Nun gut, die ganze Reise war geplant und schließlich kam auch der große Tag, an dem wir in Richtung Afrika starten durften. Als Volunteer bei Wildlife ACT wird man grundsätzlich an einem Montag abgeholt und auch wieder am Flughafen abgesetzt, also mussten wir bereits am Sonntag starten, um rechtzeitig da zu sein. Von Deutschland aus hat man hierbei verschiedene Möglichkeiten, was die Flüge angeht – von einem Direktflug von Frankfurt aus über einen Nachtflug mit Umweg über einen der großen Flughäfen Europas bis hin zu einem Zwischenstopp irgendwo in Arabien mitten in der Nacht. Im Endeffekt kommt es darauf an, wie wichtig einem Geld vs. Komfort ist, und dann kann man mit etwas Suche eine Entscheidung treffen. Wir entschieden uns für einen Mittelweg: mit KLM von München aus nach Amsterdam, von dort mit einem seltenen Tagesflug (die meisten Flüge nach Südafrika fliegen über Nacht) nach Johannesburg und dort erstmal ins Hotel. Für uns war das die beste Option, da wir beide im Flieger nicht allzu gut schlafen können und damit eine bequemere Nacht verbringen durften. Außerdem ließ uns das genug Zeit, um keine Sorge zwecks dem Anschlussflug von Johannesburg nach Richards Bay zu haben. Diesen zweiten Flug buchten wir direkt bei Airlink, womit man nochmal einiges gegenüber einer durchgehenden Buchung sparen kann, dafür aber das Risiko zwecks dem verpassten Anschluss selber trägt.

Ausblick auf den Münchner Flughafen mit einer KLM-Boeing 737 am Finger (© Cornelia Hebrank, 2024)
Unsere KLM Boeing 737 am Münchner Flughafen (© Cornelia Hebrank, 2024)

Mit dem Flugzeug bis Richards Bay

Auf jeden Fall war der Sonntag damit ein anstrengender Reisetag. Wir mussten bereits sehr früh morgens los, um rechtzeitig am Flughafen zu sein, konnten aber dafür im ersten kurzen Flug noch ein bisschen dösen. Der Umstieg in Amsterdam verlief absolut problemlos und bald konnten wir die Welt von oben betrachten und die Route in den Süden auf dem Display in der Boeing 777 live mitverfolgen. Mit dem Filmangebot und etwas gemütlichem Lesen konnte man den Tag dabei schon recht gut im Flieger verbringen, vor allem, weil man sich damit in Ruhe auf den Urlaub einstimmen konnte nach einer anstrengenden letzten Arbeitswoche zuvor. Das Essen war für einen Flug auch recht gut und so bewegten wir uns in etwa 10,5 Stunden gen Urlaub.

In Johannesburg hatten wir dann dennoch ein bisschen Verspätung eingesammelt und warteten kurz nach zehn Uhr abends auf unsere Einreise nach Südafrika. Nachdem das endlich geschafft war und wir auch die Koffer eingesammelt hatten, machten wir uns auf die Suche nach unserem Hotel. Das Southern Sun OR Tambo ist zwar eigentlich direkt neben dem Flughafen, aber es stellte sich schnell heraus, dass die Gegend nicht wirklich geeignet war, um zu Fuß voranzukommen und letztendlich nahmen wir dann einfach ein Taxi. Wenig später waren wir glücklich, den ersten Teil der Reise erfolgreich überstanden zu haben und legten uns bald schlafen.

Montag früh ging es dann nach einem gemütlichen Frühstück mit dem Shuttlebus zurück zum Flughafen, dieses Mal allerdings ins regionale Terminal. Gepäck aufgeben, Sicherheit (hier problemlos mit gefüllten Trinkflaschen, immerhin) und dann nach einiger Wartezeit ab in den nächsten Flieger, mit einer kleinen Embraer 170 deutlich putziger als der letzte. Der Flug nach Richards Bay ging flott, aber wir bekamen trotzdem einen besseren Snack als auf einem üblichen innereuropäischen Flug, und dann konnten wir im Landeanflug noch die Küste bestaunen, bevor wir unser Ziel erreicht hatten.

Der Flughafen in Richards Bay ist so klein, dass es nur ein einziges Gate gibt und die Gepäckausgabe praktisch eine kleine Schräge ist, auf der die Koffer neben- und nacheinander gerutscht kommen. Entsprechend war es nicht weiter schwer, unseren Abholservice zu finden, bei dem wir auch gleich unsere Mitstreiter für die nächsten zwei Wochen kennenlernten. Durch die ersten Gespräche stellte sich schnell heraus, dass wir zu viert in unserem Projekt sein würden – zwei Gruppen von jeweils zwei. Einige der anderen Volunteers waren für längere Zeiträume da und würden daher nur zwischen den Projekten wechseln, sodass sie nicht zum Flughafen gekommen waren.

Ausblick auf die Küste aus dem Airlink-Flieger im Anflug auf Richards Bay (© Cornelia Hebrank, 2024)
Ausblick aus dem Airlink-Flieger im Anflug auf Richards Bay (© Cornelia Hebrank, 2024)

Dann weiter in den Nationalpark

Das Abholen vom Flughafen war auch früher schon recht organisiert abgelaufen, aber man merkte dennoch, dass sich die Abläufe über die Jahre noch verbessert haben. Sobald alle von uns bereit waren, stiegen wir in den typisch südafrikanischen Minibus ein und die Fahrt nach Norden ging los. Der erste Halt war in Mtubatuba, einer kleinen Stadt auf dem Weg, wo wir eine Viertelstunde Zeit hatten, Kleinigkeiten im Supermarkt zu besorgen. Dazu muss man sagen, dass im Projekt das ganze normale Essen gestellt wird – es sind genügend lokale Zutaten zum Kochen und Frühstücken und so da – aber wenn man noch Süßigkeiten oder was besonderes möchte, dann ist man dafür selbst verantwortlich. Da wir da keinen großen Bedarf haben, hatten wir unseren Einkauf schnell geschafft, waren aber doch neugierig, uns noch ein bisschen umzusehen, was es hier alles im Angebot hatte. Die 15 Minuten gingen schnell vorbei und die Fahrt ging weiter.

Das Projekt, in das wir zugeteilt worden waren, befindet sich im Hluhluwe-iMfolozi Nationalpark, dem ältesten Naturschutzgebiet der Region, in dem auch die Breitmaulnashörner damals vor dem Aussterben gerettet werden konnten. Der Park wird durch eine Bundesstraße in zwei Teile getrennt, und diese Bundesstraße führt leider auch immer wieder zu Wildunfällen, ist aber zu wichtig für die regionale Anbindung, als dass sie verlegt werden würde.

Und genau diese Straße führte uns nun zu unserem ersten Anblick des Gebiets, in dem wir die nächsten beiden Wochen verbringen würden. Ein kleines Viehgatter war alles, was den Eintritt in das Naturschutzgebiet verriet, und dann verschwanden die kleinen Häuschen und Rinder am Straßenrand und wurden durch den natürlichen Wald der Gegend ersetzt. Bei Wald darf man hier nicht an einen typischen deutschen Wald denken – in dieser Gegend ist damit eher ein dichtes Wachstum von mittelhohen Büschen mit einzelnen höheren Bäumen gemeint, was aber dennoch sehr undurchsichtig sein kann.

Die Bundesstraße führte uns zu einem der Eingangstore des Parks, dem Nyalazi Gate, an dem unser Fahrer uns anmelden musste, bevor wir auf das erste typische Monitoring-Auto von Wildlife ACT trafen. Hier im iMfolozi-Teil des Parks gibt es auch ein Monitoring-Camp, von dem wir einen anderen Freiwilligen einsammelten, der zu einem anderen Projekt wechselte. Wir hielten uns aber nicht lange auf und nun ging die Tour geradewegs durchs Reservat weiter, auf der geteerten Hauptstraße. Vereinzelt konnten wir hier schon Tiere sehen, aber durch die kleinen Fenster des Busses war die Sicht doch recht eingeschränkt.

Die Strecke zog sich dennoch etwas, bis wir in der Nähe des Hilltop-Camps an einer Kreuzung von unserem zukünftigen Monitor abgeholt wurden. Einmal schnell das Gepäck auf den Pickup-Truck hieven, dann hochklettern und schon ging es das kurze Stück weiter zu dem Research Camp, das nun unsere “Heimat” sein würde. Es war fast surreal, wie beim Anblick des Parkplatzes und der Gebäude die Erinnerung zurückkam, an damals, vor elf Jahren, als ich schon einmal hier gewesen war. Und als dann noch eine meiner alten Bekannten um die Ecke kam, fühlte ich mich direkt wieder angekommen. Wir bekamen unsere Zimmer zugewiesen und wurden informiert, dass wir uns das Camp für die erste Woche mit einigen Interns teilen würden, die gerade ihr Praktikum bei Wildlife ACT abschlossen. Nach einem kurzen Hallo waren wir aber auch ganz glücklich damit, erstmal die Zimmer in Augenschein zu nehmen und anzukommen.

Und schließlich gleich noch raus in die Natur

Viel Zeit blieb uns dafür allerdings nicht, da nur wenige Minuten später unser Monitor anfragen kam, ob wir Lust hätten, direkt jetzt am Nachmittag noch eine erste Fahrt zu den Hyänenhunden (African Wild Dogs) zu unternehmen. So eine Frage lässt man sich nicht zweimal stellen, schließlich sind wir ja genau zu diesem Zweck die vielen Stunden geflogen und gefahren, also machten wir uns nur zu gern schnell bereit und dann ging es direkt wieder auf den Pickup und raus in die Wildnis.

Schon allein die wunderschöne Natur um uns herum und der Fahrtwind fühlten sich an, als wäre ich nach langer Zeit wieder nach Hause in eine bekannte Umgebung gekommen. Mir ging es gleich besser und die Anstrengungen der Anreise waren vergessen. Wir mussten auch gar nicht weit fahren, um den ersten Tieren zu begegnen – eine kleine Familie von Warzenschweinen (Warthogs) graste gemütlich an einem Aussichtspunkt. Das Männchen der Gruppe hatte beeindruckende Hauer und stellte sich direkt als Prachtexemplar seiner Art heraus.

Ein Warzenschwein-Männchen mit sehr großen Hauern (© Sebastian Sperling, 2024)
Das beeindruckende Warzenschwein-Männchen (© Sebastian Sperling, 2024)

Danach ging es abwechslungsreich weiter. Nachdem nicht alle Freiwilligen schon viel Zeit in Südafrika verbracht hatten, war jedes neue Tier spannend. Außerdem stellte sich schnell heraus, dass wir auch alle an Vögeln interessiert waren, was allen unseren Monitors gut gefiel, da sie dann ihre Vogelkenntnisse auch mal preisgeben durften. Erst kamen wir aber noch an zwei alten (afrikanischen) Büffeln (African Buffalos) vorbei, die sich gemütlich in einem Schlammloch niedergelassen hatten.

Und dann ging es los mit den Vögeln! Man muss dazu sagen, dass man bei so einer Tour praktisch durchgehend irgendwelche Gesänge im Ohr hat und es rund um einen herum hin und her fliegt, aber dass man einen Vogel in Ruhe beobachten und betrachten kann, das ist deutlich seltener. Entsprechend zähle ich für meine persönliche Tierliste auch nicht jeden Vogel, der irgendwo mal kurz aufgescheucht und benannt wurde, sondern nur die, die ich auch in Ruhe mit meinem schönen neuen Fernglas anschauen konnte. Trotz dieser Einschränkung gab es gleich einen Dreibandregenpfeier (Three-banded Plover) und einen Bruchwasserläufer (Wood Sandpiper) zu sehen, da wir uns in der Nähe einiger kleiner Wasserlöcher aufhielten.

So waren wir schon sehr zufrieden mit unserem Ausflug, als wir auch ein Signal für die Hyänenhunde bekamen – diese werden per Telemetrie verfolgt, dazu aber in einem späteren Eintrag mehr. Wir bekamen direkt eine Einführung in das Munywaneni-Rudel, das aus sieben Tieren bestand, nachdem sich erst kürzlich drei Weibchen abgespalten hatten. Auch hier würden wir im Laufe der nächsten Tage noch deutlich mehr lernen, aber fürs erste folgten wir dem Signal und hatten Glück: wenig später sahen wir das komplette Rudel, das sich mit vollen Mägen gemütlich in der nachmittäglichen Sonne auf dem Weg niedergelassen hatte. Es war eine wundervolle Sichtung – ganz in Ruhe und so, dass wir ziemlich nah heranfahren konnten, nachdem die Hunde Fahrzeuge gewöhnt sind. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, die Hundis schon am ersten Tag sehen zu dürfen und dann gleich so, völlig entspannt und zufrieden. Für mich war es ein absolut tolles Erlebnis und ich hatte sogar Tränen der Freude in den Augen stehen, dass ich endlich wieder bei diesen tollen Tieren sein durfte. Zusätzlich genoss ich es sehr, dieses Mal nicht alleine für die Fotos zuständig zu sein und daher einfach mal genießen und durchs Fernglas alle Details in mich aufsaugen zu können. Es war einfach wunderbar und für mich hatte sich der Urlaub an dieser Stelle schon gelohnt.

Wir blieben natürlich noch eine Weile bei dem Rudel, bis sie sich aufrafften und nacheinander in den Büschen verschwanden. Dann wollten wir den Nachmittag noch vollends auskosten und fuhren ein bisschen weiter herum, nun tatsächlich aktiv auf der Suche nach ein paar fliegenden Gesellen. Neben den Rußkopf-Bülbüls (Dark-capped Bulbuls) und wunderschön schillernden Rotschulter-Glanzstaren (Cape Starlings), die uns in den nächsten Tagen häufig begleiten würden, begegneten uns auch ein vorbeifliegender Glanzhaubenturako (Purple-Crested Turaco) und ein farbenfroher Bienenfresser (European Bee-eater), sowie zwei ungewohnt bunte Nilgänse (Egyptian Goose), bevor der Tag sich dem Ende zuneigte und es dunkler wurde.

Ein Busch voller Rotschulter-Glanzstare (Cape Starlings) (© Sebastian Sperling, 2024)
Ein Busch voller Rotschulter-Glanzstare (Cape Starlings) (© Sebastian Sperling, 2024)

Wir machten einen letzten Abstecher an den großen Fluss, bevor es zurück zum Camp ging. Aber auch auf diesem Weg gab es noch genug zu sehen: einige Fledermäuse flatterten über unseren Köpfen vorbei, dann sahen wir auf dem Weg eine eigentlich eher selten aufzufindende Nachtschwalbe (Nightjar) und unsere erste Gruppe von Nyalas. Und als wäre das noch nicht genug für einen absolut fantastischen Start in den Urlaub gewesen, tat uns auch noch ein Leopard den Gefallen, praktisch direkt vor uns die Straße zu überqueren – wir sahen zwar nur noch die Schwanzspitze, aber nachdem man diese spannenden Tiere nur sehr selten zu Gesicht bekommt, waren wir auch davon schon begeistert.

Wenig später waren wir dann wieder im Camp und glücklich, für den ersten Abend noch nicht selber kochen zu müssen, sodass wir erstmal ankommen konnten. Die Sachen wurden verräumt und alles für den nächsten Tag vorbereitet, da unsere Morgen-Tour bereits um 5 Uhr abfahren würde. Entsprechend kippten wir auch wenig später erschöpft vom langen Tag in die Betten und freuten uns auf die weiteren Erlebnisse der nächsten Tage.

Lust gleich weiterzulesen? Hier geht’s zu Tag 2!


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Veröffentlicht von

Eine Antwort zu „Afrika-Abenteuer 2024: Tag 1 – Die beste mögliche Ankunft“

  1. Avatar von ritahebrank
    ritahebrank

    Ein imposantes Warzenschwein.

    Bin gespannt, was ihr noch so alles gesehen habt die kommenden Tage

    Gefällt 1 Person

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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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