Nach einigen Tagen mit klaren Highlights musste es irgendwann auch wieder ruhiger werden, und so brachte uns der zehnte Tag etwas mehr Entspannung und eine vielfältige Mischung von interessanten Arten und Aktivitäten. Auch das ist einfach typisch für diese Art von Freiwilligenarbeit: man weiß nie genau, was der Tag bringt, und so sehr man sich auch etwas bestimmtes wünschen würde – in unserem Fall das Rudel endlich wieder zu sehen – der Busch ist einfach so unvorhersehbar wie eh und je. Aber das macht ja auch einen Teil der Faszination aus, wenn man sich in diese Wildnis auf das nächste Abenteuer begibt…
Immerhin gab uns das etwas mehr Zeit für andere Dinge und so werden wir uns heute etwas genauer mit dem Thema Kamerafallen beschäftigen, da diese Technik auch eine große Hilfe beim Monitoring bedrohter Arten ist und daher in einem Blog über Naturschutz in Afrika nicht fehlen sollte. Aber dazu später mehr, jetzt lasst uns erstmal in den Tag starten!
Ab in den Süden und auf die Suche
Der Morgen begann wie jeder andere, wir saßen pünktlich auf unseren Plätzen und die flotte Fahrt in Richtung Süden ging los. Es ist schon spannend, was man morgens in der Dunkelheit alles hören und sehen kann – es sind immer schon einige schattenhafte Vögel unterwegs und es kreucht und fleucht durch den Busch. Heute begrüßte uns ein Buschhase (Scrub Hare), der an der Seite der Straße gesessen hatte und durch uns aufgescheucht worden war. Wir folgten ihm eine Weile, bis er schließlich das Weite suchte und die Straße verließ.
Natürlich hielten wir trotz allem regelmäßig an, um nach den Hunden und auch nach einigen Löwen zu scannen. Wenn man schon die Zeit auf sich nimmt, bin in weiter entfernte Gegenden zu fahren, dann möchte man natürlich so viele Informationen wie möglich sammeln dabei. Ich war wieder dran mit Scannen und konnte zwar immer noch kein Signal für die Hunde bekommen, aber immerhin gelang es uns, eine der Löwinnen in der Nähe der Straße zu triangulieren. So ein Datenpunkt ist natürlich nicht so spannend wie eine echte Sichtung, aber auch diese Form von Daten ist wichtig für ein möglichst vollständiges Bild über das Verhalten der Tiere. Mit dieser Arbeit war es langsam hell geworden und wir konnten die Schönheit des Parks genießen, während wir weiterfuhren.

(© Cornelia Hebrank, 2024)

(© Sebastian Sperling, 2024)
Und wie eigentlich immer gab es auch dieses Mal einige schöne Sachen zu sehen: wir kamen an einer Büffelherde mit Kleinen vorbei, die in der Nähe der Straße grasten, und auch ein paar putzige junge Zebras kamen ganz in unsere Nähe und ließen sich anschauen. Allein diese wunderbare Ruhe und Entspannung beim Beobachten dieser Tiere ist so eine Fahrt schon wert.

So erreichten wir schließlich die Grenzstraße, die den nördlichen und südlichen Teil des Parks trennt, ohne bisher ein Signal für Mlilo zu bekommen. Nachdem wir von der Sichtung gestern gehört hatten, hatten wir uns hier eigentlich mehr erhofft und beschlossen, erstmal Pause zu machen und unser weiteres Vorgehen zu planen. Hier in der Nähe gab es aber keinen Picknick-Platz, sodass wir uns ein recht ausgetrocknetes Schlammstück suchten und dort anhielt. Das stellte sich als ein guter Platz heraus, da wir dort nicht nur Nashorn-Fußspuren anschauen konnten, sondern auch noch zwei männliche Impalas beim Kampf beobachten durften. Die beiden hatten es offensichtlich aufeinander abgesehen und kreuzten die Hörner und bellten sich gegenseitig an – bis dann einer von ihnen wieder auf uns aufmerksam wurde und einen Alarmruf ausstieß. Aber nur Sekunden später waren wir wieder vergessen und der Kampf ging weiter, bis der andere uns bemerkte und anstarrte. So wechselte das ein paar Mal hin und her, während wir die beiden beobachteten und uns darüber amüsierten, dass sie sich nicht zwischen Kampf und Alarm entscheiden konnten.
Praktisch direkt nach der Pause trafen wir dann auf ein Giraffen-Männchen, das an uns genauso viel Interesse hatten wie wir an ihm. Er war direkt neben dem Weg am Fressen gewesen und als wir anhielten, wollte er genauer wissen, was wir da trieben. Er kam also zu uns heranstolziert und betrachtete uns von oben herab mit gemäßigtem Interesse. Dabei schien er sich fast von seiner schönsten Seite zeigen zu wollen, sodass wir ihn gerne noch eine Weile ansahen.

Nachdem er dann wieder in die Büsche gelaufen war, fuhren wir weiter und suchten die Gegenden etwas ferner der Hauptstraße ab. Und siehe da – wir waren erfolgreich! Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit bekam ich ein Signal für Mlilo und damit war die Suche so richtig gestartet. Auf dem Weg in Richtung Signal kamen wir an einigen Vögeln vorbei, einem prachtvollen Weißstirnspint (White-fronted Bee-eater) und einigen nicht näher bestimmten Schwalben über uns, bevor wir doch nochmal anhalten mussten: am Wegrand schlug sich eine Pantherschildkröte (Leopard Tortoise) durchs hohe Gras. Wie ihr englischer Name schon verrät, hat sie ein sehr geflecktes Muster auf Panzer und kann sich damit in der Buschlandschaft auch recht gut verstecken. Mit dem Namen gehört sie auch zu den „Small Five“, fünf kleinen Tieren, die in ihren Namen diese der besser bekannten „Big Five“ abbilden.

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Aber zurück zu unserer Suche: die Hyänenhunde hatten sich offensichtlich in einem der Täler in dieser Region des Parks versteckt. Mit viel Mühe konnten wir bestimmen, in welchem Tal die Tiere vermutlich grade rasteten, aber nachdem es keine Wege hinein gab und um diese schon recht fortgeschrittene Uhrzeit unwahrscheinlich war, dass sie sich jetzt noch aufmachen würden und weiter laufen, konnten wir aktuell nicht mehr viel tun. Wir markierten also die Stelle und mussten uns dann leider immer noch unverrichteter Dinge auf den Rückweg machen.
Bitte lächeln!
Ganz so schnell war unser Vormittag aber dann doch nicht vorbei. Wir nutzten die Chance vielmehr dazu, auf dem Weg ins Camp noch einige Kamerafallen zu kontrollieren. Kamerafallen, auch als Wildkameras bekannt, sind kleine Kästen mit einer Kamera und einem Bewegungsmelder, der erstere auslöst. Für die Monitoring-Arbeit in großen Flächen (und bei weitem nicht nur in Afrika) ist das eine oft genutzte Technik, um besonders auch scheuere Tiere nachweisen zu können. Durch die direkte Sichtung lassen sich natürlich deutlich mehr Daten sammeln als durch ein einzelnes Bild, aber gerade scheue und nachtaktive Arten sind dabei schwer zu finden.
Diese Kamerafallen werden also möglichst verteilt über das Reservat oder das relevante Gebiet angebracht, wofür man entweder bereits vorhandene Bäume nutzt oder extra entsprechende Pfosten anbringt. Natürlich müssen die Orte auch passend gewählt werden: am besten eignen sich Game Trails, also Wildpfade, auf denen offensichtlich regelmäßig reger Verkehr an Vierbeinern herrscht, oder auch Wasserstellen, an die viele Tiere zum Trinken kommen. Zusätzlich können die Kameras noch spezifisch für eine besonders interessante Art aufgestellt werden, beispielsweise in der Nähe von bekannten Nashorn-middens, an denen die Tiere regelmäßig ihren Dung hinterlassen, oder an bestimmten Baumformationen, die Großkatzen gerne zum Schärfen ihrer Krallen oder als Ausguck nutzen.
Wildlife ACT hat in den Reservaten entsprechend jeweils einige Kamerafallen aufgestellt, die größtenteils zum Sammeln von zusätzlichen Monitoring-Daten genutzt werden. Zusätzlich gibt es aber auch spezielle Studien, wie das große Leoparden-Monitoring-Projekt von Panthera (mehr Infos hier), bei dem man zu bestimmten Zeiten im Jahr sogar explizit aushelfen kann, wenn man als Freiwillige zu Wildlife ACT geht (mehr Info dazu auf ihrer Website). Und was macht man dabei dann? Nun ja, die Arbeit mit Kamerafallen teilt sich effektiv in zwei Bereiche auf: das Aufstellen und Warten der Kameras und das Auswerten der Bilder.

An diesem Vormittag waren wir erstmal mit ersterem beschäftigt. Um zu funktionieren, braucht so eine Kamerafalle zwei Sachen: Batterien und eine Speicherkarte, auf der Platz für neue Bilder ist. Wie man sich jetzt leicht vorstellen kann, halten beide Dinge nicht unendlich. Also fährt man alle paar Woche bei den Standorten vorbei, tauscht die Akkus gegen frisch aufgeladene aus, und nimmt die SD-Karte mit den Bildern mit, im Tausch gegen eine leere. An sich sind das nur ein paar Handgriffe, die man schnell gelernt hat, aber das ganze kann schnell interessant werden – da steht man dann zu Fuß einige Meter vom Fahrzeug entfernt und sieht Fußabdrücke von Löwen und Hyänen, und schaut sich unsicher um… Zum Glück waren die Spuren aber schon alt und auch an der anderen Stelle lauerte nur eine Impala-Herde auf uns, die sich erstmal außer Reichweite in Sicherheit brachte, bevor sie uns neugierig beim Öffnen des Kamera-Kastens beobachtete.
Als wir schließlich alle relevanten Kameras besucht hatten, fuhren wir das letzte Stück ins Camp zurück und machten erstmal eine kurze Essenspause. Wir hatten es uns grade auf dem Sofa im Camp bequem gemacht, als uns auffiel, dass wir gar nicht alleine waren – zwei Zebras hatten sich einfach hereingeschlichen und grasten nun friedlich mitten im Camp! Das machte die Atmosphäre natürlich nur noch besser und wir genossen unsere Pause mit dem gemütlichen Rupfen von Gras im Hintergrund erst recht.

Es stellte sich sogar heraus, dass die beiden gar nicht scheu waren. Man konnte in ein paar wenigen Metern Entfernung an ihnen vorbeigehen, ohne dass das sie aufscheuchte. Wenn man sich dann doch mal etwas zu sehr näherte, dann machten sie zwei Schritte und ließen sich nicht weiter stören. Wir verbrachten also noch etwas Zeit mit unseren Besuchern, aber dann waren wir doch zu neugierig und wollten die mitgebrachten Speicherkarten aus den Kamerafallen anschauen gehen.
Die Auswertung ist hierbei nochmal ein ganz eigener Prozess: zu jeder Karte müssen der Ort der Kamerafalle und die Daten des Wechsels von Akkus und SD-Karten festgehalten werden. Und die oft sehr lustigen und spannenden Bilder müssen dann aussortiert werden. Dabei kann es vorkommen, dass die Vegetation in der Nähe der Kamera den Sensor ausgelöst hat und zum Teil nichts Interessantes zu sehen ist, dann werden diese Bilder gelöscht. Oder aber es ist ein Tier zu sehen, das sehr häufig im Park vorkommt, wie ein Impala oder Nyala, und das nicht weiter untersucht wird. Dann ist noch relevant, ob es ein lustiges Bild ist (die sammelt man nämlich gerne), und wenn nicht, dann werden auch diese Bilder gelöscht. Handelt es sich bei dem Tier auf dem Foto aber um eine der relevanten Priority Species, dann kommt das Bild in einen besonderen Ordner und wird mit allen möglichen Informationen getaggt: welche Art, welches Alter und Geschlecht, welche Seite des Tieres ist zu sehen? Natürlich können wir nicht immer alles davon sicher bestimmen, und dann lässt man den jeweiligen Punkt offen, aber grade das generelle Aussortieren nimmt viel Zeit in Anspruch und da ist es schon sehr hilfreich, wenn Freiwillige hier unterstützen können. Und mal ehrlich, wenn man dann so schöne Bilder zu sehen bekommt, dann ist es die Mühe ja auch wert!


Noch mehr Elefanten statt Hunde
Damit wurde die Mittagspause dann allerdings wieder etwas kürzer als eigentlich geplant, weil wir vermutlich die Hälfte der Zeit am Arbeiten waren. Immerhin kamen dabei einige tolle Bilder raus, also fanden wir das nicht weiter schlimm. Wir waren also rechtzeitig und freudig wieder bereit für die zweite Fahrt des Tages, auch wenn wir schon wussten, dass wir nicht genug Zeit haben würden, um nochmal bis zu den Hyänenhunden in den Süden zu fahren. Stattdessen war der Plan, auf die Suche nach dem nördlichsten Löwenrudel zu gehen, das wir bereits an Tag 3 gesehen hatten.
Zunächst trafen wir aber auf ein Pärchen von Haubenbartvögeln (Crested Francolins) mit ihren Küken, die sich bei unserem Anblick erst hinter ihren Eltern versteckten und dann doch lieber im Busch verschwanden. Leider ist es bei solchen kurzen Sichtungen immer schwierig, gute Bilder zu bekommen, aber das soll ja auch nicht das Ziel eines solchen Aufenthalts sein und das den-Moment-erleben ist da einfach wichtiger. Jedenfalls war es ein wirklich niedlicher Anblick, die kleine Familie in den Busch huschen zu sehen, bevor wir wenig später auf eine deutlich größere Familie trafen.
Wir hatten ja gestern bereits echtes Glück mit Elefanten gehabt, aber nun wollten wir nochmals genauere Daten sammeln, wenn möglich. Einige der Elefantendamen im Nationalpark haben ähnlich wie die Hyänenhunde auch Halsbänder mit Sendern – diese Halsbänder sind natürlich deutlich größer und geben auch ein deutlich stärkeres Signal ab, aber so ein Elefant sollte auch von weiter weg zu erkennen sein als ein Hund. Wir sahen uns die nächste Herde von etwa 30 Individuen also genauer an: das Alter eines Elefanten kann man am besten an seiner Größe festmachen, zumindest wenn mindestens ein ausgewachsenes Tier in der Nähe steht. Hier gibt es dann drei Kategorien von juvenil, also noch ein Baby, über subadulte Teenager bis hin zu den adulten Mitgliedern der Herde. Das Geschlecht lässt sich deutlich schlechter bestimmen, wenn man wie so typisch nur die obere Hälfte des Tieres sieht. Generell besteht die Herde an sich aus ausgewachsenen Weibchen und deren Kindern, sodass meistens einige subadulte Männchen dabei sind, aber ausgewachsene Bullen findet man eher am Rand der Herde. Ein weiteres Indiz ist die Kopfform des Tieres: Elefantenkühe haben einen rechteckigeren Kopf, der ab der Stirn recht steil abfällt, während Bullen eine abgerundete Stirn besitzen. So waren wir dank der Büsche, die die Sicht einschränkten, ganz schön beschäftigt mit Zählen. Aber immerhin konnten wir die Dame mit dem Halsband mal genauer anschauen, was sehr interessant war, und hatten damit auch die ID der Herde sicher.


Auf unserem weiteren Weg wurden wir plötzlich durch einen Ruf erschreckt, der fast wie ein abgehaktes „Help!“ klang. Wir sahen uns entgeistert um, bis sich bei den weiteren Rufen feststellen ließ, dass es sich tatsächlich nicht um andere Menschen, sondern um Paviane handelte! Diese saßen in einem Baum ein ganzes Stück von der Straße entfernt und hatten wohl gerade eine Gefahr ausgemacht, vor der sie sich gegenseitig warnten. Die Klänge des Buschs sind auf jeden Fall immer wieder interessant!
Ein Stück weiter kamen wir an einer noch größeren Elefantenherde von fast 50 Tieren vorbei, bei denen sich nach unserer Telemetrie sogar zwei Individuen mit Halsband befanden. Es kommt schon immer wieder vor, dass Elefantenherden sich zeitweise zusammentun, und bei der hohen Zahl von Elefanten in diesem Park ist es wirklich keine Seltenheit. Nach einer weiteren Zählaktion ließen wir die Tiere weiter friedlich durch die Büsche stapfen und machten als nächstes bei einem Baum mit drei sitzenden Weißrückengeiern (White-backed Vultures) Halt. Da zwei davon noch nicht ausgewachsen waren, war es umso wichtiger, den Punkt der Sichtung und den betroffenen Baum zu markieren, auch wenn er unserer Monitorin bereits bekannt war.

Als Abschluss machten wir uns wieder zum täglichen Boma Check auf, wurden aber auf dem Weg nochmals abgelenkt. Erst trafen wir auf eine Nashorn-Mutter mit mittelgroßem Kind, dann wenig später nochmals auf eine kleine Gruppe von Nashörnern, bevor wir direkt vor der Abzweigung zum Auswilderungsgehege drei Nashörner in einer Reihe liegen sahen – als hätten sie es sich als gemeinsame Übernachtungsparty bequem gemacht. Mittlerweile konnte man die Ergebnisse der Enthornungsaktion deutlich sehen, wir kamen praktisch nur noch an enthornten Tieren vorbei und waren froh, dass es für die Wilderer nichts mehr zu holen gab (mehr zu der Aktion an Tag 4 und auch gestern, falls ihr das noch nicht gelesen haben solltet).


(© Cornelia Hebrank, 2024)
Bei der Boma angekommen war es dann allerdings zu dunkel, um außer dem Zaun noch viel zu erkennen, sodass wir eine schnelle Kontrollrunde machten und dann den Rückweg antraten. Dabei fanden wir in der Dunkelheit noch eine recht seltene Schönheit: eine Pfeifnachtschwalbe (Fiery-necked Nightjar) hatte sich auf dem Weg niedergelassen und blieb trotz unseres Scheinwerferlichts noch einen Moment sitzen, sodass wir sie in Ruhe betrachten konnten. Diese Nachtschwalben sind einfach sehr hübsche Vögel…
Nachdem sie den Weg dann doch noch freigegeben hatte, schafften wir es auch wieder zurück ins Camp und machten uns noch einen etwas ruhigeren Abend, nachdem uns klar war, dass wir morgen wieder einen langen Vormittag vor uns hatten – wir mussten schließlich endlich die Hunde wieder finden!
Lust direkt weiterzulesen? Hier geht’s zu Tag 11!


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