Wir haben uns ja in den letzten Wochen schon einige spannende afrikanische Arten angeschaut – aber auch hier in Europa haben wir besondere Tiere, die einen zweiten Blick wert sind. Wie gut kennt ihr euch mit unseren einheimischen Arten aus?

Als erstes würde ich da mal mit den Säugetieren anfangen, die bei uns durch die Wälder und Naturparks streifen (oder streifen sollten). Allein in dieser Gruppe gibt es allerdings deutlich mehr spannende Arten, als dass ich sie in einem einzigen Artikel sinnvoll aufführen könnte. Daher habe ich für diese erste Runde bekannte und besondere Tiere rausgesucht, die ich zumindest in Wildparks und ähnlichem schon selbst zu Gesicht bekommen habe. Also lasst uns starten!

Wölfe

Bekannt entweder als brutale Killer und Horrorgestalten oder als liebste, putzige Hundevorfahren sind Wölfe eine Art mitten in der Kontroverse. Leider sind dadurch auf beiden Seiten der Diskussion die biologischen Aspekte in den Hintergrund gerutscht und es geht mittlerweile gerade bei der Rückkehr dieser Tiere mehr um Gefühle als um echte Daten.

Wenn man einen Schritt zurücktritt und diese Tierart rein ökologisch betrachtet, dann sind Wölfe eins der großen Raubtiere Europas. Durch ihre Jagd als Rudel können sie dabei auch große Beutetiere wie Elche erlegen, wenn diese schwach oder krank sind, und übernehmen damit eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die familiären Bindungen im Rudel und die Flexibilität in der Jagd sind weitere Punkte, die Wölfe auch aus verhaltensbiologischer Sicht sehr spannend machen.

Für mich persönlich ist der Wolf eine der spannendsten heimischen Säugetierarten, da ich schon sehr viel über diese Tierart lernen konnte und echt tolle Erinnerungen und Beobachtungen mit Wölfen habe – und ich freu mich drauf, euch bald in einem extra Eintrag mehr dazu erzählen zu können.

Luchse

Im Vergleich zu den Wölfen sind Luchse deutlich weniger diskutiert, aber auch sie siedeln sich langsam (und sehr mühsam) wieder in Deutschland an. Um sie dabei zu unterstützen, gibt es einige aktive Artenschutzprogramme, in denen zum Glück auch immer wieder schöne Erfolge sichtbar werden.

Ein laufender Luchs (© Cornelia Hebrank, 2011)
Diese vorsichtige, leise Art zu laufen ist typisch für Schleich- und Lauerjäger wie den Luchs… (© Cornelia Hebrank, 2011)

Mit diesen scheuen, schleichenden Lauerjägern hatte ich noch deutlich weniger Kontakt als mit den Wölfen, aber beim Spurenlesen in der Slowakei und auch bei einigen Zoo- und Wildpark-Besuchen konnte ich doch einiges über sie lernen. Und rein grundsätzlich faszinieren mich diese etwas mysteriösen Katzenartigen schon länger und vielleicht kann ich euch auch über die Pinselohren noch ein bisschen was Neues erzählen…

Füchse

Noch eine Stufe kleiner und wir landen bei den Füchsen, die als mittelgroßes Raubtier vor allem kleine Säuger und Vögel fressen, sich aber auch gerne an den Rissen ihrer größeren Kollegen den Bauch vollschlagen. Während der Fuchs traditionell als schlau und frech dargestellt wird, muss er in der heutigen Welt sehr angepasst leben.

Füchse sind dabei ein tolles Beispiel dafür, wie sich Wildtiere an die Verstädterung ihres Lebensraums anpassen und manchmal die Menschen für sich auszunutzen wissen. Dazu habe ich ein interessantes Buch gefunden, Stadt, Land, Fuchs, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt.

Bären

Nach dieser Auswahl an Raubtierarten kommt jetzt zur Abwechslung mal etwas Friedlicheres: der Braunbär. Zwar sind Bären nicht gerade ungefährlich und man sollte sich vor ihnen durchaus in Acht nehmen, aber sie sind keine Raubtiere im klassischen Sinn. Vielmehr ernähren sie sich zu 80% von pflanzlichem Futter und werden oft nur dann problematisch, wenn man ihnen mit leckeren Dingen zu nahe kommt – oder sie gar anfüttert.

Ich fand Bären schon immer eine sehr beruhigende und Kraft gebende Art und musste also unbedingt mal in den alternativen Bärenparks vorbeischauen, sobald ich von diesen gehört hatte. Seitdem habe ich viel über diese mächtigen Tiere gelernt, die leider immer noch regelmäßig von Menschen missbraucht werden. Ein Grund mehr, über Bären aufzuklären und auch nochmal ein bisschen Werbung für die Stiftung Bär zu machen und auf unseren letzten Ausflug zum Park im Schwarzwald hinzuweisen.

Eichhörnchen

So, das größte Tier dieser Liste hatten wir jetzt schon – Zeit für das kleinste! Damit will ich keineswegs sagen, dass Eichhörnchen die kleinsten einheimischen Säuger sind, aber obwohl ich Mäuse durchaus spannend finde, kenne ich mich mit ihnen noch weniger aus…

Eichhörnchen auf einem Ast (© Cornelia Hebrank, 2021)
Wer klettert denn da wieder flink über die Äste? (© Cornelia Hebrank, 2021)

Und so ein putziges rotbraunes Eichhörnchen, das über die Bäume klettert und dann kurz hüpfend die Straße überquert, ist doch immer wieder ein absolut niedlicher Anblick, oder? Aber natürlich sind diese Tiere nicht nur putzig, sondern übernehmen mit dem Sammeln und Verbuddeln von Nüssen aller Art ebenfalls eine wichtige Rolle in ihrer Umgebung. Und dann gibt es da noch die invasiven dunkleren Eichhörnchen, die sich mittlerweile schon überall in Deutschland ausgebreitet haben – also definitiv genug zu erzählen für einen eigenen Eintrag.

Waschbären

Mit dem Waschbären ziehen wir zumindest teilweise einen Kreis zurück zum Wolf: auch diese kleinen Tierchen waren schonmal das Zentrum einer großen Kontroverse. Sie kommen nämlich eigentlich gar nicht natürlich hier vor, sondern sind seit dem 20. Jahrhundert als invasive Art unterwegs.

Ein Waschbär (© Cornelia Hebrank, 2022)
Zwar eigentlich nicht einheimisch, aber schon praktisch eingebürgert: so ein Waschbär sieht schon echt niedlich aus (© Cornelia Hebrank, 2022)

Generell sind invasive Arten ein echtes Problem, da wir Menschen durch Transporte und Reisen alles Mögliche verschleppen und in fremden Gegenden verteilen – oft mit schlimmen Konsequenzen für die einheimische Flora und Fauna. Daher gab es auch beim Waschbären erst einige Versuche, die Art wieder auszurotten, aber mittlerweile hat sich herausgestellt, dass sie nicht so schlimm für unser Ökosystem sind. (Und eigentlich wäre hier vermutlich der Dachs die heimischere Variante für meine Artenwahl gewesen, aber leider hatte ich bisher glaub ich nur ein einziges Mal die Gelegenheit, eins dieser spannenden Tiere in echt zu sehen…)

Wildkatzen

Mit einem Katzenliebhaber im Haus und den aufgewärmten Erinnerungen an meine Begegnung mit den schottischen Wildkatzen musste diese Art auf die Liste. Zwar schaffen wir es im kommenden kurzen Urlaub nach Edinburgh nun doch nicht, nochmal bei den Wildkatzen vorbeizuschauen, aber spannend sind diese kleinen Vorfahren unserer Hauskatzen trotzdem auf jeden Fall.

Wildkatze in einem Wildpark (© Cornelia Hebrank, 2015)
Mein einziges bisheriges Erlebnis mit Wildkatzen in Europa war in einer Summer School in Edinburgh – hier im Wildpark hatten sie eingezäunte Klettersteige zwischen Bäumen und schauten auf uns herab… (© Cornelia Hebrank, 2015)

Während ein solches Kätzchen auf den ersten Blick nicht viel anders als manch eine moderne Hauskatze aussieht, haben es die Wildkatzen leider deutlich schwerer. Da sie generell recht scheu sind, brauchen sie größere natürliche Gebiete als man meinen sollte. Und auch die freilaufenden Hauskatzen machen leider Probleme, es kommt nämlich immer wieder zu Hybridisierung zwischen den Tieren, sodass die echten Wildkatzen seltener werden.

Wildschweine

Fast in jedem Waldgebiet – egal ob außerhalb einer Stadt oder im Stadtpark – findet man Wildschweine. Ähnlich wie bei den Füchsen hat sich diese Art schon sehr gut an den Menschen gewöhnt und ist in vielen Gegenden zu unserem Mitbewohner geworden. Daher kann es auch nicht schaden, mehr über diese Allesfresser zu lernen, falls man ihnen dann doch mal in nächster Nähe begegnet.

Leider gibt es auch mit Wildschweinen weniger gute Nachrichten, die größtenteils mit der Schweinepest zusammenhängen. Diese Krankheit breitet sich leicht in Schweinepopulationen aus und kann von Wildtieren und Masttieren aneinander übertragen werden, sodass jeglicher Ausbruch zu echten Konsequenzen in der Industrie und der Wildschweinpopulation führen kann…

Wildpferde

Den Abschluss machen die Herdentiere, die es mir schon seit der Kindheit angetan haben: Pferde. Aber so gerne ich meine Haflinger und Warmblüter hatte, umso faszinierender fand ich schon immer die wilden Pferde, die in ihren Herden in der Natur leben und keine Menschen brauchen. Ob es sich dabei nun um Mustangs, Przewalski-Pferde oder die weißen Herden in der Camargue handelt – alle davon strahlen einfach eine besondere Art von Freiheit und Zusammengehörigkeit aus.

Przewalski-Pferde beim Grasen (© Cornelia Hebrank, 2015)
Friedlich am Grasen und nie allein – praktisch genau wie unsere heutigen Pferde
(© Cornelia Hebrank, 2015)

Und zum Glück gibt es auch hierzulande in vielen Naturschutzgebieten diese natürlichen Rasenmäher, die meist friedlich durch die Lande ziehen und die Wiesen offen halten. Wie auch bei den Wölfen lassen sich in den Gruppen oft spannende Verhaltensweisen beobachten, was bestimmt mit zu meiner Faszination beigetragen hat – und euch hoffentlich auch ein bisschen neugierig macht.

Bonus: Fledermäuse

In dieser Liste von Säugetieren muss ich natürlich auch meine kleinen fliegenden Freunde, die Fledermäuse erwähnen. Als einzige flugfähige Säuger sind sie eine Ausnahmegruppe mit vielen ganz besonderen Anpassungen, von der Echoortung bis zu ihrem Fortpflanzungsverhalten. Aber wenn ihr dem Blog schon länger folgt, dann wisst ihr da ja schon voll Bescheid – falls nicht, dann schaut gerne bei meiner Kurzserie über die Flattertiere vorbei!

Damit haben wir es auch schon durch die erste Liste europäischer Arten geschafft und ihr dürft euch auf die dazugehörigen Artenportraits freuen.


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

Falls euch dieser Eintrag gefallen hat, dann könntet ihr auch Lust haben,
→ etwas über bedrohte afrikanische Arten zu lernen,
→ meinen Bericht über den Workshop zu Wölfen in Deutschland zu lesen,
→ oder vielleicht etwas über Technik im Naturschutz zu erfahren.