Nachdem wir uns im letzten Eintrag ja schon ein bisschen mit den Fledermäusen im Generellen beschäftigt haben, schauen wir dieses Mal noch etwas genauer auf unsere einheimischen Arten. Was macht unsere europäischen Fledermäuse aus und wie unterscheiden sie sich auch von ihren Geschwistern rund um die Welt?
Zusätzlich möchte ich euch dann auch noch ein bisschen mehr über den Fledermausschutz hier in Deutschland erzählen. Denn leider haben der Klimawandel und die Ausbreitung der Menschen auch hier deutliche Auswirkungen auf die heimischen Arten, die teilweise stark bedroht sind. Um diese Entwicklungen besser verstehen zu können, fangen wir jetzt aber erstmal mit der Lebensweise unserer Fledermäuse an.
Insekten – wie lecker!
Ein Thema, das sich dank vieler Darstellungen in den Medien weit verbreitet hat, ist die Nahrung der Fledermäuse. Häufig werden die Tiere als bluttrinkend dargestellt und auch der Mythos, dass sie ihre Beute aussaugen würden, hält sich beständig. Aber was ist an dieser Geschichte dran? Tatsächlich gibt es nur drei Arten, die sogenannten Vampirfledermäuse, die sich von Blut ernähren – bei weltweit fast 1500 Fledermausarten machen sie damit nicht mal 1% aus. Diese kleinen Vampire findet man auch nur in Mittel- und Südamerika und in Wirklichkeit lecken sie an offenen Wunden von größeren Säugetieren, was denen meistens nicht mal auffällt… Also die echten „Blutsauger“ sucht man da vergebens.
Natürlich müssen sich aber auch die anderen Fledermäuse irgendwie ernähren und viele sind tatsächlich auch karnivor. Denn während sich wenige Gruppen wie zum Beispiel die Blütenfledermäuse von Pollen, Nektar oder auch Früchten ernähren, fressen ungefähr drei Viertel aller Fledermausarten Insekten. Zu dieser Mehrheit zählen auch alle unsere einheimischen Arten, die sich von Käfern, Mücken oder Schmetterlingen ernähren.

Das ist aber gar nicht mal so einfach – Fledermäuse brauchen nämlich beim Fliegen viel Energie und fressen daher in einer Nacht auch gut mal ein knappes Drittel ihres eigenen Körpergewichts! Nun ist so ein Tier nicht furchtbar schwer, aber ein Insekt ja auch nicht. Für die Zwerg- und Mückenfledermäuse, die hier kleinsten ansässigen Arten, bedeutet das dann eben um die 2000 Stechmücken in einer einzigen Nacht. Also ich muss schon sagen, ich freue mich daher noch mehr über die kleine Flaus, die regelmäßig abends vor unseren Fenstern vorbeifliegt!
Diese nicht sehr wählerischen Arten haben es zumindest mit ihrem Futter recht leicht und sind zu Kulturfolgern geworden, die gerne in der Nähe von uns Menschen abhängen. Mücken gibt es dabei ja genug, sowohl in den Ställen auf dem Land als auch in den Städten. Andere Fledermäuse haben es aber nicht gar so leicht: Langohren beispielsweise fressen vor Allem gerne Nachtfalter, die nicht mehr überall in ausreichender Zahl zu finden sind. Wenn sie aber doch eine güstige Gegend gefunden haben, dann gibt es dort passende Fraßplätze, an denen man eine ganze Sammlung von Schmetterlingsflügeln am Boden findet.
Es geht aber auch noch größer und spezieller: ein paar Arten haben sich auf Käfer spezialisiert und jagen diese nicht nur in der Luft, sondern auch auf dem Waldboden. Daher brauchen Tiere wie das Große Mausohr oder die Große Hufeisennase besondere natürliche Strukturen, in denen ihre Beutetiere vorkommen und dennoch genug offene Flächen für ihre Jagdstrategien vorhanden sind.
Doch wie genau die verschiedenen Fledermäuse in unserer Umgebung jagen und was für Unterschiede es dabei gibt, das ist so vielfältig und spannend, dass ich dazu noch einen eigenen Eintrag verfassen werde – ihr dürft also weiterhin gespannt bleiben!
Wo findet man Fledermäuse überhaupt?
Ähnlich wie beim Blutsaugen werden Fledermäuse gerne in dunklen Höhlen und gruseligen alten Gebäuden dargestellt – in diesem Fall ist das aber deutlich passender als bei ihrem Futter. Tatsächlich sind besonders Höhlen sehr wichtige Rückzugsorte für viele Arten, da sie auch im Sommer Schatten und zumindest ein bisschen Kühle und im Winter gefrierfreie Hängeplätze bieten.
Allerdings ist das nicht das einzige Habitat für unsere Fledermäuse. Einige Arten wie die Mops- und Bechsteinfledermäuse findet man vor Allem in alten, naturnahen Wäldern. Dort nutzen sie je nach Art lieber Baumhöhlen, in denen genug Platz ist, um sich über dem Eingang in den Baum zu hängen, oder auch Spalten unter der Baumrinde. Für beides braucht man aber den passenden Wald, da in einer gleichalten Monokultur keine solche Lebensräume entstehen.


Genau dafür wird natürlich auch immer wieder der Naturschutz aktiv, sodass passende Waldstücke mit solch seltenen Arten unter Schutz gestellt und der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Alternativ gibt es auch in immer mehr kleinen Parks und ähnlichen Waldgebieten Fledermauskästen, die vielen verschiedenen Arten als zeitweiser Rastplatz dienen können. Denn auch bei Arten, deren Quartiere normal nicht im Wald zu finden sind, die aber dort jagen, verbringen gerne mal einzelne Tiere die Tageszeit in passenden Spalten oder Kästen.
Und dann gibt es da noch die „Gebäudefledermäuse“, die unsere vielen Bauwerke ausnutzen und dort in Spalten, Nischen und Löchern eine neue Heimat gefunden haben. Am typischsten sind hierbei Quartiere und sogar Wochenstuben in Dachböden, wie sie bei Langohren, Mausohren und einigen anderen Arten bekannt sind. Dabei ist besonders relevant, dass die Ein- und Ausflugsöffnungen erhalten werden und die Materialien genügend Hangmöglichkeiten oder Spalten bieten.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Cornelia Hebrank, 2025)
Dabei gibt es immer häufiger das Problem, dass Gebäude aufgrund von Sanierungsmaßnahmen nicht mehr als Quartiere geeignet sind – wenn alle Öffnungen verschlossen und die Dachböden besser isoliert werden, dann kommen auch die Fledermäuse nicht mehr rein. Entsprechend sind besonders alte und denkmalgeschützte Gebäude wie Kirchen und Burgen wertvolle Orte für die Fledermauspopulationen.
Es muss aber nicht immer gleich ein ganzer Dachboden sein – kleinere Arten wie die Zwergfledermaus hängen sich auch gerne mal hinter Fensterläden oder in Gebäudespalten, die sonst auch von Mauersegler und Spatz zum Brüten genutzt werden. Doch auch hier müssen wir bei Neubauten und Sanierungen darauf achten, dass entsprechende Nischen und Spalten beibehalten werden oder es zumindest passende Ausgleichsmaßnahmen gibt.
Insgesamt kann man sagen, dass vermutlich wenigstens ein paar Fledermäuse auch in eurer Nähe wohnen – und wenn ihr sie mal sehen wollt, dann versucht euch am besten kurz vor Sonnenuntergang in einem Park oder offenen Wald in eurer Nähe. Besonders gut eignen sich solche Gegenden, wenn es dort auch noch ein Gewässer gibt, da die Fledermäuse besonders im warmen Sommer oft erstmal etwas trinken müssen, was sie übrigens auch direkt im Flug über die Wasseroberfläche machen. Und auch wenn ihr vermutlich keine tollen Fotos davon machen könnt – dafür sind die kleinen Flugkünstler nämlich meistens zu schnell – vielleicht seht ihr dann zumindest mal ein paar Fledermäuse über euch um die Bäume flattern… (Dazu kann ich auch die geführten Exkursionen von LBV und NABU empfehlen, bei denen man dann häufig auch einen Detektor und natürlich die passende Erklärung dabei hat.)

Fledermausschutz in Deutschland
Wie ihr bestimmt schon allein von meinen Erzählungen mitbekommen habt, sind unsere Naturschutzorganisationen aktiv am Fledermausschutz beteiligt. Es gibt komplett freiwillige Auffangstationen für verletzte Tiere, Informationskampagnen bei allen größeren Verbänden und Angebote wie das Fledermaushilfstelefon, die darauf abzielen, möglichst viele der Tiere zu erhalten.
Auch gesetzlich sind Fledermäuse in Deutschland durch die FFH-Richtlinie als „streng geschützt“ eingestuft und dürfen daher nicht angelockt oder gefangen werden, wenn man keine explizite Ausnahmegenehmigung hat. Daher gibt es auch das winterliche Betretungsverbot vieler Höhlen, die als Winterquartiere bekannt sind, um Störungen der Tiere zu vermeiden.

Außerdem gibt es Koordinationsstellen für den Fledermausschutz, die sich um die Vernetzung und den Austausch zwischen Freiwilligen und staatlichen Stellen kümmern, sodass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Schutzprogramme bekannt gemacht werden können. In Bayern gibt es dazu zweimal im Jahr eine kleine Konferenz, auf der ich als Helferin unterwegs bin und mich auch selbst über neue Entwicklungen informiere.
Insgesamt wird auf jeden Fall der Großteil des Fledermausschutzes durch uns Freiwillige abgedeckt, und es gibt praktisch nur für die seltensten Arten wenige Vollzeitbeschäftigte außerhalb der Universitäten. Ein Beispiel dafür ist das Fledermaushaus in Hohenburg, in dem die letzte bayrische Kolonie der Großen Hufeisennasen lebt und aktiv vom LBV betreut wird. Da diese Art ganz besondere Anforderungen an ihre Umwelt hat, ist das Projekt deutlich größer aufgezogen und beinhaltet die Haltung von rotem Höhenvieh auf einigen Weiden im Umland und die bauliche Anpassung des betroffenen Hauses für die Fledermäuse.
Im Tätigkeitsbereich der Freiwilligen geht es dann mehr darum, Fledermauskästen aufzuhängen, bekannte Quartiere (besonders vor Bau- oder Sanierungsvorhaben) zu melden, Zählungen durchzuführen und generell die Forschung zu unterstützen. Auch die Auffangstationen brauchen natürlich viel freiwillige Hilfe, da man besonders in den Sommermonaten bei den Jungtieren mehrfach am Tag füttern und nach den Fledermäusen sehen muss, und auch die offiziellen Gebietsbetreuer freuen sich über Unterstützung wie durch das Fledermaushilfstelefon.
Besonders bei den letzten beiden Themen werde ich weiterhin aktiv dabei sein und euch natürlich regelmäßig berichten, wenn es spannende Geschichten zu erzählen gibt. Aber fürs Erste habt ihr jetzt hoffentlich wieder etwas über unsere Fledermäuse gelernt und wisst, was für faszinierende Tierchen das sind.
Ihr wollt noch mehr über Fledermäuse wissen? Dann schaut doch bei Teil 3 vorbei, da geht’s um ihre Jagdstrategien.



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