Ich habe es ja in den letzten Wochen schonmal angeteasert und auch sonst wisst ihr vermutlich schon, dass ich mich hier vor Ort viel mit Fledermäusen beschäftige. Nun ja, meistens vor allem in den Sommermonaten, in denen das Fledermaushilfstelefon aktiv ist, aber mindestens für die Treffen der bayrischen Fledermausschützer bin ich auch in der kalten Jahreszeit durchaus zu haben. Und beim letzten dieser Treffen – im November – ergab sich dann sogar noch eine schöne neue Möglichkeit, mehr mit den putzigen Flausis zu erleben. Es wurden nämlich Testteilnehmer für eine neue Exkursionsreihe gesucht, die sich mit der Überwinterung der Fledermäuse beschäftigen möchten. Da hatte ich natürlich sofort Interesse und dann auch das Glück, dabei sein zu dürfen.
Fledermäuse im Winter
Aber fangen wir doch mal vorne an: was machen unsere Fledermäuse denn überhaupt den ganzen Winter? Die hier in Europa vorkommenden Fledermausarten ernähren sich ja insektivor, jagen und fressen also alles von Mücken bis Käfern oder sogar Spinnen. Nun sind Insekten bekanntlich im Winter kaum zu finden und entsprechend fehlt den Fledermäusen ihre Futterquelle. Als sehr kleine Säugetiere haben sie außerdem das Problem, dass sie verhältnismäßig viel Wärme verlieren und es damit schwer haben, ihre Körpertemperatur in der kalten Jahreszeit aufrecht zu erhalten. Deswegen haben sie sich auf eine besondere Art angepasst: sie verfallen in eine Art Winterschlaf, fachlich Torpor genannt. Das heißt aber keineswegs, dass sie den kompletten Winter verschlafen – vielmehr sind sie immer nur für ein paar Tage in diesem Zustand mit stark reduzierten Lebensfunktionen. Trotzdem können sie dadurch sehr viel Energie einsparen und entsprechend auch ohne oder mit sehr wenig neuer Nahrung überleben.
Für diesen Winterschlaf müssen sich die Fledermäuse nun aber geschützte Orte suchen, um nicht gestört und auch nicht gefressen zu werden. Diese Orte sollten also zum einen so eng oder schwer zu erreichen sein, dass typische Raubtiere wie Marder sich nicht einfach bedienen können, und zum anderen möglichst temperaturstabil bleiben, da die Fledermäuse ihre Körpertemperatur an ihre Umwelt anpassen und dann halten. Für diese Bedürfnisse sind in der Natur Höhlen und alte Bäume mit entsprechenden Baumhöhlen oder Rindenspalten geeignet. Durch den Menschen gibt es aber auch alte, in den Hang gehauene Keller, beispielsweise zur Lagerung von Bier, oder weitere unterirdische Gewölbe, oft an historischen Gebäuden, sowie Kirchentürme und Ähnliches, die diese Funktion ebenfalls erfüllen können.


(© Cornelia Hebrank, 2025)
Vielleicht habt ihr ja bei einer Wanderung schonmal eine abgesperrte Höhle entdeckt, bei der ein Schild auf den Fledermausschutz verwiesen hat. Das gibt es zum Glück schon an einigen Stellen, sodass viele natürliche Höhlen, die als Winterquartiere bekannt sind, vor häufigen Störungen durch Menschen geschützt werden. Auf den ersten Blick fragt man sich vielleicht, warum sich die Fledermaus denn von dem gemütlich durch die Höhle laufenden Wanderer gestört fühlen soll – aber natürlich kann das Tier nicht abschätzen, ob es sich um eine wirkliche Gefahr handelt, während es noch „schläft“. Also muss sich die Fledermaus so weit wieder aufwärmen, dass sie sich umschauen und im Zweifel auch reagieren kann, und dadurch verliert sie sehr viel Energie. Wenn es in einem Winter zu viele dieser Störungen gibt, dann kann die arme Fledermaus sogar daran sterben, da sie die verlorene Energie nicht ersetzen kann.
Erste Exkursion zu den Bierkellern
So, aber genug zu den Hintergründen – jetzt wisst ihr genug, um meine Erlebnisse mitverfolgen zu können! Ich hatte mich also für die Exkursionen zum Zählen dieser winterschlaf-haltenden Fledermäuse gemeldet und Ende Januar war es dann so weit: die erste Exkursion stand an. Als Quartiere standen hierfür eine Reihe von alten Bierkellern auf dem Plan, in denen die Fledermauspopulationen schon seit Jahren beobachtet und gezählt werden. Also machten wir Exkursionsteilnehmer uns mit ordentlich vielen Schichten an warmer Kleidung, Taschenlampen, kleinen Ferngläsern und natürlich guten Schuhen bereit für einen spannenden Tag des in-der-Kälte-Stehens.
Wir starteten am Treffpunkt mit einer kurzen Einführung: von den zwanzig in der Region einheimischen Arten waren fünfzehn typische unterirdische Überwinterer, sodass wir in den heutigen recht ähnlich aufgebauten Kellern wohl mit etwa der Hälfte davon rechnen durften. Doch wie wird so ein alter Keller eigentlich zu einem Fledermaus-Quartier? Neben der klimatischen Eignung, also einer relativ gleichbleibenden und kühlen Temperatur, braucht er außerdem entsprechende Zugänge und genügend Hangplätze, damit sich Fledermäuse darin wohlfühlen können. „Zugänge“ darf man dabei nicht zu eng sehen: es muss bei Weitem nicht genug Platz vorhanden sein, dass die Tiere direkt einfliegen können, auch ein schmaler Spalt zum Durchkriechen reicht hier völlig aus.

Im ersten Keller durften wir dafür miterleben, warum der Punkt mit den Hangplätzen häufiger der entscheidende ist. Der Keller wurde nämlich renoviert und solche Renovationen passieren typischerweise durch das Einspritzen von Baumasse in die offenen Fugen und Spalten, um die umliegenden Steine zu sichern und stabilisieren. In diesem Fall waren die winterlichen Bewohner schon vor dem Eingriff bekannt gewesen und daher hatte man damals Kunststoffkeile verwendet, um mehrere hundert Spalten explizit offen zu lassen. Das machte den Keller weiterhin zu einem soliden Winterquartier und für uns zu einem guten ersten Übe-Objekt.
Durch die klar definierten und im Vergleich wenigen Spalten taten wir uns nämlich deutlich leichter mit der Kontrolle und konnten schon bald die ersten Fledermäuse finden. Wir teilten uns dabei auf und dann hieß es mit der Taschenlampe in der Hand „die Spalten austanzen“. Es ist nämlich wichtig, immer von verschiedenen Richtungen in die Löcher zu leuchten und zu schauen, um alle Bereiche möglichst gut auszuleuchten und keine Fledermaus zu übersehen. Die Tiere verstecken sich nämlich gerne auch mal etwas tiefer in den Löchern.
Nachdem wir etwa zwanzig Stellen markiert, und dabei auch wirklich den Großteil der Fledermäuse selber gefunden hatten, ging es dann ans Bestimmen. Die am leichtesten zu identifizierende Art war dabei das große Mausohr, da diese Tiere mit Abstand am größten sind und auch gerne freihängen – so wie auch hier. Außerdem fanden wir einige braune Langohren, die man aus vielen Richtungen gut an ihren umgeklappten Ohren als Langohr erkennen kann.


Mit den anderen Arten, besonders den Wasser-, Fransen- und Bartfledermäusen taten wir uns noch deutlich schwieriger in den Unterschieden. Hier geht es vor allem um die Ohrform, das Gesicht und zusätzlich die Färbung… Immerhin ließen sich die zwei schwarzen Mopsfledermäuse an ihrem süßen gedrungenen Gesicht und den miteinander verwachsenen Ohren wieder besser zuordnen. Sogar eine Bechsteinfledermaus hing mit herum. Aber keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, ich erwarte jetzt nicht, dass ihr auch schon alle Fledermausarten kennt – dafür plane ich noch einen extra Eintrag mit einer schönen Übersicht…

(© Cornelia Hebrank, 2025)
Wir lernten aber direkt noch eine Überwinterungshilfe kennen: den Quartierstein. Das ist ein vorgefertigter Steinblock mit mehreren schmalen Spalten, der an der Decke befestigt werden kann und damit weitere Hangplätze bietet. Das hatte er hier auch erfolgreich getan – in zwei von vier Steinen hing jeweils eine Fledermaus. Zum Bestimmen der Tiere bietet er außerdem den Vorteil, dass man sich an der Breite der Spalten orientieren kann, um die Größe der Fledermäuse abzuschätzen.

Der zweite Bierkeller wurde dann direkt eine größere Herausforderung, da hier noch alle natürlichen Spalten abgesucht werden wollten, sodass das Ganze deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als wir ursprünglich gedacht hatten. Wir ließen uns aber nicht abhalten und suchten langsam, aber möglichst methodisch den Keller ab. Auch dieses Mal wurden wir erfolgreich und konnten in der zweiten Bestimmungsrunde zusätzlich zu den bereits bekannten Arten auch eine Breitflügelfledermaus sehen – wenn auch nicht aus dem besten Winkel.
Ich muss aber zugeben, dass es auch langsam anstrengend wurde. Nicht nur die Kälte machte mir etwas zu schaffen, obwohl wir alle gut warm angezogen waren, sondern auch das ständige nach-oben-schauen und Taschenlampe und Fernglas hochhalten – langsam aber sicher spürte ich meine Arme, die das so nicht gewöhnt waren. Umso mehr freute ich mich über den dritten Keller, der eingefallen gewesen und extra wieder freigelegt worden war, sodass wir hier praktisch direkt unter der Decke standen und deutlich weniger weit zu schauen hatten.

Da auch hier etwa zwanzig Fledermäuse hingen, bot uns das nochmal eine besonders gute Lernmöglichkeit: so nah hatten wir viele der Arten bisher noch nicht gesehen und dank der neun Fransenfledermäuse konnten wir bald den Unterschied zu den beiden Wasserfledermäusen besser verstehen. Zwar waren viele der Blickwinkel immer noch alles andere als einfach, aber zumindest wussten wir etwas mehr, worauf wir bei der Bestimmung eigentlich achten mussten.

(© Cornelia Hebrank, 2025)
Als wir mit dem Keller durch waren, war unsere geplante Endzeit schon fast erreicht, obwohl wir eigentlich noch einen weiteren Keller auf unserer Liste hatten. Wir hatten halt doch deutlich länger gebraucht als ursprünglich gedacht – aber auch dafür war dieser Testlauf ja gedacht – und jetzt doch alle zu neugierig, um den letzten Keller auszulassen. Also ging es weiter zu einer Gaststätte, die auch noch einen großen, mittlerweile ungenutzten Keller aufwies.
Und auch diese Suche lohnte sich richtig: der große und ziemlich gut abgeschlossene Keller bot viele gute Hangplätze und über vierzig Fledermäuse! Den Großteil machten wieder braune Langohren, Wasser-, Fransen- und auch Bartfledermäuse aus, sodass wir hier nochmal deutlich mehr Erfahrung sammeln konnten. Allerdings merkten wir auch, dass unsere Konzentration und Merkfähigkeit so langsam an ihre Grenzen kamen, und so gingen wir über einige schwieriger sichtbare Kandidaten etwas schneller weg, um etwas Zeit zu sparen. Trotzdem wurde es damit deutlich später als ursprünglich geplant – aber das letzte Highlight, nämlich eine fliegende Franse, die uns einmal umrundete und wenig später eine passende Spalte fand, in der sie sich verkriechen konnte, das hätten wir nicht verpassen wollen.
Damit kam der erste Exkursionstag zu einem sehr erfolgreichen Ende: wir hatten über hundert Fledermäuse von acht verschiedenen Arten angetroffen und definitiv viel über deren Auffinden und Bestimmung lernen dürfen. Für mich war es ein wirklich großer Lernfortschritt, da ich bisher kaum verschiedene Arten in echt gesehen hatte, und nun gefühlt doppelt so viel über diese wundervollen Tiere wusste als zuvor. Und auch wenn ich schließlich ganz froh war, wieder in die Wärme zu kommen und nicht mehr stehen zu müssen, so hätte ich diesen tollen Tag auf keinen Fall verpassen wollen.
Aber es sollte ja nicht bei einer einzigen Exkursion bleiben, denn es standen noch zwei weitere Termine an. Seid ihr auch schon so gespannt auf die anderen Quartiere wie ich? Na dann schaut doch direkt in Teil 2!


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