Willkommen bei einer neuen Reihe auf meinem Blog! Wie schon in den letzten Einträgen angekündigt, wird es in Zukunft auch etwas mehr Infos zu den verschiedenen Tierarten geben, mit denen ich zu tun hatte – in den Artenportraits. Dabei wird es nicht nur um die afrikanischen Arten gehen, sondern auch die deutschen oder europäischen Tiere sollen dabei nicht zu kurz kommen. Ihr könnt euch also auf verschiedenste Einblicke in die Tierwelt freuen!
Bevor wir aber auf einzelne afrikanische Arten eingehen, möchte ich euch erstmal die Übersicht über die bedrohten Arten geben, die beim Monitoring in Südafrika priorisiert behandelt werden. Da die meisten Deutschen diese afrikanischen Tiere nur aus Doku-Filmen und Erzählungen kennen, ist das ein gemütlicher Einstieg in die folgenden Artenportraits und deren Detailinformationen. Außerdem gibt es mir die Möglichkeit, die typischsten Bedrohungen und Gefährdungen für solche selteneren Arten zu erklären, um später darauf aufzubauen.
Die folgenden Tierarten habe ich mir dafür nicht selber ausgesucht, sondern einfach von Wildlife ACT übernommen, bei denen ich dieses Frühjahr gemeinsam mit meinem Freund als Freiwillige aushelfen war (wenn ihr es noch nicht gelesen habt, dann könnt ihr hier die Zusammenfassung unserer Reise finden). Die Organisation ist für einen großen Teil des Monitorings von bedrohten Arten im Osten von Südafrika zuständig und kennt sich daher gut mit dem lokalen „Wildlife“ aus. Welche Arten sind also besonders schützenswert?
Hyänenhunde (African Wild Dogs)
Wer auch nur kurz in die letzten Blogeinträge geschaut hat, der kennt sie schon – die Hyänenhunde sind oft der Fokus des täglichen Monitorings, da sie leider stark gefährdet sind und daher durchgehende Beobachtung erfordern. Man erkennt diese biologisch in der Familie der Wölfe angesiedelte Tierart gut an den großen runden Ohren und dem braun-schwarz-weiß gefleckten Fell.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

Was die Hyänenhunde besonders macht, ist ihre Sozialstruktur, die an ein Wolfsrudel erinnert: ein Rudel (Pack) besteht aus einem leitenden „Alpha“-Paar, das sich fortpflanzt, und weiteren Tieren, die bei der Jagd und Erziehung der Jungen helfen. Diese Helfer sind häufig auch die eigenen Nachkommen des Leitpaars, bis sich gleichgeschlechtliche Gruppen abspalten und nach neuen Territorien und Partnern suchen. Hyänenhunde sind sehr effektive Jäger, die kooperativ hetzen und damit auch größere Antilopenarten bis hin zu Zebras erbeuten können.
Leider wird die Zahl an wildlebenden Hyänenhunden weiterhin weniger, da die Art wegen ihrer sozialen Natur nicht so einfach zu schützen ist. Es braucht Reservate mit genug Platz, passenden Zäunen mit Untergrabschutz und den vorgeschriebenen Monitoringplänen um ein Rudel aufzunehmen. Da in den meisten Reservaten nicht genug Platz für mehr als eine Familie ist, kann Nachwuchs nicht selbstständig abwandern und muss durch intensives Management in andere passende Reservate oder Nationalparks umgesiedelt werden.
Neben diesem nur sehr eingeschränkt verfügbaren Lebensraum sind die Tiere vor Allem durch den Menschen bedroht, da sie von Farmern und Nutztierhaltern im Umland von Nationalparks und Reservaten gehasst – auch wegen alter Geschichten und Traditionen – und entsprechend bei Verlassen der geschützten Gegenden oft getötet werden. Außerdem stellen Drahtfallen eine große Gefahr für die Populationen dar: eigentlich für den (illegalen) Fang von „Bushmeat“, also Antilopen, aufgestellt, geraten regelmäßig auch Hyänenhunde in diese miesen Fallen, die sich dann im schlimmsten Fall um ihren Hals zusammenziehen. Als soziale Art kehren die anderen Rudelmitglieder zu dem gefangenen Tier zurück, um zu helfen, und geraten dabei teilweise selbst in weitere Fallen, da diese oft in ganzen Reihen aufgestellt sind. Während unserer diesjährigen Reise hörten wir von einem Fall, bei dem alle bis auf zwei Rudelmitglieder durch diese Fallen umgekommen waren…
Mehr über Hyänenhunde könnt ihr im eigenen Eintrag nachlesen.
Leoparden (Leopards)
Wenn man mal das Glück hat, einem wilden Leoparden zu begegnen, dann kann man die Kombination aus Kraft und Eleganz bewundern, die diese große Katze auszeichnet. Gut an ihren mehrteiligen schwarzen Flecken auf dem beige-braunen Fell zu erkennen, ist dieser nächtliche Jäger eher versteckt unterwegs und lässt sich tagsüber recht selten sehen.

Aber man sollte diese Tiere auf keinen Fall unterschätzen: Leoparden sind extrem gute Kletterer, sodass ein Zaun kein Hindernis für sie ist – ich hatte bereits in mehreren Camps Nachweise oder direkte Kontakte mit diesen Großkatzen. Durch diese Fähigkeiten und ihre doch recht großen Territorien haben sich diese Tiere teilweise auch außerhalb von geschützten Gegenden gehalten, aber trotzdem geht ihre Zahl laufend zurück und sie sind daher auf der Liste der gefährdeten Arten.
Die größte Gefahr für Leoparden ist tatsächlich weiterhin die direkte Jagd und Tötung von Tieren durch die lokale Bevölkerung, da ihre Felle in vielen Traditionen ein Zeichen von Macht sind und für Rituale verwendet werden. Weitere Gründe für die Tötungen ist der Konflikt mit Tierhaltern, die zum Teil auch einfach vorbeiziehende Tiere grundlos erschießen. Außerdem stellt das Auslegen von vergifteten Kadavern eine weitere Gefahr dar, die neben anderen Arten auch bei Leoparden häufig zum Tod führt.
Geparden (Cheetahs)
Als das schnellste Tier der Welt weitbekannt, sind auch Geparden mit auf der Liste der besonders zu schützenden Arten, da sie gefährdet sind und wie auch die anderen Raubtiere in ihrer Zahl zurückgehen. Auch wenn Geparden den Leoparden recht ähnlich sehen, kann man sie doch gut an ihrem deutlich schlankeren Körperbau und den einzelnen schwarzen Flecken erkennen.

(© Sebastian Sperling, 2024)

Da sich diese Katzen auf eine kurze, aber sehr schnelle Jagd fokussiert haben, brauchen sie dafür auch den passenden Lebensraum: buscharme Gegenden mit offener Steppe oder Grasflächen, auf denen sie sich an ihre Beute anschleichen und diese dann gezielt jagen können. Als schmalstes der großen Raubtiere haben es Geparden schon so nicht leicht: nach der anstrengenden Jagd müssen sie erst kurz verschnaufen, bevor sie fressen können, und müssen solange darauf hoffen, dass weder Löwe noch Hyäne vorbeikommt, um ihre Beute zu stehlen. Deswegen verstecken sie die Kadaver dann gerne unter Gesträuch, um weniger aufzufallen. Umso faszinierender ist es, dass Geparden-Mütter es schaffen mehrere Junge alleine aufzuziehen und genug für alle zu erbeuten.
Neben den Gefährdungen durch Farmer und Bejagung außerhalb geschützter Gebiete, sind Geparden auch zusätzlich benachteiligt, wenn es in Reservaten zu hohen Raubtierdichten kommt, da dann besonders Löwen und Hyänen auch Gepardenjunge fressen. Außerdem hat die weite Bejagung dazu geführt, dass viele kleine Populationen zu lange von anderen getrennt waren und daher Inzucht stattgefunden hat – in manchen Fällen ist es so schlimm, dass sich die Tiere kaum noch fortpflanzen können, sodass jetzt aktives Management nötig ist, um passende Partner in den verschiedenen Reservaten bereitzustellen und die Populationen zu erhalten.
Mehr zu Geparden findet ihr auch im entsprechenden Eintrag.
Löwen (Lions)
Natürlich darf in dieser Liste auch die größte Katze nicht fehlen – der Löwe. Auch wenn die Populationszahlen bei den Löwen noch nicht ganz so niedrig sind wie bei den anderen bisher genannten Arten, so sind auch sie auf der roten Liste als gefährdet geführt und werden weiterhin weniger. Die ikonische Art lässt sich nur schwer mit anderen verwechseln und ist weitreichend bekannt, was aber nicht nur zu ihrem Besten ist.


(© Cornelia Hebrank, 2024)
Tatsächlich ist ein großer Faktor beim Schutz von Löwen auch die Vermeidung von Zuchtbetrieben zur reinen touristischen Nutzung – auch bekannt als Blutlöwen, nach dem Dokumentarfilm „Blood Lions“, der diese Industrie eindrucksvoll beleuchtet hat. Dabei werden Löwen nur dafür aufgezogen, dass sie später als Jagdtrophäe verwendet werden können. Und zu allem Überfluss werden unwissenden Touristen auch noch Begegnungen mit Löwenbabys verkauft, die als Unterstützung beim Tierschutz vermarktet werden…
Löwen sind meistens auch in Rudeln (Prides) anzutreffen, die aus einem erwachsenen Männchen und mehreren Weibchen sowie deren Nachkommen bestehen. Es gibt aber auch kleinere Familieneinheiten, in denen eine Mutter mit ihren noch jugendlichen Kindern umherstreift. Je nach der Größe des Rudels können Löwen praktisch alles bis hin zu jungen Elefanten oder Nashörnern jagen, aber sie fressen tatsächlich häufig auch viel Aas – Hauptsache sie können sich danach gemütlich auf die faule Haut legen.
Mehr zu Löwen? Aber sicher! Nämlich hier.
Breitmaulnashorn (White Rhino)
Als die häufigste überlebende Nashornart hat sich die Population des Breitmaulnashorns im südlichen Afrika nach einigen sehr schweren Jahren langsam wieder etwas erholt. Trotzdem sind sie immer noch bedroht und brauchen viel aktiven Schutz. Wie der deutsche Name schon verrät, erkennt man diese Art an ihrem breiten Maul, das wunderbar zum Gras rupfen gemacht ist.


(© Cornelia Hebrank, 2016)
Als Steppenbewohner ist diese Nashornart leichter zu entdecken als ihre schmalmäuligeren Gefährten und in vielen Reservaten wieder deutlich häufiger geworden. Dieser Erfolg liegt zu einem großen Teil an den Enthornungsaktionen, die in weitläufigen Gebieten Afrikas regelmäßig durchgeführt werden. Denn während beide Nashornarten keine natürlichen Feinde haben, ist die mit Abstand häufigste Todesursache heutzutage ihre Ermordung durch Wilderer, die es auf ihre Hörner abgesehen haben.
Obwohl das Horn chemisch aus den gleichen Stoffen besteht wie unser Fingernagel, gibt es in einigen asiatischen Ländern den Aberglauben, dass dieses geriebene Horn heilende oder stimulierende Fähigkeiten besitzt, und mittlerweile hat sich der Konsum zu einem Statussymbol entwickelt. Aus dieser Nachfrage finanziert sich einer der größten illegalen Jagd- und Schmuggelringe, der viel zu leicht zur kompletten Ausrottung dieser Tiere führen könnte…
Spitzmaulnashorn (Black Rhino)
Die zweite afrikanische Nashornart ist deutlich seltener und seit Jahren vom Aussterben bedroht. Das liegt vermutlich mit daran, dass diese Tiere eher in Buschlandschaften leben, die wie überall auch in Afrika weniger werden, und gleichzeitig aggressiver sind als ihre grasfressende Schwesterart. Auf das Leben im dichten Busch angepasst, zupfen die Spitzmausnashörnern mit ihrem deutlich schmaleren Maul die Blätter von den Büschen und halten sich meist gut versteckt.

Sie sind genau wie die Breitmaulnashörner durch die Wilderei bedroht und kämpfen zusätzlich mit den fragmentierten verbleibenden Busch-Habitaten sowie der Tatsache, dass sie schwieriger in Gefangenschaft zu züchten sind (auch für die Auswilderung).
Afrikanische Elefanten (African Elephants)
Die nächste faszinierende Art von grauen Kolossen sind die Elefanten, die meist gemütlich und ruhig durch die Landschaft ziehen. Als Architekten ihrer Umwelt bekannt, können Elefanten leicht auch ganze Bäume umdrücken oder große Äste als Futter abreißen und tragen damit dazu bei, dass offene Landschaften erhalten werden. Während sie insgesamt immer noch stark gefährdet sind, gibt es allerdings in einzelnen Schutzgebieten mittlerweile fast zu viele Tiere auf einem Haufen, sodass es zu einem Verlust von Buschlandschaften kommen kann.

Nachdem die ursprünglich noch sehr große Population von Elefanten vor einigen Jahren durch die Wilderei wegen des Elfenbeins stark dezimiert wurde, ist heute in vielen Gegenden die Fragmentierung ihres Lebensraums das größere Problem. Eigentlich zogen Elefanten durch die ganze südliche Hälfte des afrikanischen Kontinents und folgten damit dem Wasser und Futter, ohne einen Ort besonders stark abzunutzen. Da dies heute nicht mehr möglich ist, und die meisten Populationen auf kleine Schutzgebiete eingeschränkt sind, entstehen die eben genannten Probleme, da sich die Elefanten nicht ausreichend bewegen können.
Auch zu den Elefanten gibt es einen eigenen Eintrag mit noch mehr Infos.
Geier (Vultures)
Zusätzlich zu den spezifischen Arten sind aber auch einige Tierfamilien Monitoring-relevant. In Südafrika gibt es einige verschiedene Geierarten, die allesamt als gefährdet oder sogar stark gefährdet gelistet sind. Wildlife ACT hat mittlerweile sogar spezielle Projekte für den Schutz von Geiern ins Leben gerufen, um den drohenden Verlust der Arten zu verhindern. Auch wenn Geier in den Medien oft als eher gierig und unfreundlich dargestellt werden, sind diese Tiere immens wichtig für das Gleichgewicht ihrer Ökosysteme, da sie als mittelgroße und extrem mobile Aasfresser eine wichtige Funktion in der Verwertung von Kadavern ausüben.

(© Cornelia Hebrank, 2016)

Leider haben aber auch sie immer wieder Probleme mit Menschen. In einigen afrikanischen Traditionen werden Teile von Geiern für das Vorhersagen der Zukunft verwendet, in Form von sogenannten „Muthi“. Früher wurden die Tiere dafür einzeln gejagt, aber heute werden oftmals vergiftete Kuh-Kadaver als Köder ausgelegt, die dann über hundert Geier anziehen und auf einen Schlag umbringen können. Dass damit auch die „Muthi“ nicht mehr sicher als Medizin genutzt werden können, ist nur einer der schlimmen Effekte dieser Art zu „Jagen“.
Hyänen (Hyenas)
Zum Abschluss sind auch noch die Hyänen interessant, von denen es auch mehrere Arten in Südafrika zu finden gibt. Da es hier große Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten gibt, möchte ich hier nur eine kurze Übersicht machen (und in einem späteren Eintrag näher auf die Arten eingehen).

Während die Hyänenarten aktuell noch nicht selbst als gefährdet eingestuft werden, so spielen sie doch eine wichtige Rolle in der Interaktion mit anderen Raubtieren. Besonders die in Clans lebende Tüpfelhyäne (Spotted Hyena) kann deutliche Auswirkungen auf Hyänenhunde oder Geparden haben, da sie diese kleineren Tiere von ihren geschlagenen Beutetieren vertreiben können. Damit erschweren sie nicht nur den anderen Arten das Leben, sondern manchmal auch den Beobachtern ihren Job. Entsprechend ist die Erforschung der Hyänen auch für die anderen Arten interessant.
Und damit sind wir auch schon durch mit den priorisierten Arten in Zululand, Südafrika. Wenn ihr noch mehr über die einzelnen Arten wissen wollt, dann dürft ihr euch auf die entsprechenden Einträge in der Zukunft freuen (und mir auch gerne einen Kommentar da lassen, welche Art ihr am spannendsten fändet). Oder, wenn ihr kein Problem mit Englisch habt, dann könnt ihr auch gerne mal auf der Artenübersicht von Wildlife ACT vorbeischauen und dort noch etwas mehr stöbern.


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