Der Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark hat eine sehr interessante Vergangenheit und war sehr wichtig für den Naturschutz in Südafrika. Als ehemaliges königliches Jagdgebiet des Zulu-Anführers Shaka wurde der Park bereits im Jahr 1895 als Schutzgebiet ausgeschrieben und ist damit das älteste Naturschutzgebiet in Afrika. Nachdem das Breitmaulnashorn im 19. Jahrhundert durch die Jagd fast komplett ausgerottet worden war, war der Park außerdem das Gebiet, in dem die letzten Tiere ihrer Art wieder gesammelt und geschützt werden konnten. Damit beherbergt der Park heute eine der größten Populationen dieser Nashörner in der Welt.

Noch weiter in den Süden
Für uns begann der Tag aber trotz der interessanten Pläne, das Besucherzentrum anschauen zu gehen, zunächst wie jeder andere. Der dafür nötige Weg in den Süden wollte auch anderweitig genutzt werden, da dort die Vegetation etwas offener ist als im Norden und sich damit mehr Löwen und Geparden dort aufhalten. Bei der Suche nach neuen, und dann noch so schönen, Tieren waren wir natürlich sofort begeistert dabei, und ich freute mich schon auf den Scanning-Tag, da ich heute dran war – sobald alle gelernt haben, wie man mit der Telemetrie-Ausstattung umgeht, wechselt man sich einfach pro Fahrt ab, sodass alle etwa gleich viel Erfahrung sammeln können.
Da die Strecke bis in die Mitte des Parks von unserem Camp aus doch ganz schön weit war, bedeutete das, dass wir den ersten Teil des Morgens mit recht flotter Fahrt auf der Hauptstraße verbrachten. Dieses Mal schien die Natur unsere Pläne unterstützen zu wollen und so kamen wir recht ungestört voran, bis wir weit genug im Süden waren, um nach den ersten Löwen zu suchen – und siehe da, ich bekam auch direkt ein Signal für die Löwin. Bei dem Halt bemerkten wir aber auch einige Impalas, die neben uns anfingen, ihr Warnsignal zu brüllen. Die Löwin war allerdings noch zu weit entfernt, um der Auslöser dafür zu sein, also machten wir doch noch einen kleinen Abstecher durch die Gruppe der einzeln weglaufenden Antilopen, und hielten nach einer Ursache wie z.B. einem Leoparden Aussicht. Leider konnten wir den Grund nicht ausfindig machen, aber das Verhalten der Impalas, die immer wieder stehenblieben, um andere zu warnen, bevor sie weiter wegliefen, war auch so interessant zu beobachten.
Aber auch die Löwin wollte sich uns nicht zeigen. Wir konnten ihr Signal triangulieren, d.h. wir nahmen zwei Signale aus unterschiedlichen Richtungen auf und unsere Monitorin nutzte die Daten, um in ihrer App Linien nach Richtung der Signale zeichnen zu lassen. Diese Linien überkreuzen sich dann ungefähr an der Stelle, an der sich das Tier befindet. In diesem Fall war die Stelle gar nicht mal weit von der Straße entfernt, aber in einem Gebiet mit recht dichtem Busch, sodass wir nicht näher fahren konnten und auch schlechte Chancen darauf hatten, einen Blick zu erhaschen.
Also ging die Fahrt weiter, und zumindest konnten wir bald ein paar neue Vögel genießen: ein schön bunt gepunkteter Haubenbartvogel (Crested Barbet) und ein Burchells Spornkuckuck (Burchell’s Coucal) mit seiner typischen, leicht zu erkennenden weißen Brust mit schwarzem Kopf und braunen Flügeln, ließen sich gemütlich anschauen.

(© Sebastian Sperling, 2024)

(© Sebastian Sperling, 2024)
Dann kam die in einem Nationalpark unvermeidliche Wegblockade, als drei Zebras vor uns auf der Straße auftauchten. Zwei davon ließen sich recht leicht auf die Seite bewegen, aber das dritte lief eine ganze Weile sehr gemütlich vor uns her, ohne uns durchlassen zu wollen. Daher hatten wir Zeit, uns etwas mehr über diese Art zu unterhalten, auch darüber, dass die Streifen wohl eine Kombination aus Überhitzungsschutz und Insektenabwehr sind – ersteres, weil die dunklen Stellen sich mehr aufheizen als die hellen und damit eine Luftzirkulation über jedem Streifen entsteht, die hilft, das Tier abzukühlen, und letzteres, weil es Studien gibt, die darauf hindeuten, dass Insekten diese Streifen weniger gut als zusammengehöriges Tier deuten können und eher für den Schattenwurf eines Busches halten. Bis wir das dann besprochen hatten, bewegte sich das letzte Zebra zumindest mal weit genug an den Rand der Straße, um uns vorbeizulassen. Eine Kurve später kam aber direkt die nächste Gruppe vorbei, die sogar ein recht junges Fohlen dabei hatte, sodass wir doch nochmal ein bisschen stehen blieben, um das putzige kleine Tier dabei zu beobachten, wie es sich bei Mama verstecken wollte.

Nun war es auch endlich so weit und wir erreichten die Schnellstraße, die die beiden Teile des Parks voneinander trennt, und fuhren unter ihr hindurch, um nun offiziell im südlichen Teil anzukommen. Damit hatten wir auch das Gebiet erreicht, in dem man nach Geparden suchen konnte, und so machte ich mich an die Arm-belastende Aufgabe, die ganze Liste an Halsbändern durchzugehen… Eine wirklich hohe Erwartungshaltung hatten wir ja noch nicht, als ich plötzlich ein relativ gutes Signal bekam – aber von hinter uns! Einen Moment waren wir alle etwas verwirrt, bis unsere Monitorin verstand, was passiert war: eins der Halsbänder in unserem Camp war scheinbar weder ausgemacht noch aus unserem Gerät entfernt worden. Und da das Camp auf einem Hügel lag, und das Halsband dort nochmal etwas höher aufgehängt war, konnten wir sogar in dieser Entfernung ein klares Signal finden. Nur schade, dass wir damit keinen Geparden finden würden…
Eine gemütliche und interessante Mittagspause
Mittlerweile war es aber nicht mehr weit bis zu unserem Ziel und wir ließen uns nur noch kurz von ein paar im Baum sitzenden Weißrückengeiern (White-backed Vultures) ablenken, die wir natürlich wieder notieren mussten. Dabei bemerkten wir auch noch einen „Turm“ an Giraffen, der uns betrachtete, bevor er zu einer „Reise“ von Giraffen wurde. Im Englischen gibt es oftmals besondere Begriffe, um eine Gruppe von Tieren einer bestimmten Art zu beschreiben, so z.B. der Begriff a tower of giraffes für eine stehende Gruppe der Tiere, während sie in Bewegung eine journey of giraffes genannt wurden. Ich finde es schön, dass man damit direkt eine Art Bild der Sichtung im Kopf hat und das ganze wirkt schon etwas poetisch, also schade, dass wir das auf Deutsch nicht so gut beschreiben können.
Aber zurück zu unserem Ausflug und dem sich nähernden Ziel. Das Centenary Centre ist eine Art Besucherzentrum, das über die Geschichte des Parks und die früheren Erfolge im Artenschutz aufklärt, außerdem eine Möglichkeit für ein gemütliches Mittagessen bietet und generell auch weitläufige Gehege für eingefangene Tiere beinhaltet. Diese Gehege waren aktuell wegen dem aktiven Betrieb für den Nashorn-Schutz allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Für uns war der Plan, erstmal die Ausstellung zu besuchen und dann gemeinsam etwas zu essen, bevor es nach einem kurzen Besuch beim Souvenir-Markt wieder zurück in den Norden gehen sollte.
Begrüßt wurden wir erstmal von einem offenen, hier typischen Zweigdachhütten-Bau neben dem kleinen Parkplatz, hinter dem sich dann das eigentliche Gelände auftat. An dem Markt für lokale Handarbeiten gingen wir fürs erste vorbei, um weiter hinten zum kleinen Museum zu kommen. Das bestand zwar nur aus einem Raum mit vielen Infowänden und einem kleinen Außenbereich mit einem alten Einsatzfahrzeug, aber war dafür sehr schön gemacht.
Die Einleitung war eine kurze Geschichte des Parks und dann ging es schnell zum eigentlichen Thema: Game Capture, dem sicheren Einfangen von wilden Tieren für deren Transport in andere Gebiete. Durch die Jagd waren viele Arten dezimiert worden und als der Nationalpark als solcher definiert wurde, mussten viele Arten erst mühsam wieder in die Gegend gebracht und neu angesiedelt werden. Dabei wurden viele Techniken ausprobiert, und die Ausstellung zeigte anhand von einigen Schaubildern mit kleinen Modellen, wie die verschiedenen Fallen funktionieren, und welche Art wie gefangen werden kann. Dazu gehörte auch ein Abschnitt über verschiedene Betäubungsmittel für solche großen Tiere, sowie über Transportmethoden für Nashörner, Elefanten und andere große Tierarten.



Außerdem gab es mehrere Abschnitte zur Wiederansiedlung der Breitmaulnashörner, was mit der bekannteste Erfolg dieses Parks und den daran beteiligten Helfern vom Project Rhino ist. Damals war noch wenig über die Art bekannt und vieles musste mühsam ausprobiert werden, aber dennoch gelang es dem Team dann, eine gute Taktik für die Relocation, also den Transport von Nashörnern zwischen Schutzgebieten, zu entwickeln. Es stellte sich heraus, dass eine Betäubung per Gewehr gut funktionierte, woraufhin die Tiere im Idealfall per Helikopter, an den Beinen aufgehängt, zum anderen Gebiet geflogen wurden, so dass keine zu lange Betäubung nötig war.


Insgesamt fanden wir die Ausstellung sehr interessant, auch wenn wir etwas traurig über ihren Zustand waren – an mehreren Stellen war Wasser in die mittlerweile fast 30 Jahre alte Hütte eingedrungen und hatte dafür gesorgt, dass manche Stellen nur noch schwer lesbar waren. Aber man erkannte direkt, dass alles mal mit Überlegung und echter Motivation gebastelt wurde und allein das machte den Besuch schon sehr spannend.
Damit war es dann auch schon späterer Vormittag geworden und wir waren alle hungrig genug, um nun zum Luxusteil unseres Ausflugs überzugehen: dem Essen. Das Restaurant ist zwar nur klein, aber es gab doch genug Auswahl, dass für jeden etwas Leckeres dabei war – wir blieben bei den typischen Burgern und Sandwiches, die uns allen gut schmeckten. Während dem Essen kam auch direkt noch Besuch in Form eines jungen Nyala-Weibchens vorbei und nach der kleinen Pause hatten wir noch ein paar Vögel für unsere Liste mehr: wir konnten einen weiß-bauchigen Nektarvogel (White-bellied Sunbird) beim Nektar trinken beobachten, sahen einen Elfenschnäpper (Fairy Flycatcher) und bekamen Besuch von einem altbekannten Rußkopf-Bülbül (Dark-capped Bulbul), der sich neben uns auf der Stuhllehne niederließ.

Als netten Abschluss gab es jetzt noch eine Runde Mitbringsel aussuchen, in dem Craft Market des Zentrums. In der runden, großen Hütte gab es viele verschiedene Andenken zu sehen, von kleinen Statuen und Figuren über Schmuck aller Art bis hin zu Geschirr und Tüchern. Das schöne daran, diese Sachen hier zu kaufen, ist, dass alles von Leuten aus den umliegenden Dörfern gemacht wurde und damit jeder Einkauf diese Dörfer unterstützt. Also machten sich alle von uns auf die Suche nach ein paar schönen Sachen für zuhause, auch wenn der Koffer nicht mehr viel Gewicht dafür hergab. Trotzdem wurden wir fündig und warteten dann in der Eingangshütte auf den Rest, damit wir so lange noch die putzigen Wahlberg-Epaulettenflughunde (Wahlberg’s Epauletted Fruit Bats) anschauen konnten, die im Dach der Hütte „abhingen“. Die Tierchen waren dabei fast genauso an uns interessiert wie wir an ihnen und guckten uns mit ihren großen Augen an.

Schließlich hatten es alle geschafft, sich bei der riesigen Auswahl zu entscheiden, und wir machten uns auf den Rückweg zum Camp. Die Mittagssonne brannte schon geradezu auf uns herunter und es gab für alle nochmal eine ordentliche Extraladung Sonnencreme, so dass wir den Weg heil überstehen würden. In der Hitze war auch im Tierreich weniger los, nur eine Gruppe Geier nutzte die gute Thermik aus, um gemütlich ihre Kreise über dem Fluss zu ziehen…
Ein ausgiebiger Besuch der Boma
Zurück im Camp gab es dann eine spätere, aber dafür längere Mittagspause, in der wir uns erstmal vor der Hitze verstecken mussten. Nachdem der morgendliche Trip etwas länger gedauert hatte als sonst, war der Plan, etwas später am Nachmittag wieder zu starten – aber auch dafür hatten wir heute etwas Neues zu tun. Die beiden Hyänenhunde in der Boma mussten mal wieder gefüttert werden, also packten wir ein dafür vorbereitetes Antilopenbein ein – um nicht die ganze Tragfläche des Pickups voll zu bluten, war dieses natürlich etwas eingepackt, aber der Geruch ließ sich dadurch nicht eingrenzen…
Auf dem Weg begegneten wir wieder einmal ein paar Zebras und dann zum ersten Mal einer ganzen Herde von Büffeln. Einzelne alte Tiere hatten wir ja schon gesehen, aber die große Gruppe an Tieren mit den kleinen Kälbchen dazwischen machte doch nochmal einen ganz anderen Eindruck. Wie üblich wurden die Büffel von Madenhackern (Oxpeckers) begleitet, aber hier nicht nur von rotgeschnabelten Tieren, sondern es gab auch welche mit gelbem Schnabel – leider waren wir uns aber nicht ganz sicher, ob es nur Jungvögel waren oder tatsächliche welche der anderen Art. Auf jeden Fall genossen wir die ruhige Atmosphäre mit den Kälbchen noch ein bisschen, bevor wir das letzte Stückchen zum Auswilderungsgehege fuhren.

Dort angekommen erwarteten uns direkt schon zwei größere Vögel im Baum in der Mitte des eingezäunten Bereichs: neben dem häufig gesehenen Hagedasch (Hadeda Ibis) hatte sich auch ein Wollhalsstorch (Woolly-necked Stork) niedergelassen. Die beiden beobachteten uns erst interessiert, aber nachdem wir das Tor im Zaun aufmachten, nahmen sie dann doch lieber Reißaus. In der Boma, also dem Auswilderungsgehege innerhalb des Parks, war der schmale Weg schon etwas überwachsen, aber das machte unserem Fahrzeug nichts aus. Wir fuhren bis in ein kleines, nochmal separat abtrennbares Areal, direkt neben dem mit Sichtschutz verkleideten Beobachtungsturm, in dem bereits die Reste von einem letzten Bein zu finden waren. Außerdem war eine Wildkamera auf die Futterstelle ausgerichtet, die dadurch möglichst gute Bilder von den Hyänenhunden abbekommen sollte.
Von den beiden Bewohnern hatten wir bisher allerdings noch gar nichts gesehen, sie hielten sich lieber versteckt und beobachteten uns bestimmt ganz aufmerksam aus dem Unterholz. Mit ihren guten Nasen war ihnen mit Sicherheit nicht entgangen, dass wir Futter für sie dabei hatten. Während wir also das hohe Gras im Blickfeld der Kamera entfernten – sonst würde jede Bewegung im Gras den Sensor auslösen und für haufenweise unsinnige Bilder sorgen – und das Bein ablegten, konnten wir auch etwas mehr über das hier residierende Paar erfahren.
Die beiden Tiere waren die einzigen Überlebenden aus einer Tragödie in einem nahen Reservat (sogar einem, in dem ich für meine Masterarbeit ihre Vorfahren beobachtet hatte). In dem von der dortigen Community geleiteten Park waren trotz aller Aufklärungsversuche in den nahen Dörfern immer wieder Fallen gelegt worden, um Buschwild zu fangen und vermutlich zu verkaufen. Solche Fallen bestehen aus Drahtringen, die so an Bäumen oder Sträuchern befestigt sind, dass sich die Schlinge zuzieht, wenn ein Tier hindurchläuft, und dieses damit erdrosselt. An sich sind diese Fallen für Wild gedacht, aber es kann halt jedes beliebige Tier hineinlaufen, was sie so gefährlich macht. In diesem Fall war das komplette Rudel in eine Linie solcher Fallen gekommen und nur die beiden Hunde hatten überlebt. Einer davon war zeitweise sogar noch in Lebensgefahr gewesen, da seine Verletzungen so übel ausgefallen waren, aber er hatte es geschafft. Leider ist diese Geschichte gar nicht mal so untypisch für den aktuellen Zustand der südafrikanischen Hyänenhund-Population, und das Wissen, dass ich sogar das Reservat kannte, machte die Erzählung für mich noch bedrückender und emotionaler. Aber ich versuchte mich an ein bisschen Optimismus, da diese beiden immerhin überlebt hatten und damit ihre Gene weitertragen konnten…
Aber zurück ins hier und jetzt: das Gras war kurz, das Bein war hingelegt und nun durfte Sebastian noch kurz aushelfen, die Speicherkarte der Wildkamera auszutauschen, und dann ging es auch schon wieder ab aufs Auto und raus aus der Boma. Nun gut, um ehrlich zu sein hatte ich das Auto dieses Mal gar nicht verlassen, da ich an einem der letzten Tage unwissentlich einen ganzen Schwarm kleiner, sogenannter „Pfeffer-Zecken“ (einer Gruppe der Schildzecken, Pepper Ticks) eingesammelt hatte. Die hatten dafür gesorgt, dass meine Beine nun ständig juckten und ich mir den Tag Auszeit gönnte, um möglichst nicht gleich noch mehr davon aufzusammeln. Immerhin verbreiten diese kleinen Nervensägen höchstens manchmal eine Art Fieber, das keine weiteren Folgeerscheinungen auslöst, so dass sie größtenteils nur nervig, aber nicht weiter schlimm sind.
Auf jeden Fall wollten wir nun von außen schauen, ob wir mit Nyala-Bein als Futterangebot einen besseren Blick auf die beiden Hyänenhunde erhaschen konnten, und so verteilten wir uns an verschiedene Stellen unten und oben auf der Plattform zum Beobachten. Tatsächlich waren die Hunde sogar schon da, bis wir es uns überhaupt bequem gemacht hatten – sie mussten tatsächlich Hunger haben. Das Bein wurde auch direkt attackiert und während die Tiere sich die Bäuche vollschlugen, konnten wir sie in Ruhe begutachten. Das Weibchen, das das Halsband bekommen hatte, sah tatsächlich ziemlich gut und fit aus, aber das Männchen hatte dagegen wirklich schlimme Wunden. Man konnte sich fast nicht vorstellen, wie es das überlebt hatte – überall an Kopf und Hals gab es wunde Stellen und das Tier sah insgesamt ziemlich mitgenommen aus. Aber die Wunden schienen recht gut zu heilen und das war erstmal das wichtigste. Offensichtlich würden die beiden noch eine Weile in dem geschützten Gehege bleiben müssen, aber immerhin durften sie hier leben.


Es ist gar nicht so einfach, einen Platz für ein neues Rudel Hyänenhunde zu finden. Viele Reservate haben nicht die notwendige Ausstattung, um das vorgeschriebene Monitoring zu leisten und die passenden Zäune mit Untergrabschutz zur Verfügung zu stellen. Andere Parks hatten erst vor Kurzem Probleme mit ihren Hunden, sei es durch Ausbrüche, Fallen oder sonstige Geschichten, so dass sie nicht gewillt waren, ihr Glück gleich nochmal zu versuchen. Und in dem großen Nationalpark hier, der eigentlich genug Platz für ein weiteres Rudel haben sollte, war grade sowieso schon genug Bewegung in der Verteilung der Hyänenhunde, da sich ein neues Rudel bildete… Alles nicht so einfach…
Das Problem würden wir allerdings sowieso nicht lösen können, also genossen wir den Anblick der beiden Hunde, soweit das möglich war, und dann machten wir uns auf den Heimweg ins Camp. Nach einem gemütlichen Abend zusammen konnten wir gar nicht glauben, dass sich die erste Woche schon dem Ende zuneigte. Später lagen wir in unseren Betten und unterhielten uns noch ein bisschen über die Erlebnisse des Tages, als mal wieder ein Moskito um unsere Köpfe schwirrte – wobei, unsere ist eigentlich das falsche Wort: wie auch bei den dämlichen Zecken hatte es der Moskito absolut auf mich abgesehen und ließ Sebastian praktisch in Ruhe. Und damit war es soweit, dass ich jetzt regelmäßig deutlich mehr von dem mitgebrachten Mückenschutzmittel verwendete. Immerhin hatte ich danach genug Ruhe, um einschlafen zu können.
Lust direkt weiterzulesen? Hier geht’s zu Tag 7!


Hinterlasse eine Antwort zu Ursula Hebrank Antwort abbrechen