Nachdem meine letzte Reise so gut angekommen ist, möchte ich euch auf eine weitere meiner Reisen mitnehmen – sie ist schon etwas länger her, war aber ähnlich Naturschutz-fokussiert und deutlich näher an meiner Heimat… Vor kurzem waren wir ja mal für ein Wochenende im deutschen Wolfcenter unterwegs und haben uns einen schönen Abend unter Wölfen dazu gegönnt. Da hatte ich schon kurz erwähnt, dass man nicht nur Tagesausflüge dorthin unternehmen kann, sondern auch Workshops zu allen möglichen Themen rund um Wölfe angeboten werden.

Vor etwa zweieinhalb Jahren war ich ähnlich wie Anfang diesen Jahres auch schonmal am Überlegen, wie ich wieder mehr in meine alten Themen rund um den Naturschutz zurückfinden kann. Eine meiner ersten Ideen damals war, mal wieder nach dem Wolfcenter zu schauen, das ich ja schon von früher kannte – und beim Stöbern auf deren Webseite stieß ich dann auf den „Workshop Wolf“, der als 12-tägiges Seminar rund um den Wolf in Deutschland und Europa angeboten wurde…

Einer der weißen Wölfe steht mit neugierigem Blick am Zaun (© Cornelia Hebrank, 2023)
Auch die Wölfe sind schon ganz interessiert, was wir da treiben (© Cornelia Hebrank, 2023)

Ein 12-tägiger Workshop?

Auf den ersten Blick klingt das vermutlich ziemlich lange und man mag sich fragen, was man in der Zeit denn alles tun soll – für eine reine theoretische Schulung wäre das schon etwas übertrieben. Ich wühlte mich also durch die ausführliche Beschreibung und die zusätzlichen Informationen und bekam damit schnell ein deutlich besseres Bild: es ging um zwei einzelne Wochen, eine im Wolfcenter in Deutschland und eine zweite in einer Wolfsmonitoring-Region in der Slowakei.

In der ersten Woche sollte es um die Hintergründe gehen: was ist der aktuelle Stand von Wölfen und Wolfsschutz in Europa, mit Fokus auf Deutschland? Wie sieht die gesetzliche Lage aus und wie steht es mit der Jagd? Wie erforscht man Wölfe und was sollte man über diese tollen Tiere wissen? Zusätzlich zu der Theorie hinter diesen Fragen würde es auch immer wieder an die Gehege gehen, sodass man das Gelernte gleich mit dem Beobachten am lebenden Objekt festigen konnte. Außerdem stand eine Einführung in das Spurenlesen auf dem Plan, das man dann in der Slowakei vertiefen würde.

Für die zweite Woche traf man sich dann schon direkt in der Slowakei, in der Gegend um Liptovsky, um dort an der Grenze der umliegenden Nationalparks um die Tatra-Berge beim Wolfsmonitoring mitzuhelfen. Dort gibt es schon seit einigen Jahren ein Projekt, in dem die Bestände dieser geschützten Regionen beobachtet und gezählt werden, um zum einen die Jagd zu planen und deren Auswirkungen abschätzen zu können. Da man Wölfe selten direkt zu Gesicht bekommt, findet das Monitoring vor Allem durch das Auffinden von Spuren und Losung statt, weswegen das Spurenlesen ein Teil des Workshops sein sollte. Der Plan für diese Woche war also, jeden Tag durch den Schnee zu wandern und nach Wolfsspuren zu suchen, um dann abends noch mehr über die Region und deren Natur zu lernen.

Je mehr ich darüber lernte, desto mehr Lust hatte ich, diesen Workshop mitzumachen. Andererseits machte ich mir auch etwas Sorgen, ob ich das wirklich schaffen würde – für den Teil in der Slowakei waren durchaus längere Wanderungen angesagt, und das im Schnee, sodass da schon eine gewisse Kondition vorausgesetzt wurde. Auch die Anreise stellte ich mir gar nicht so einfach vor, da man doch recht weit mit dem Zug durch die Gegend fahren musste. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich mich von solchen Dingen abhalten lassen würde – ich tendiere auch immer dazu, mich eher darüber zu ärgern, dass ich etwas nicht versucht habe, als andersrum – und so meldete ich mich an.

Wenig später bekam ich eine freudige Bestätigung meiner Anmeldung und blockte mir zumindest schonmal die beiden Wochen und entsprechende An- bzw. Abreisetage. Da war es aber noch lange hin bis Dezember, also hielt ich anschließend erstmal die Füße still und freute mich auf das Abenteuer. Im Herbst kam aber leider eine deutlich weniger positive Nachricht: es sah nicht so aus, als würden genügend Teilnehmer zusammenkommen und sie waren nicht sicher, ob der Workshop stattfinden würde…

Auf den zweiten Versuch

Das war natürlich eine traurige Nachricht, vor Allem, wenn man sich sowieso erstmal zu einer Anmeldung durchringen musste, aber am Ende hatte ich die Wochen dann stattdessen für meinen Umzug zur Verfügung und es ging für mich auch so gut aus. Im nächsten Frühjahr kam dann eine Nachfrage, ob ich denn noch Interesse hätte – sie wollten es nochmal versuchen mit dem Workshop und ihn dieses Mal auch anders bewerben. Ich sagte natürlich ja, blockierte mir wieder die Wochen und wartete ein weiteres Jahr ab.

Vor etwas mehr als einem Jahr war es dann so weit und ich bekam die ersehnte Mail: der Workshop findet statt, es sind genug Anmeldungen! Damit hatte ich schon fast nicht mehr gerechnet, aber umso erfreuter war ich über diese gute Nachricht. Also kümmerte ich mich direkt um meine Anreise nach Dörverden – das Zimmer hatte ich schon direkt mit dem Kurs im Wolfcenter gebucht – und beschäftigte mich noch etwas mehr mit dem Thema Slowakei.

Blick auf die Berge mit einer verschneiten Fläsche im Vordergrund (© Cornelia Hebrank, 2024)
Schonmal ein Vorgeschmack auf die wunderschönen Landschaften der Slowakei
(© Cornelia Hebrank, 2024)

Tatsächlich ging dann alles ziemlich schnell: es wurde immer kälter draußen und wir hatten das Glück, dass in der geplanten frühen Dezemberwoche in Teilen Deutschlands sogar schon Schnee lag. Das machte das Zugfahren leider noch spannender, aber als der Tag schließlich da war und ich mich auf den Weg machte, klappte die Anreise doch recht ordentlich. Wir sammelten zwar die unvermeidliche Verspätung ein, aber als ich zumindest schonmal in Hannover angekommen war und der Regionalzug nicht ausfallen sollte, war ich doch ganz zufrieden mit dem Tag.

Da es allerdings etwas später wurde als ursprünglich geplant, rief ich mal wegen meinem Zimmer an und bekam dabei sogar einen Abholservice angeboten, da ich den Bus nun definitiv verpassen würde. Den nahm ich natürlich dankend an, und so lernte ich gleich mal den Besitzer der Alpakas, Lorenzo, kennen. Er holte mich am Bahnhof ab und so durfte ich das letzte Stück zum leider etwas unpraktisch gelegenen Gelände des Wolfcenters mitfahren, was mir den Abend deutlich vereinfachte – besonders in der Kälte!

Als ich dann aber wenig später in meinem Zimmer angekommen war und es mir mit der Heizung und der Bettdecke bequem machen konnte, ging die Vorfreude so richtig los. Direkt vor meinem hinteren Fenster hatte nämlich ein Heulen eingesetzt, das mir unter die Haut ging und mich willkommen hieß. Und auch wenn es kein heißes Wasser mehr für einen Tee zum Aufwärmen gab, so war das mit der Atmosphäre schnell vergessen. Mit ein paar letzten Seiten meines spannenden Buchs und den Wölfen im Hintergrund ließ ich den Abend noch ausklingen, bevor der Workshop am nächsten Tag so richtig startete…

Die Inhalte des Workshops

Wie meistens bei dieser Art von – kann man es überhaupt so nennen? – Urlaub musste man auch hier früh aufstehen und hatte ein volles Tagesprogramm. Aber vermutlich kennt ihr meine Einstellung zu dem Thema schon: dazu ist man ja da. Und auch hier muss ich feststellen, dass man gleich etwas wacher wird, wenn man beim Zähneputzen von heulenden Wölfen begleitet wird.

Wenig später stiefelte ich dann durch die dünne Schicht Schnee zum Haupteingang des Wolfcenters, wo ich die ersten meiner Workshop-Kolleginnen kennenlernen durfte. Wir waren eine recht kleine Gruppe von weniger als zehn Leuten, sodass wir umso mehr miteinander in den Austausch gehen konnten. Während wir nach und nach im Tagungsraum eintrafen und uns erstmal mit Kaffee und Tee versorgten, stellten wir fest, dass wir fast alle einen Tier-nahen Hintergrund hatten – zwei der Teilnehmerinnen waren sogar direkt hier im Wolfcenter angestellt. Auf jeden Fall war die Atmosphäre direkt schon sehr nett und wir freuten uns auf die kommenden Tage.

Blick auf den Haupteingang des Wolfcenters im Schnee (© Cornelia Hebrank, 2023)
Da kommt Vorfreude auf – gleich gehts los! (© Cornelia Hebrank, 2023)

Als nächstes stellten sich unsere beiden Leiter vor: Frank, der Gründer des Wolfcenters, würde hier in Deutschland den größeren Teil übernehmen, und uns als Jäger und Wolfsberater in die relevanten Themen einführen, während Jörn, ein Reiseleiter für Erlebnistouren, uns das Spurenlesen und später dann auch die Slowakei näherbringen würde. Die beiden hatten sich bei einem Tracking von Wölfen in Russland kennengelernt und danach gemeinsam diesen Workshop ins Leben gerufen.

Für diese erste Woche durften wir uns auch direkt auf ein ausgiebiges Programm freuen: wir würden mehr über das Verhalten von Wölfen lernen und selbst eine kleine Ethogramm-basierte Studie der Gehegewölfe durchführen, über die Tage immer mehr Spurenlesen lernen, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis im Schnee draußen und viele spannende Themen rund um Konflikte mit und Schutz von Wölfen abhandeln. Zusätzlich waren eine Rissanalyse an einem echten Wildtier, ein Besuch bei einem regionalen Schäfer zum Thema Herdenschutz und auch ein direktes Kennenlernen mit den Wölfen geplant. Lauter interessante Themen also, und so war ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, als ich mich mit lecker vorbereiteten Brotschnitten und heißem Tee an meinem Platz zum Mitschreiben bereit machte…

Blick über die Felder kurz vor Sonnenuntergang mit Resten von Schnee (© Cornelia Hebrank, 2023)
Noch ein letzter kleiner Vorgeschmack auf die kommende Woche – auch die Gegend um Dörverden kann sich von ihrer besten Seite zeigen… (© Cornelia Hebrank, 2023)

Ja, so ging mein letztes Wolfsabenteuer los. Die Woche war tatsächlich anstrengender als ich erwartet hatte, aber mindestens genauso spannend wie ich gehofft hatte. Viel mehr will ich aber noch gar nicht verraten, lieber nehme ich euch dann direkt mit durch die verschiedenen Themen und hoffe, dass ihr genauso neugierig darauf seid, wie ich es damals war. Für diese Erzählung werde ich nicht ganz so ins Detail gehen wie bei meinem Afrika-Abenteuer, aber ihr dürft euch trotzdem auf viel spannendes Wissen rund um Wölfe freuen. Und da ich eure Anmerkungen mitbekommen habe, werden die einzelnen Tage auch deutlich kürzer sein als bei der Afrika-Reiseerzählung – aber hoffentlich nicht weniger interessant. Insofern: bis nächste Woche!


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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