Über unseren Urlaub in Edinburgh habe ich ja schon einiges erzählt, aber für einen Tag waren wir tatsächlich ein bisschen im Land unterwegs und sind an die unberührtere Küste rausgefahren – nach Dunbar. Den Ort hatten wir uns recht kurzentschlossen ausgesucht: es sollte nicht zu weit zu fahren sein und wir wollten nicht nur am Meer spazieren gehen, sondern auch noch irgendwas Interessantes dabei anschauen.
Dunbar war dafür der perfekte Kandidat. Etwa eine halbe Stunde Zugfahrt von Edinburgh entfernt und klein genug, dass man problemlos alles vom Bahnhof aus erreichen kann, bietet diese Fischerstadt eine spannende Geschichte: dort gab es früher eine Burg und eine große Wehranlage, die heute nur noch als Ruinen verbleiben, während der Hafen weiterhin aktiv genutzt wird. Und zusätzlich gibt es schöne Spazierwege an der Küste entlang – also damit alles, was wir uns gewünscht hatten.
Alte Ruinen als Lebensraum
Tatsächlich hatten wir auch richtig Glück mit dem Wetter und es war kein Regen in Sicht, als wir aus dem Zug stiegen und uns auf den Weg zum Hafen machten. Die kleine Stadt machte einen netten Eindruck und bald sahen wir schon das Meer, bevor wir zum Hafen einbogen. Einige kleine Schiffe dümpelten gemütlich vor sich hin und es roch nach frischem Fisch. Dahinter erhoben sich auf der linken Seite die Ruinen der Burg und auf der rechten Seite lagen die besser erhaltenen Reste des Verteidigungsturms.

Wir fingen mit letzterem an und erfuhren, dass auch dieser Bereich eine ziemlich bewegte Geschichte aufwies: an dieser Küste gab es über die Jahre viele Todesfälle durch Stürme und gesunkene Schiffe – bei einem hat tatsächlich nur der Schiffshund überlebt… Ursprünglich war dieser Aufbau aber eine Verteidigungsanlage, dann noch eine Weile ein Lager für Waffenreste und schließlich wurde der schon nicht mehr ganz dichte Turm noch als Flüchtlingslager genutzt, bevor er schließlich bei einem Gewitter komplett einstürzte. Mittlerweile dienen die Reste noch als Mahnmal und Aussichtspunkt aufs Meer.

Nach einem ausgiebigen Blick auf die Wellen – und die darüber fliegenden Möwen – wanderten wir dann einmal um den Hafen herum und zur eigentlichen Burg, die bereits 1071 als Sitz des Earl von Dunbar gebaut wurde. Danach spielte sie in vielen Kämpfen zwischen England und Schottland eine Rolle und wurde mehrfach wieder neu aufgebaut, sodass tatsächlich unklar ist, wie die Burg eigentlich aufgebaut war. Und für den Fall, dass ihr schonmal von der Königin der Schotten Mary gehört habt: sie konnte sich im 16. Jahrhundert hier kurzzeitig vor ihren Verfolgern verstecken. Allerdings führte diese Relevanz der Burg dann auch zu ihrem Niedergang – um weitere solche Zwischenfälle zu vermeiden, wurde sie nämlich wenig später zerstört. Schade eigentlich, aber leider nicht so ungewöhnlich. Und wir fanden die Geschichte auf jeden Fall echt spannend.
Doch auch in der heutigen Form haben die Ruinen noch einen guten Zweck und bieten wieder jemandem Zuflucht: den Familien der Dreizehenmöwe, die auf Englisch nach ihrem charakteristischen Ruf Kittiwake genannt wird. Diese Art ist leider mittlerweile als gefährdet eingestuft, da die Bestände immer mehr abnehmen – vermutlich da die kleinen Fische, die ihr hauptsächliches Futter darstellen, immer seltener werden. Aber auch was ihre Nistplätze angeht, sind diese Vögel recht speziell: sie nisten nur an Felsenküsten mit passenden Simsen und Vorsprüngen und da werden ungestörte Nistplätze auch immer knapper.


Umso besser, dass sie nun die Burgruine beziehen durften. Diese ist nur sehr schwer zu erreichen und daher aus Sicherheitsbedenken für Menschen gesperrt, während sie langsam aber stetig verwittert. Doch gerade auf der Seeseite sind noch viele alte Mauerreste mit entsprechenden Vorsprüngen vorhanden, sodass eine ganze Kolonie Dreizehenmöwen eingezogen ist.
Oder lieber die natürlichen Klippen?
Ähnlich wie auch in Edinburgh sind die Klippen in Dunbar durch vulkanische Aktivitäten entstanden, sodass es dort eine Mischung aus verschiedenen Steinarten gibt, die zu den faszinierenden Formen der Küste geführt haben. Durch die unterschiedlichen Härtegrade der verschiedenen Steintypen gibt es auch die vielen Klüfte, die sich natürlich gut als kleine Höhlen oder für Simsnistplätze eignen.
Diese schroffen Klippen sind ja recht typisch für Großbritannien und bieten oft besonders schöne Spazierwege hoch über dem Meer mit richtig weitem Ausblick. So auch hier. Ursprünglich hatten wir gedacht, dass wir direkt an der Burg mit diesem Spaziergang starten könnten, aber am Ende mussten wir dann doch erst nochmal in die Stadt zurück, um ein Stück weiter auf den offiziellen Weg zu kommen.
Der war dann aber besonders schön: nach einem kurzen Stück an einem steilen Strand entlang (mit sehr hübschen Muscheln) erklommen wir die Höhe der Klippen und folgten dann einem ebenen, aber sehr kurvenreichen Weg direkt an der Kante über dem Meer. Und was für ein Ausblick! Nur grün und blau und ein paar weiße fliegende Punkte, soweit der Blick reicht…

Während wir weiterwanderten, fielen uns immer wieder spannende Formen der Küste auf und wir erspähten einige Vögel in den verschiedensten Positionen – doch dazu später mehr. In einer Kurve schnupperten wir ganz interessiert, da es dort unglaublich süß roch, weil einfach der ganze Wegrand mit blühenden gelben Blümchen vollstand.
Ein ganzes Stück weiter endeten die Klippen ziemlich abrupt und steile Stufen führten uns deutlich näher ans Wasser hinunter – und an den Rand eines Golfplatzes. Der störte uns aber nicht wirklich und so liefen wir noch ein ganzes Stück weiter und beobachteten die Wellen und Vögel, bis wir einen weiteren Aussichtspunkt mit Bank und Krähe erreichten. Dort machten wir kurz Pause und drehten dann um.

Aus der biologischen Sicht sind besonders die hohen Klippen ein super Lebensraum, da die Menschen nur oben an der Kante spazieren gehen, aber damit die komplette Höhe an Felswand für Vögel zu Verfügung steht und sie dort auch nicht gestört werden. Außerdem sind nicht alle Stellen gleich steil, sodass es teilweise auch bunt bewachsene steil abfallende Wiesen gibt, die wiederum anderen Vögeln und vielen Insekten eine Heimat bieten.
Paradies für Birder
Natürlich lassen sich diese ganzen Arten dann auch gut beobachten, besonders an den Stellen, an denen man die Kurven ausnutzen kann, um einen Blick auf die Felsenwände an sich zu erhaschen. Aber auch die Inseln direkt vor den Klippen sind immer gut besetzt und mit dem passenden Equipment lassen sich da bestimmt einige tolle Arten finden. Ich gebe aber gerne zu, dass ich mich erstens mit Meeresvögeln nicht wirklich auskenne und wir zweitens nicht genug Zeit eingeplant hatten, um wirklich ausdauernd auf Beobachtungstour zu gehen. Also habe ich nur ein paar Eindrücke für euch mitgebracht.


Aber gerade bei einem solchen Spaziergang kann man gut nachvollziehen, warum sich viele naturbegeisterte Briten mit Vögeln beschäftigen und sehr interessierte Birder sind. Selbst ohne gutes Fernglas konnten wir eine Vielzahl an Arten entdecken und an dem Stück Strand waren gleich an einer Stelle ganz unterschiedliche Typen unterwegs. Und wenn man dann den Vögeln beim Ausweichen vor der Welle zuschaut – schnell wegrennen, dann wieder flott zurück und picken gehen, und schnell wieder wegrennen – dann muss man einfach schmunzeln.

(© Cornelia Hebrank, 2025)

(© Cornelia Hebrank, 2025)
In solch einer spannenden Umgebung ist es auch nicht verwunderlich, dass Dunbar der Geburtsort von einem der bekanntesten Naturforscher Schottlands ist. John Muir war ein Erkunder, der sich besonders für Pflanzen und Geologie interessierte und auch einiges zu dem Thema schrieb. Tatsächlich entwickelte er dabei viele der Grundideen des Naturschutzes und reiste durch Europa und bis nach Nordamerika. Dazu muss ich sagen, dass ich den Namen zwar schon gehört hatte, aber nicht im Detail über sein Lebenswerk Bescheid wusste (oder weiß – vielleicht ist das was für meine Leseliste).
Auf dem Weg zurück zum Bahnhof sind wir an John Muirs Geburtshaus vorbeigelaufen, was uns darauf hingewiesen hat, doch leider hat es nur an wenigen Tagen offen, sodass wir dort nicht noch mehr über ihn und seine Arbeit erfahren konnten. Andererseits taten uns zu dem Zeitpunkt auch schon wirklich die Füße weh, also vielleicht war es besser so…
Jedenfalls hatten wir einen wunderschönen Tagesausflug, der sich mit der frischen Meeresbrise, den tollen Ausblicken und der Vielzahl an Vögeln absolut gelohnt hat. Falls ihr also mal in dem Teil Schottlands unterwegs seid, dann können wir einen Ausflug nach Dunbar nur empfehlen. Und damit ist diese Miniserie zu unserem Urlaub auch wieder abgeschlossen – ich hoffe es hat euch gefallen, mit nach Schottland zu kommen und ein bisschen was über die dortige Natur zu lesen.


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