinander das fast hübsche westafrikanische Stumpfkrokodil (Dwarf Crocodile), das besonders auffällige, schmal-schnauzige Panzerkrokodil (Slender-snouted Crocodile) und dann auch den breiten amerikanischen Alligator… Das war schon ein spannender Vergleich und gut, um die Unterschiede mal direkt sehen zu können.

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Die mit Abstand am meisten vertretene Art war das einheimische Nilkrokodil, das wir ja auch schon einmal richtig in der freien Natur hatten sehen dürfen (an Tag 9). Davon gab es eine komplette Aufzucht von den ganz kleinen Krokodilchen, die man noch mit der Hand hätte nehmen können, über die verschiedenen Altersgruppen bis hin zu den nach zwanzig Jahren ausgewachsenen Tieren, die wir vorhin beim Fressen beobachtet hatten.
Hier gab es auch nochmal interessante Infos über die Biologie der Tiere und deren Aufzucht auf zwei großen Tafeln zu lesen und wir verbrachten dann noch eine Weile mit dem Beobachten der Krokodile in ihren vielen verschiedenen Bereichen, sowie den Witwenstelzen (African Pied Wagtail), die dazwischen am Wasserrand umherstaksten. Auf jeden Fall gab es so noch ein paar sehr hübsche Krokodilbilder, bevor es uns dann doch irgendwann zu heiß wurde in der Sonne.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Danach eine nette Pause
Wir spazierten also wieder zurück durch das Parkgelände und nahmen in dem hübschen Restaurant im Schatten Platz, um den Luftzug zu genießen. Eigentlich hatten wir geplant, hier das Mittagessen zu machen, aber nach dem letzten großen Abendessen und dem reichhaltigen Frühstück hatten wir tatsächlich keinen Hunger und entschieden uns stattdessen für einen Kaffee.
Bei dieser gemütlichen Rast hatten wir den Blick auf der kleinen Minigolf-Anlage, die schon irgendwie nett aussah und auch fast komplett im Schatten lag. Kurzentschlossen liehen wir uns also zwei Schläger und Bälle aus und starteten den kleinen Kurs – wir waren beide ziemlich außer Übung, aber schafften doch ein paar echt eindrucksvolle Treffer. Und das Wichtigste war ja sowieso, dass wir Spaß dabei hatten!
So ging der Tag schnell vorbei und schon war es früher Nachmittag. Nach kurzer Überlegung entschieden wir, direkt zurück zur Lodge zu fahren und uns dort noch ein bisschen umzuschauen – wir hatten das Schild zum Wilderness Trail gesehen und waren neugierig. Außerdem würde das Abendessen bestimmt wieder sehr lecker und viel werden, also bot es sich doch geradezu an, erst noch 1,5 km durch das kleine Reservat zu laufen.
Die Rückfahrt ging auch wieder schnell und wir sahen dieses Mal nochmal andere interessante Ecken auf dem letzten Stück Weg zwischen den Reservaten hindurch, da die Gegend einfach wirklich schön ist. Dann ließen wir alles im Auto liegen, was wir für unseren kleinen Spaziergang nicht brauchen würden und zogen mit einem Fernglas und einer Kamera gewappnet los…
Und dann nochmal ab in die Wildnis
Der Beginn des Pfades war eindeutig angeschrieben und wir fanden ihn entsprechend einfach, da der kleine Trampelpfad gut zu erkennen und zusätzlich auch mit regelmäßigen bemalten Pfosten abgesteckt war. Wir hatten in der Rezeption zwar gelesen, dass man ihn alternativ auch mit einem ortskundigen Vogelführer besuchen konnte, aber das war uns zu viel für die wenigen Tage gewesen. Außerdem klangen 1,5 km jetzt nicht nach einem großen Zeitinvestment, um ein bisschen den afrikanischen Busch zu genießen…

Anfangs liefen wir langsam durch den Wald direkt neben dem Lodge-Gelände und schauten uns nach den verschiedenen Pflanzen, Vögeln und allem um. Bald entdeckte ich auf dem sandigen Boden auch die ersten Spuren, die ich natürlich genauer anschauen musste – es fing auch sehr einfach mit einer kleinen Antilope an, die ich nach meinem Training im letzten Winter recht schnell identifizieren konnte. Natürlich ist das Spurenlesen in Afrika aber deutlich schwieriger als in Europa, was die eindeutige Zuordnung zu Arten angeht, da es einfach viel mehr verschiedene Tierarten gibt… Also dauerte es auch nicht lange, bis ich auf eine Spur stieß, die ich nicht so leicht zuordnen konnte – sicher bin ich mir da bis heute nicht, aber ich vermute, dass es sich um ein Stachelschwein (Porcupine) handeln könnte, was auch wenig später dadurch verstärkt wurde, dass wir zwei Stacheln auf dem Boden fanden!
Nach einer Weile kamen wir auch an einem Infoschild vorbei, an dem ein bisschen mehr über die Vegetation der Gegend und die vorkommenden Vögel zu lesen war. Und dann wurde es anders spannend, weil der Wald sich lichtete und wir dann über bunte Wiesen und durch Buschlandschaften wandern durften – immer weiter auf kleinen Trampelpfaden und direkt durch die Natur.


So ging es dann eine weite Runde durch das Reservat, quer durch Wäldchen, über Wiesen, über die Fahrspuren für die Autos… nach einer Weile wurde uns klar, dass wir die Strecke deutlich unterschätzt hatten – wir waren schon eine ordentliche Zeit unterwegs und bewegten uns scheinbar immer noch nicht wieder in Richtung Lodge. Der Weg war schön und auch das Laufen war kein Problem, aber die nachmittägliche Hitze setzte uns doch langsam zu. Trotzdem hielt uns die abwechslungsreiche Natur bei Laune und wir zogen weiter auf dem kleinen Pfad entlang, schauten Spuren oder Insekten am Boden an, beobachteten Vögel beim Wegfliegen und versuchten, die nächsten Pfosten als Wegweiser zu erspähen.
Als langsam schon die Schatten der untergehenden Sonne länger wurden und wir zumindest etwas weniger direkte Hitze abbekamen, kam uns die Umgebung auch wieder bekannter vor und endlich waren wir weit über eine Stunde später zurück am Ausgangspunkt unseres Spaziergangs. Wir schnappten uns also schnell noch unsere restlichen Sachen und freuten uns auf eine Erholungspause im Zimmer und auch in unserem eigenen kleinen Jacuzzi, nachdem wir uns das Wasser nun definitiv verdient hatten.
Nach der gemütlichen Pause war es dann auch schon Zeit fürs Abendessen und da durften wir nochmal zwei kleine Highlights mitnehmen: auf dem Weg zum Essen begrüßten uns schon ein paar Antilopen, die gemütlich in Wegesnähe grasten, und beim Restaurantbereich wurde es dann noch besser. Die Zebras, die wir bisher noch nur auf Fotos gesehen hatten, waren neugierig geworden und wollten mal nach uns schauen – sie standen also direkt neben unserem Tisch herum und beäugten uns aus nur ein bis zwei Meter Entfernung. Einfach eine tolle Atmosphäre!

(© Sebastian Sperling, 2024)

(© Sebastian Sperling, 2024)
Mit dem extrem leckeren und eigentlich schon wieder zu reichhaltigen Abendessen ließen wir den Tag noch schön ausklingen, auch nachdem die Zebras einige Minuten später langsam davongingen. Wir hatten definitiv das meiste aus dem Tag gemacht und auch schon tolle Pläne für morgen, die wir vorhin noch kurz mit Hilfe der Rezeption finalisiert hatten. Und so ging ein weiterer wundervoller Tag zu Ende und die Natur um uns herum wiegte uns wenig später in einen entspannten Schlaf, damit wir für die restlichen Pläne weiter fit sein würden…
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