Nach der ersten Exkursion war ich ja schon überzeugt gewesen, sehr viel gelernt zu haben, und freute mich umso mehr auf den zweiten Tag. Dass es am zweiten Samstag auch noch höher hinaus ging – nämlich auf die Wülzburg – machte die Sache nur besser. Dieses alte Gemäuer ist nicht nur eine schön erhaltene Festung aus der Renaissance-Zeit, sondern auch einer der eindeutigen Fledermaus-Hotspots der Gegend, und so war ich schon sehr gespannt, was uns dort erwarten würde.

Aber auch der dritte Termin war nicht zu verachten: da ging es zurück in einige Keller, die zwar ursprünglich auch mal für Bier gebaut, aber zum Teil im zweiten Weltkrieg umfunktioniert worden waren. Zusätzlich waren wir dabei in einem Sandstein-Gebiet unterwegs, sodass es ganz andere Bauarten und Typen von Spalten gab…

Exkursion auf die Burg

Fangen wir also mit der zweiten Exkursion an. Die Wülzburg ist nicht nur für Fledermäuse ein beliebtes Ziel, sondern gefällt auch den menschlichen Besuchern, sodass es wichtig ist, den baulichen Zustand gut zu erhalten. Entsprechend sind immer wieder Renovierungsarbeiten nötig, besonders bei den Bereichen mit ausgewaschenen Fugen, in denen die Fledermäuse am liebsten hängen. Deswegen werden hier jedes Jahr die überwinternden Tiere gezählt, um bei den nächsten Arbeiten direkt eine sinnvolle Einschätzung geben zu können. Zum Glück ist in diesem Fall der Bauherr tierfreundlich gesinnt und so wurden die letzten Vorhaben mit gutem Vorlauf abgestimmt, um die Hangplätze für unsere nachtaktiven Flatterlinge zu erhalten.

Wenn das noch nicht genug Gründe für uns waren, um mal auf der Burg vorbeizuschauen, dann kann ich noch das andere „Habitat“ anbringen, das wir hier vorfinden: statt einem unterirdischen Keller geht es hier um offene Bogengänge sowie geschützte Kasematten und Gewölbe von deutlich größerer Höhe. Teile davon sind in den Sommermonaten durch die Führungen zu besichtigen, aber ein Großteil des Geländes ist abgesperrt und bietet so einen Rückzugsort für die Fledermäuse.

In der ersten Bastion war ein großes Stück sehr einfach mit Beton renoviert worden, sodass es in dem vorderen Bereich keine wirklich guten Hangplätze gab. Wir mussten aber nicht weit in die Gewölbe gehen, um die ersten freihängenden Tiere zu finden – Mausohren. Sie hatten es sich in einigen der breiteren Spalten und auch einfach so an der Decke bequem gemacht und waren unser erster Fund hier vor Ort.

Es dauerte aber auch gar nicht lange, bis wir einer weiteren „neuen“ Art begegneten: in einem aufgehängten Quartierstein wuselte es nämlich nur so vor sich hin! Allein an der Größe ließen sich diese Zwergfledermäuse erkennen und sie schauten von da oben genauso putzig herunter, wie ich es vom Sommer her kannte. Da die Zwergis so klein sind, gehören sie zu den Arten, die sich nicht genug anfressen können, um den ganzen Winter durchzuhalten, und fliegen daher auch in den kalten Monaten immer dann aus, wenn es ein bisschen wärmer wird und vielleicht doch mal noch ein Insekt zu finden ist. Daher schlafen sie auch nicht so tief wie die anderen und schauten uns entsprechend deutlich schneller interessiert an.

Das war aber bei Weitem noch nicht alles, was wir hier entdecken konnten. Wieder gab es einige Wasser- und Fransenfledermäuse zu sehen, sodass wir hier die Unterscheidung noch besser lernen konnten, aber auch die süßen Mopsgesichter kamen häufiger vor – und die Breitflügelfledermäuse. Diese Art konnten wir hier nun deutlich genauer anschauen und nach einigen Sichtungen wurden uns die Tiere auch bekannter.

In der zweiten Bastion wurde es dann nochmal richtig spannend, als wir ein „komisch aussehendes“ Langohr fanden. Bisher hatten wir es ja nur mit braunen Langohren zu tun gehabt, aber das hier sah irgendwie etwas anders aus – tatsächlich saß hier ein graues Langohr herum, eine sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Art! Das war auf jeden Fall ein Highlight des Tages und brachte uns auch nochmal bei, dass man doch bei jedem Tier genau schauen sollte.

Es gab aber noch ein weiteres Highlight für mich, als wir in die untere Etage der Gewölbe gingen, in der die Decken deutlich höher und auch die schmalen Stalaktiten noch häufiger waren. Letztere hatten wir oben auch schon vorgefunden, da die Decken mit Kieseln und Kalkstein gedeckt waren und entsprechend viel Kalk durch das Wasser hereingetragen wurde – selbst nach einigen schön sonnigen Tagen tropfte es hier immer noch durchgehend von der Decke – aber hier unten wirkte der „Zapfenwald“ dichter.

Decke der unteren Gewölbe mit lauter Kalksteinzapfen und dazwischen einer Fledermaus (© Cornelia Hebrank, 2025)
Der Zapfenwald mit einer einzelnen klar schwarzen Mopsfledermaus – eine ganz besondere Atmosphäre! (© Cornelia Hebrank, 2025)

Mit der Dunkelheit, die nur durch die Lichtkegel unserer Taschenlampen durchbrochen wurde, und dem Hall des Gewölbes, das unsere Schritte und die Tropfen noch unterstrich, war die Stimmung hier unten eine ganz besondere. Es kam mir ein bisschen wie eine Mischung aus einer Kirche und einer Höhle vor, und die einzelnen freihängenden Fledermäuse zwischen den weißen, spitzen Stalaktiten verstärkten meine Ehrfurcht für dieses alte Gemäuer nur noch mehr…

Methodik und Lernfortschritte

Aber natürlich ging es bei diesen Exkursionen nicht nur um putzige schlafende Fledermäuse, sondern vor Allem darum, dass wir die relevante Methodik lernen, um in der Zukunft auch selber mal eine solche Zählung vornehmen zu können. Schließlich wird der Großteil dieser Arbeit von Ehrenamtlichen erledigt und da wäre es häufig hilfreich, wenn man sich die Einsätze besser aufteilen könnte.

Also besprachen wir, wie wichtig die Außentemperatur der letzten Tage für das Verhalten der Fledermäuse sein konnte – außen deshalb, weil es durch die verschiedenen Innenraum-Mikroklimas viel zu viel Aufwand wäre, dort alles passend auszumessen. Weiter ging es darum, gerade bei den unterteilten Kellern oder auch den mehrteiligen Gewölben sinnvoll zu beschreiben und zuzuordnen, welche Fledermäuse in welchem Bereich gefunden worden waren, da gerade das für Renovierungen relevant sein kann. Und natürlich klärten wir auch, dass im Zweifel, wenn wir uns bei einer Art nicht sicher waren, jederzeit eine gröbere Bestimmung auch reichen konnte – entweder auf Gattung oder im Notfall auch einfach als „Fledermaus unbestimmt“.

Drei freihängende Mausohren (© Cornelia Hebrank, 2025)
Schön zum Bestimmen sind immer die Mausohren, die gerne frei hängen und sich damit leichter anschauen lassen (© Cornelia Hebrank, 2025)

Sonst sollte ich vielleicht noch berichten, dass man bei der Arbeit mit Fledermäusen auch eine gewisse Ekelresistenz braucht. Angefangen von allen möglichen kleinen Krabbeltieren an der Wand, über Weberknechte bis hin zu echten Höhlenspinnen kommt man bei der Untersuchung dieser Keller und Gewölbe doch so einigem näher als man vielleicht gerne möchte. Außerdem werden die Orte häufig nicht mehr aktiv genutzt, sodass es darin schon zu modern anfängt und auch mal etwas schimmelig werden kann…

Zusätzlich darf man sich auch darauf gefasst machen, dass nicht immer alle Fledermäuse komplett gesund sind: wir haben Befall durch Blutmilben und auch das White Nose Syndrome in echt gesehen. Besonders letzteres ist unangenehm, da es sich dabei um einen Pilzbefall handelt, der bis in die Haut der betroffenen Tiere eindringen kann. Zum Glück ist er für die hiesigen Fledermausarten nicht tödlich, aber nachdem er nach Nordamerika eingeschleppt wurde, hat er dort schon Massensterben von Fledermäusen in einigen Quartieren ausgelöst. Immerhin fanden wir nur ein davon betroffenes Tier…

Auf jeden Fall hatten wir mit der zweiten Exkursion nochmal einen ganz anderen Eindruck von den Quartieren der Fledermäuse gewonnen, und auch die Schwierigkeit beim Bestimmen einer so kleinen Flaus an der 8 Meter hohen Decke eingesehen – ohne Fernglas geht da gar nichts, und Fernglas und Taschenlampe gleichzeitig bedienen will geübt sein! Somit war es wieder ein anstrengender, aber sehr lohnender Tag gewesen und wir hatten definitiv auch alle etwas dabei gelernt.

Eine hohe Decke mit einigen Fledermäusen (© Cornelia Hebrank, 2025)
So – und wieviele Fledermäuse hängen hier jetzt? Und würdet ihr sie dann auch noch bestimmen können? Ich hol doch lieber mal mein Fernglas raus… (© Cornelia Hebrank, 2025)

Langsam stellte sich auch ein gewisser Lernerfolg beim Bestimmen ein, sodass wir zumindest gut sichtbare Tiere schon häufiger korrekt erkennen konnten, auch wenn wir immer noch einzelne, gut versteckte Fledermäuse übersehen hatten. Aber ein letzter Termin blieb uns ja noch, also hieß es jetzt nochmal gut erholen und weiter Theorie lernen, um dann so viel wie möglich aus der abschließenden Exkursion mitzunehmen.

Abschluss in weiteren Kellern

Am Tag der letzten Exkursion war es dann richtig kalt – so sehr, dass sich die Keller dagegen richtig warm anfühlten. An das generelle Konzept von Kellersuchen hatten wir uns mittlerweile ja schon gewöhnt, aber trotzdem war das hier nochmal ziemlich anders als bei unserer ersten Exkursion. Das lag an zwei Eigenheiten: erstens waren die Wände hier direkt in den Sandstein geschlagen, sodass es ganze Stücke ohne echte Spalten gab, und zweitens handelte es sich hier um richtige Kellersysteme, mit langen Gängen und Abzweigungen, sodass man sich fast verlaufen konnte.

Eingeschneite Bäume (© Cornelia Hebrank, 2025)
Auch in Deutschland mal richtig wintrig – es wird kalt! (© Cornelia Hebrank, 2025)

Damit uns das nicht passierte, bestimmten wir jeweils einen in der Gruppe, der sich auf die Orientierung konzentrieren sollte – und natürlich kannte sich unser Leiter auch gut genug aus, um jederzeit wieder rauszufinden. Das änderte aber auch unser Vorgehen: hier wurden nicht erst alle Fledermäuse gefunden und anschließend bestimmt, weil das bestimmt doppelt so lange gedauert hätte, sondern wir gingen als geschlossene Gruppe durch die Gänge und bestimmten alles direkt, was wir fanden. Das landete dann auf der Strichliste, und solange wir keine Bereiche doppelt zählten, war das Ergebnis damit auch wieder gesichert.

Blick in einen Gang in einem der Keller (© Cornelia Hebrank, 2025)
So sieht es in diesen Kellern aus – grob gehauene Gänge mit vielen Abzweigen, das ganze aus Sandstein und Ziegeln gemacht (© Cornelia Hebrank, 2025)

Aber nochmal zurück zum Sandstein: natürlich hießen die rausgeschlagenen Gänge nicht, dass es gar keine Spalten gab. Manche Bereiche waren stattdessen mit roten Ziegeln ummauert, zwischen denen es klare Lücken gab – und auch im Sandstein fanden wir alle paar Meter größere Spalten mit ganzen Steinbrocken, zwischen denen sich Fledermäuse verstecken konnten. Trotzdem fanden wir in dieser Art von Keller deutlich mehr freihängende Fledermäuse als bisher: die meisten davon waren wieder große Mausohren, aber auch ein paar andere Arten „hingen einfach ab“.

Im zweiten Keller, der nochmal ein Stück weitläufiger war, durfte ich dann die Orientierung übernehmen. Obwohl ich normal einen wirklich guten Sinn dafür habe, fiel mir das gar nicht so leicht, aber zumindest war ich recht sicher, dass ich jederzeit wieder zurück zum Eingang gefunden hätte. Dieses große Gangsystem war interessant, da es sich um den Zusammenschluss zwischen mehreren verschiedenen Häusern handelte und an manchen Stellen noch die alten Stromleitungen aus der Kriegszeit hingen. Da diese tief im Felsen liegenden Gänge von außen praktisch nicht auffindbar waren, sollten hier im Krieg Flugzeugmotoren und ähnliches gebaut werden.

Davon waren noch einige Kamin- oder Belüftungsschächte übrig geblieben, die nun als Einflugsöffnungen für die Fledermäuse dienten und in denen zum Teil auch welche hingen. Wenn man von unten durch sowas hochschaut, dann kommt man sich ein bisschen so vor wie in einem schmalen Brunnen, in den man gefallen ist… Durch diese Öffnungen kommt aber auch nochmal extra kalte Luft in den Keller und in der Nähe davon merkt man richtig, wie zugig es ist.

Doch zurück zu den tierischen Aspekten: neben den Fledermäusen fanden wir auch eine überwinternde Kröte, die sich ein Eck gesucht hatte, und die Überreste einer Ratte, die schon ziemlich zerfallen war. Sonst gab es neben den typischen Wasser- und Fransenfledermäusen und wenigen braunen Langohren hier nochmal etwas besser sichtbare Exemplare der Bechstein- und Breitflügelfledermaus zu finden, sodass wir uns von den beiden Arten auch endlich mal ein besseres Bild machen konnten. Außerdem sahen wir unsere erste und einzige Wimperfledermaus, die man in der Gegend nur selten findet, und durften sie uns mal in echt anschauen.

Im letzten der Keller gab es außerdem noch ein absolutes Bestimmungs-Highlight: die drei Arten mit den langen Ohren, also Mausohr, Bechstein- und Fransenfledermaus, hatten sich in einem Knäuel nebeneinander gehängt! Das sah nicht nur absolut putzig aus, sondern war für uns auch nochmal ein super Moment, um die Unterscheidung der Größe und der Verhältnisse von Ohr zu Unterarm genau zu betrachten. Ein wirklich toller Fund!

Drei direkt nebeneinander hängende Fledermäuse (© Cornelia Hebrank, 2025)
Das Highlight zum Schluss: perfekter Vergleich zum Bestimmen. Ihr seht hier links eine Bechsteinfledermaus, ein großes Mausohr in der Mitte und eine kleine Fransenfledermaus rechts, die zusammen „rumhängen“. Cool, oder? (© Cornelia Hebrank, 2025)

Und damit ging unser letzter Exkursionstag auch wieder viel zu schnell zu Ende und wir verabschiedeten uns in der netten Runde, in der wir uns durchgehend gut verstanden hatten. Ihr ahnt es vermutlich schon: ich möchte natürlich auch weiterhin mehr von dieser Art des Naturschutzes machen und wenn alles gut geht, dann werde ich in Zukunft mit einer weiteren Teilnehmerin gemeinsam bei diesen Winterzählungen aushelfen – drückt mir die Daumen, dass das klappt!

Für euch geht es jetzt aber erstmal wieder mit den normalen Eintragsreihen weiter, auch wenn ich definitiv noch eine Übersicht über die heimischen Fledermausarten vorbereiten möchte – alle Fledermaus-Freunde dürfen also weiterhin gespannt bleiben…


Bleib auf dem Laufenden und abonniere Wildlifegirl Stories – Abenteuer in der Natur

Trage dich hier für den Newsletter ein, dann wirst du über jeden neuen Eintrag informiert!
(Achtung: du bekommst erst eine Bestätigungsemail, bevor das Abo funktioniert)

Veröffentlicht von

Eine Antwort zu „Natur nahe Nürnberg: Überwinternde Fledermäuse (Teil 2)“

  1. Avatar von ritahebrank
    ritahebrank

    Das sind schon tolle Orte, wo sich die Fledermäuse hinverziehen.

    Den Hinweis über Spinnengetier find ich gut, das dürfte den ein oder anderen davon abzuhalten etwas näher zu schauen, wenn ihm das nicht geheuer ist.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Hey! Schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist!

Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

Falls euch dieser Eintrag gefallen hat, dann könntet ihr auch Lust haben,
→ etwas über bedrohte afrikanische Arten zu lernen,
→ meinen Bericht über den Workshop zu Wölfen in Deutschland zu lesen,
→ oder vielleicht etwas über Technik im Naturschutz zu erfahren.