Als wir unseren kurzen Urlaub in Hamburg geplant haben, dachte ich noch nicht, dass ich darüber auch einen Blog-Eintrag verfassen würde. Schließlich wollten wir viele technische Sachen anschauen gehen – haben wir auch gemacht – und fest stand erstmal noch nichts Biologisches auf dem Plan. Aber zum Glück hatten wir bei weitem nicht alles durchgeplant und so ergaben sich dann noch ein paar schöne Möglichkeiten…
Immer schön die Augen offenhalten
Damit gings erstmal ganz unerwartet los: am ersten Tag machten wir einen gemütlichen Abstecher durch den Dammtorpark (Planten un Blomen), weil mir der aus meinem letzten Besuch noch gut in Erinnerung war. Zwar war es jetzt im März noch etwas zu früh für richtig schöne Blüten, aber ein paar Pflanzen waren doch schon am Sprießen und ein paar Frühlingsblumen ließen auch schon ihre Blüten sehen.
Als wir dann am Wasser entlang spazierten, fiel mir auf der Seite ein zugemauerter Eingang in den Hügel auf. Beim zweiten Blick sah ich auch kleine Öffnungen, die beim Zumauern verblieben waren und meinte zu Sebastian, dass da bestimmt auch Fledermäuse überwintern würden – immerhin sah das nach den paar Wochenenden Anfang des Jahres genau richtig dafür aus.

Nach einem weiteren solchen Eingang kamen wir an einem Infoschild vorbei. Und siehe da: diese alten Bunker waren teils zugeschüttet und dann geschlossen worden, aber dienen nun als Fledermausquartier und Rückzugsort für andere kleine Tiere. Diese Bestätigung freute mich sehr, denn es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie man mit der Zeit dazulernt und Dinge besser erkennen oder einschätzen kann. Also ich kann nur empfehlen, neugierig zu sein und die Augen offen zu halten!
Den gleichen Augen fiel nämlich am selben Abend im Hotel eine kleine Anzeige am Rande der typischen Touristen-Stadtkarte auf: eine Ausstellung über Wildtiere in der Hafencity. In dem Gebiet wird immer noch viel erst gebaut, also lange konnte sie da noch nicht sein – ein kurzes Googlen zeigte, dass sie letzten Sommer aufgemacht hatte und sich nicht nur mit unseren heimischen Wildtieren, sondern auch deren Zusammenleben mit den Menschen beschäftigte – spannend!
So ergab sich dann in Abstimmung mit unseren anderen geplanten Themen, dass wir einen Nachmittag für diese Ausstellung nutzen und außerdem unseren letzten noch nicht verplanten Tag im Tierpark verbringen wollten.
Auf zur Botschaft der Wildtiere
An einem wunderschön sonnigen Tag machten wir uns also auf den Weg, vorbei an einigen größeren Baustellen, zu dem sehr neuen Gebäude direkt an einem Kanal. Wir kamen von hinten und konnten schon an ein paar Stellen reinspähen, bevor wir den Haupteingang erreichten und in die Ausstellungswelt eintauchten. Unsere Rucksäcke ließen wir bequem in den Schließfächern und sahen uns dann erstmal um.

Die Ausstellung zieht sich über zwei Ebenen: oben gibt es verschiedenste Infos zu unseren heimischen Wildtieren, und dann kann man über ein nettes kleines Kino nach unten durchgehen, wo es um das Zusammenleben von Menschen und Tieren geht. Diese Trennung fand ich wirklich gut gewählt, da man sich erstmal mit den Tieren an sich auseinandersetzt, bevor man wieder mit der menschlichen Brille auf ihr Leben schaut.
Direkt am Eingang begrüßte uns ein Wald aus Tierbildern, wobei jeder Aufsteller durch verschiedene Portraits von Tierarten einer bestimmten Gruppe wechselte – von den gut bekannten Säugetieren bis hin zu der Vielfalt der Insekten. Nach einer Runde Lesen ging es dann weiter in einen offenen Bereich mit verschiedensten Stationen zu Themen wie Nahrung, Fortbewegung und Fortpflanzung.

(© Cornelia Hebrank, 2025)

Die Stationen waren dabei sehr abwechslungsreich gestaltet, sodass wir wirklich überall mal vorbeischauen wollten. Wir warfen einen Blick auf die Speisekarten von Pflanzen-, Alles- und Fleischfressern, betrachteten die Welt durch die Augen von Tieren, flogen wie ein Vogel über die Landschaft hinweg und sahen uns verschiedene Arten der Aufzucht an. Durch diese unterschiedlichen Bereiche machte der Besuch noch mehr Spaß und wir lernten definitiv noch Neues.
Besonders cool fand ich dabei auch die interaktiven Quizze, bei denen man Dinge zuordnen musste. Einmal ging es um Spuren, die man zu ihren Tieren sortieren sollte, was für mich eine schöne Wiederholung meiner Spurenlesen-Kenntnisse war, dann nochmal um Federn, was schwerer war als man denken würde, und auch die verschiedenen Arten von Schwimm-Mechanismen waren sehr informativ.

Generell war die ganze Ausstellung sehr schön und mit Liebe gemacht und wir verbrachten immer wieder Zeit damit, in den schön dekorierten Bäumen und Modellen nach allen vorhandenen Tieren zu suchen – allein rund um den ersten Baum gab es verschiedene Vögel, mehrere Eichhörnchen, eine Fledermaus in einer Baumhöhle und einen unterirdischen Dachs- und Fuchsbau samt Bewohnern…

(© Cornelia Hebrank, 2025)

Als wir dann im unteren Stockwerk ankamen, erwartete uns ein weiterer schön hergerichteter Raum, in dem wir die verschiedenen Lebensräume einzeln anschauen konnten und auch die Auswirkung des Menschen auf diese Gegenden erzählt bekamen. Hier gab es nochmal ein paar Bäume und deren Bewohner anzuschauen, einen Modellwald, den man auf Tiere durchsuchen konnte und einen Vergleich zwischen verschiedenen Bewirtschaftungsstilen von Bauern.

(© Cornelia Hebrank, 2025)
Schön fand ich hier besonders, dass nicht nur die Probleme durch den Menschen beleuchtet wurden, sondern der Fokus auch auf möglichen Verbesserungen oder Kompromissen lag, mit denen man die Bedingungen für die Tiere verbessern kann. Dabei wurde aber auch schnell klar, warum es nicht so einfach ist, und dass es noch viel Überzeugungsarbeit und Unterstützung brauchen wird, bis diese Themen genug Aufmerksamkeit bekommen.

Am Ende gab es auch noch einen städtischen Bereich zu erkunden, sowie einen interaktiven „Shop“ für verschiedene Tierschutzhilfen und Abwehrmechanismen gegen vermeintlich schlechte Wildtiere, in dem man interessante Hinweise zu den verschiedenen Artikeln bekam.
Damit war unsere Runde durch die Ausstellung komplett und wir schauten uns noch im wirklichen Shop um – ein Buch und ein bisschen Deko mussten dann einfach mit. Insgesamt fanden wir den Besuch beide sehr interessant und echt toll gemacht, besonders über die Sinne der Tiere und die tollen Szenen mit den vielen versteckten Wildtieren haben wir uns auch danach noch unterhalten. Falls das für euch auch so interessant klingt, dann schaut doch gerne mal auf der Website zur Botschaft der Wildtiere oder direkt dort vor Ort vorbei.
Abstecher in den Tierpark Hagenbeck
Zwei Tage später machten wir dann den anderen relevanten Ausflug in den Tierpark Hagenbeck. Bei Zoos und Tierparks bin ich immer etwas zwiegespalten: oft gefällt mir nicht, wie die Tiere gehalten werden und wie wenig Platz manche Arten im Vergleich zu ihren natürlichen Territorien haben. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Tiergärten wichtige Sponsoren für Forschung für den Arten- und Naturschutz sind und besonders auch für erste Studien von Studenten in dem Feld relevant sind.
Daher habe ich für mich den Mittelweg gefunden, dass ich zum einen nicht zu häufig in Zoos gehe, und zum anderen darauf achte, dass ich nur Tierparks besuche, die sich zumindest auch aktiv an Forschung und Artenschutz oder Artenerhalt beteiligen. In diesem Falle könnt ihr das auch schön auf der entsprechenden Website des Tierparks Hagenbeck nachlesen. Außerdem werde ich auch gleich ein bisschen was zu dem Thema erzählen, da ich bei einem solchen Besuch natürlich auch besonders an Forschung und Artenschutz interessiert bin.
Aber genug der Vorrede, lasst uns mit dem eigentlichen Besuch im Tierpark beginnen! Bei dem schönen Wetter ging es schon vor dem ersten Gehege mit den ersten Tierchen los: ein kleines Rotkehlchen begrüßte uns direkt und im Laufe des Tages sahen wir noch einige weitere Vögelchen. Wie bei den meisten Tiergärten hilft auch hier die schön gestaltete Natur mitten in der Stadt mit Nistkästen und einfach ungestörten Bereichen auch der heimischen Fauna. Und es sieht natürlich toll aus, durch diese hübsch angelegten Gartenbereiche zu laufen – zum Beispiel über die japanische Brücke oder entlang des kleinen Sees.

Eine der ersten Arten, die wir gemütlich beobachten konnten, waren die Onager – persische Halbesel, die zu den Pferdeartigen gehören und wie diese in Herden durch die asiatischen Steppen ziehen. Diese Art ist vom Aussterben bedroht, mit etwa 600 wild lebenden Exemplaren und 150 Tieren in Gefangenschaft, die größtenteils von einigen von Hagenbeck in den 1950er Jahren eingefangenen Onagern abstammen. Besonders für Arten wie diese sind die Erhaltungszuchtprogramme der Tierparks relevant, da sie die Tierart vor dem Aussterben schützen und in einigen Fällen die gezüchteten Individuen später auch wieder ausgewildert werden können.


Doch nicht nur bei den Onagern ist dieser Zoo leitend für die Erhaltungszucht zuständig, sondern auch bei den nordchinesischen Leoparden. Die beiden hatten es sich heute allerdings bequem gemacht und lagen nebeneinander schlafend in ihrem Gehege. Da diese Tiere in der freien Wildbahn nur selten und schwer zu beobachten sind, wurden hier schon Studien zu deren Sozialverhalten durchgeführt, die hoffentlich beim weiteren Schutz von Leoparden helfen können – je mehr wir über die seltenen Tiere wissen, desto besser können wir sie schließlich schützen.

Entsprechend helfen Tierparks generell beim Erhalt von Tierarten, die es in der freien Natur mittlerweile einfach schwer haben. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Flachland-Tapir, den wir uns im Rahmen einer Schaufütterung noch etwas genauer vorstellen ließen. Mit seiner dicken Haut kann dieser Dschungelbewohner auch durch dichtes Unterholz wackeln, ohne hängen zu bleiben, und dort an seinem Gemüse mampfen. Die Tapir-Damen sind dabei sehr versteckt unterwegs und koten daher sogar nur in feuchten Gebieten, die sie über ihre nassen Füße finden – aber die Männchen müssen ihr Territorium markieren und sind dadurch für die restliche Tierwelt einfacher auffindbar.
Im Hagenbeck gibt es nur ein Tapir-Weibchen, was für diese Einzelgänger in Ordnung ist, das mit einem Wasserschwein zusammenlebt. Für Futter lässt sie sich auch tagsüber mal aus ihrem Schlaflager locken, obwohl sie eigentlich nachtaktiv ist, und so konnten auch wir für ein paar Minuten das Tier beim Futtern und Herumwandern beobachten.
Ähnlich ging das auch mit den Stachelschweinen, die ich in Afrika tatsächlich durch ihre Nachtaktivität noch nie in der Wildnis zu Gesicht bekommen hatte. Für ihr Futter, ebenfalls eine schöne Gemüse-Mischung, kamen die drei ansässigen Schweinchen gerne raus – zwei warteten sogar schon vor der Fütterung in der Sonne. Es war echt cool, mal zu sehen, wie sehr sich diese Stacheln aufstellen lassen, beispielsweise wenn sich zwei beim Futtern um ein bestimmtes Stückchen streiten. Schießen können sie die Stacheln übrigens nicht, aber wenn sie welche verlieren, dann wachsen die einfach wieder nach – wie auch bei den beiden Stacheln, die wir damals am Ende unserer Afrika-Reise beim Wildnispfad entdecken konnten.


Zum Abschluss habe ich noch ein paar Highlights des Tages für euch dabei. Fangen wir doch mit unserer Beobachtung im Tigergehege an: dort lagen noch Fleischreste herum, aber der sibirische Tiger hatte sich für den Moment in den Schatten zurückgezogen. Das sah eine kleine Elster als ihre Chance und hoppte frech am Tiger vorbei, um sich einige Fetzen Fleisch zu klauen! Der Große ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und wir lachten über den Mut des kleinen Vogels.
Einen der putzigsten Momente des Tages hatten wir im Orang-Utan-Haus, in dessen Wasser auch Otter lebten. Ein junger Orang-Utan stieß beim Klettern einen Ball an, der daraufhin ins Wasser rollte – und wenige Augenblicke später hatten sich dort haufenweise Otter versammelt, die den Ball nach Futter absuchten. Das war vielleicht mal ein Gewusel!
Und als allerletztes gingen wir noch zur Fütterung der Kamtschatkabären, die seit kurzem wieder aus ihrem Winterschlaf aufgewacht und entsprechend hungrig waren. Hier wurden nun Obst und Gemüse ins Gehege geworfen und in vielen Fällen direkt mit dem Maul gefangen! Wenn doch mal was daneben oder gar ins Wasser ging, dann war der Unmut groß und es wurde eher lieblos mit der Pfote danach gegriffen, bevor der erwartungsvolle Blick zu den Tierpflegern zurückkam. Am Ende mussten die Bären sich dann einmal aufstellen, um die letzten Bissen zu ergattern – diese Art von Training hilft bei der Tierpflege, weil man dabei beispielsweise nach Verletzungen am Bauch schauen kann – und dann war die Fütterung vorbei.

(© Cornelia Hebrank, 2025)

(© Cornelia Hebrank, 2025)

(© Cornelia Hebrank, 2025)
Damit kam auch unser Besuch im Tierpark zu seinem Ende und wir machten uns mit nach den vielen laufintensiven Tagen schmerzenden Füßen wieder auf den Rückweg. Wir hatten die Zeit mit den Tieren und das schöne Wetter jedenfalls sehr genossen und so nochmal einen schön entspannten Urlaubstag verbracht…
Hoffentlich hat euch dieser kurze Ausflug auch gut gefallen – lasst es mich gerne wissen! Dieser Eintrag war so eigentlich nicht geplant, aber die beiden relevanten Themen haben sich einfach zu schön angeboten, um euch nichts davon zu erzählen. 😉


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