Meistens geht es hier auf dem Blog ja eher um Arten, die man nicht gerade jeden Tag vor seiner Haustüre findet – dabei sind genau diese Tiere einer der schönsten Einstiege in das Hobby der Tierbeobachtung! Ganz häufig reicht schon ein aufmerksames Auge auf den eigenen Balkon, in den eigenen Garten, oder einfach auch auf den Baum vor dem Fenster. Tatsächlich flattert und hüpft da oft etwas herum und lässt sich mit etwas Übung auch gut finden und beobachten.
Kennt ihr die häufigsten Besucher, die man zuhause oder auf einem Spaziergang findet? Ich muss ja selber zugeben, dass ich nicht zu den besten Vogel-Bestimmern gehöre – Säugetiere hatten es mir schon immer mehr angetan. Aber trotzdem bin ich immer neugierig und lerne gerne mehr über unsere flatternden Gefährten, und so einige typische Arten kennt man ja auf jeden Fall. Also fange ich jetzt einfach mal mit denen an und erzähle euch ein bisschen was dazu. Wenn ihr aber Interesse an noch mehr heimischen Vögeln habt, dann schreibt mir eure Wünsche gerne in die Kommentare 😉
Unterwegs auf dem Baum oder Busch am Eck
Fangen wir doch mit den drei typischsten Arten an – alle sieht man häufig in Gärten und Büschen am Straßenrand, sie sind immer auf der Suche nach dem nächsten Körnchen oder Würmchen zum Picken und durchaus putzig anzusehen.
Die erste ist der Spatz, auch als Haussperling bekannt, den man meistens in kleinen Gruppen in Büschen finden kann. Diese kleinen Vögelchen nisten tatsächlich an Gebäudenischen, sodass sie mit in die schützenswerte Gruppe der Gebäudebrüter fallen – auch wenn sie deutlich weniger anspruchsvoll sind als die meisten anderen aus dieser Kategorie. Schön ist auch, dass man bei Spatzen leicht unterscheiden kann, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt: die Männchen haben eine schwarze Kehle und einen braunen Streifen am Auge, während die weiblichen Tiere mehr einheitlich grau gefärbt sind.


(© Sebastian Sperling, 2022)
Wenn man in der Stadt unterwegs ist, vielleicht sogar im Außenbereich eines Cafés, dann handelt es sich so gut wie immer um einen Haussperling. Es gibt aber auch die hier ebenfalls weit verbreitete Art des Feldsperlings, der auch die schwarze Kehle hat, aber ein weißes Halsband darum herum. Bei einem Spaziergang in Wald und Wiese sollte man also nochmal genauer schauen, welchen Sperling man da grade piepen hört.
Die zweite fast ständig gesehene Artengruppe ist die Meise. Hier sieht man meistens eher die Kohlmeise mit ihrem schwarzen Kopf mit weißer Backe und dem typisch gelb-blauen Gefieder. Aber auch die Blaumeise, die einen blauen Schopf auf dem Kopf trägt, ist immer wieder im Garten und passenden Bäumen oder Büschen zu finden. Beide Arten sind wenig scheu und kommen gerne an Futterstätten, sodass sie wirklich leicht zu beobachten sind – besonders in der kälteren Jahreszeit.

Natürlich sind sie auch über die „Meisenknödel“ bekannt, die man sich gut auf den Balkon oder in einen nahen Busch hängen kann. Dann bekommt man gerne Besuch, sobald der Futterstandort einmal bekannt ist. Typisch ist es dabei auch, erst anzufliegen, etwas rauspicken und dann damit wieder zu verschwinden, nur um wenig später wieder für den Nachschlag aufzutauchen – zumindest machen sie das auf unserem Balkon immer gerne so!
Und den Abschluss macht als dritte typische Art die Amsel. Wer hat nicht schon mal eine schwarze Amsel mit ihrem gelben Schnabel über eine Wiese huschen und nach Würmern stochern sehen? Aber wusstet ihr auch schon, dass das Weibchen anders aussieht und sie sich mit ihrem braun-melierten Gefieder besser im Gebüsch verstecken kann?

Sonst ist die Amsel als Teil der Drossel-Familie wirklich gut im Singen und daher tatsächlich gar nicht so einfach am Gesang zu erkennen – Amseln können sehr viele verschiedene Melodien singen und sind auch sehr singfreudig. Wenn man also im Sommer schon bei den ersten Anzeichen der Dämmerung von lautem Gesang vor dem Fenster geweckt wird, dann ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass da eine Amsel sitzt…
Auf dem Balkon oder beim Nachbarn auf dem Dach
Neben diesen doch noch sehr häufigen Vogelarten, die man gerne auch mal in etwas größerer Zahl auffindet, gibt es aber auch noch andere Tiere, die ebenfalls häufig in unseren Siedlungen unterwegs sind und dabei gerne mal auffallen. Ob sie nun eher auf der Suche nach dem nächsten Schatz sind, oder einfach nur ein bisschen auf einem Ast ausruhen wollen, das kommt dabei immer auf das Individuum an.
Den Anfang hier macht die flinke und neugierige Elster, die nicht nur regelmäßig zwischen den Häusern herumfliegt, sondern gerne auch mal über Dächer stakst oder hüpft. Als Krähenverwandte mutet sie manchmal wie die schwarz-weiße Variante eines Raben an, wenn sie mit dem langen Schwanz und dem Schimmer von blau auf Dächern oder Ästen balanciert.


Auch wenn die Geschichten über die diebische Elster, die alles mitnimmt, was irgendwie glitzert, so nicht ganz wahr sind – diese Vögel sind sehr neugierig und sammeln durchaus auch ungewöhnliche Dinge für ihren Nestbau ein. Ihre Nester sind übrigens groß und oft gut sichtbar aus Zweigen und Ästchen gebaut und überdacht. Aber am schönsten ist es, wenn man ein Paar durch die Gegend ziehen sieht. Da kann man dann im Vergleich sogar das Männchen an den längeren Schwanzfedern erkennen.
Doch kommen wir zu einem noch viel häufigeren Vogel, besonders in der städtischen Landschaft: der Taube. Da spalten sich die Geister, ob gerade die Straßentauben nun eine typische und im Zweifel auch schützenswerte Art sind, oder eben „nur eine Plage“. Wenn man die Geschichte der Taube betrachtet, dann dürfen wir uns eigentlich gar nicht beschweren: schließlich haben wir Menschen sie selbst durch Zucht erschaffen und dann später in vielen Fällen freigelassen, nachdem wir keine Verwendung mehr für die klassische Brieftaube fanden. Dass die Tiere sich daraufhin in den ihnen so gut bekannten Städten niedergelassen haben, das darf nun keinen wirklich wundern…

Aber es muss ja nicht immer eine Straßentaube sein – wie oft habt ihr schon genauer geschaut, was da aus dem Baum gurrt? Diese Ringeltaube habe ich direkt hier in der Nürnberger Innenstadt gesehen und beim Spaziergang durch einen der Vororte kann man schnell auch mal vor oder unter einer Türkentaube stehen. Die beiden sind nur Beispiele der natürlichen Taubenarten, die ebenfalls häufig durch die Lande fliegen. Ringeltauben erkennt man dabei am leichtesten an dem weißen Fleck am Hals, der sich von ihrem sonst grauen Gefieder abhebt, und Türkentauben sind eher hellbraun und haben einen schmaleren schwarzen Streifen oder Fleck am Hals. Also nächstes Mal etwas genauer schauen, wenn es gurrt – vielleicht seht ihr dann mal eine der beiden.
Und auch wenn es heute vor Allem um Vögel gehen soll, so kann ich es mir doch nicht verkneifen, wenigstens noch ein kleines Säugetier reinzumogeln. Ihr kennt es alle: es rennt Bäume auf und ab, sammelt sich seine Nüsse zusammen und sieht dabei durchgehend putzig aus mit seinen Pinselohren – das Eichhörnchen. Am häufigsten findet man die Akrobaten in Parks und größeren Grünflächen, aber sie treiben sich auf der Futtersuche auch mal in kleineren grünen Ecken herum. Und dabei kommen die Kletterkünstler sogar an Hauswänden gekrabbelt und schauen mal auf einem Balkon vorbei – schließlich kann es ja auch da was Leckeres geben!

Diese rotbraunen Eichhörnchen sind bei uns einheimisch, aber mittlerweile haben sich auch die dunkleren braunen eingeschlichen. Leider vertreiben sie an manchen Orten die etwas kleineren rötlicheren Tiere, da sie als invasive Art indirekt eingeführt wurden. Also sollte man besonders beim Füttern der kleinen Kletterer darauf achten, dass die roten zumindest auch etwas abbekommen. Aber mittlerweile sind beide Arten generell weit verbreitet und oft zu sehen – ihr könnt ja mal drauf achten, ob ihr die verschiedenen Tiere auch an leicht unterschiedlichen Farbtönen erkennen und auseinanderhalten könnt.

(© Cornelia Hebrank, 2022)

Oder beim Spaziergang getroffen
Neben diesen Arten, die gerne auch mal bei uns daheim vorbeikommen, gibt es noch weitere, die man eher bei einem Spaziergang durch einen naturnahen Vorort oder einen Stadtpark findet. Egal wo man unterwegs ist, praktisch überall gibt es unsere gefiederten Freunde. Ich kenn zwar auch nicht für alle die besten Plätze, aber ein paar typische Vertreter der verschiedenen Landschaftstypen habe ich noch für euch dabei.
Fangen wir ganz einfach an: wenn ihr an einem Fluss oder Teich unterwegs seid, dann könnt ihr dort fast immer ein paar Enten entdecken. Dabei gibt es in der Familie der Entenvögel eine wirklich breite Vielfalt zu entdecken, aber die typische heimische Ente ist die Stockente. Hier erkennt man das Männchen am grün-schillernden Kopf und weiß-schwarz-braunem Gefieder mit blauem Fleck am Flügel, da es mit seiner Farbenpracht oft auffällt. Die Weibchen verstecken sich lieber in ihrem braunen Gefieder und sind damit nicht immer ganz so einfach zu sehen. Diese Enten sind oft in Pärchen unterwegs, aber hin und wieder kann man auch mal mehrere Enteriche beim Buhlen um eine Dame beobachten.

Ist man eher in einer offenen Wiesen- oder Feldfläche mit einzelnen Büschen und Bäumchen unterwegs, dann kann man vielleicht einen Star erspähen. Diese hübschen Vögel sehen aus wie eine weiß-gesprenkelte Amsel und kommen meist in recht großen Gruppen vor – ich habe es schon erlebt, dass ein ganzer Busch komplett schwarz vor lauter Staren war. Wenn die dann gemeinsam auffliegen, ergibt sich ein schönes und eindrucksvolles Bild. Das Geschnatter dabei ist aber auch beeindruckend.

(© Cornelia Hebrank, 2023)

(© Cornelia Hebrank, 2023)
Zum Abschluss müssen wir noch einen Abstecher in den Wald machen – oder alternativ in einen Park mit mehreren Bäumen oder manchmal auch nur zum nächsten schönen großen Baum vor der eigenen Haustüre. Generell sind Bäume sowieso für viele Vögel ein toller Aufenthaltsort, aber gerade die letzten beiden Arten für heute findet man fast immer auf großen Ästen oder an dicken Stämmen.
Fangen wir mit dem typischen Verdächtigen an, der gerne mal mit durchgehendem Klopfen auf sich aufmerksam macht: der Specht. Die häufigste Art bei uns ist der Buntspecht, der tatsächlich gar nicht mal so bunt ist – er ist größtenteils schwarz-weiß, hat aber ein rotes Band am Hinterkopf und einen roten Bauch. Aber Achtung, es gibt auch immer wieder den Mittelspecht, der auf den ersten Blick genauso aussieht: da muss man genau auf den Kopf schauen, der bei diesem Tier nämlich deutlich mehr rot hat als nur den Nackenfleck!

Während man die verschiedenen Spechte meist am Stamm eines Baumes hoch und runter klettern oder direkt klopfen sieht, sitzt der Eichelhäher eher auf einem Ast und schaut sich interessiert um. Er ist ein großer Fan von Nüssen, die er sich überall sammelt und klaut, ist aber auch einer Jagd nicht abgeneigt… Erkennen tut man ihn recht gut, da sich sein hellblauer Flügelfleck gut von seinem grau-braunen Gefieder abhebt und immer mal durch die Blätter leuchtet. Dieser Krähenverwandte ist damit durch seine Färbung schon sehr schön anzusehen und es macht mir immer wieder Spaß, ihn bei seinen Streifzügen zu beobachten – oder beim Futtern natürlich.


(© Cornelia Hebrank, 2022)
Und damit kommt unsere Reise durch die Vielfalt unserer heimischen, meist geflügelten Besucher auch schon wieder zum Ende. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr habt vielleicht sogar noch ein bisschen was Neues gelernt. Es gibt auf jeden Fall auch bei uns genug Spannendes zu sehen – ich kannte mich zu Uni-Zeiten schon mal deutlich besser aus, habe aber leider wieder viel vergessen. Sollen wir uns in der nächsten Vogelsaison gemeinsam auf die Suche nach weiteren interessanten Vögelchen machen?
Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch noch mehr mit den heimischen Vögeln zu beschäftigen, dann kann ich nur empfehlen, mal bei den geführten Touren vom LBV mitzumachen. Mehr Infos dazu findet ihr hier.


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