Damit meine Afrika-Fans während der Serie zu dem Wolfsworkshop nicht zu kurz kommen, gibt es heute mal wieder einen kleinen Exkurs in den sonnigen Süden. Nachdem wir uns schon eine Übersicht spannender bedrohter Arten angeschaut haben, starten wir diese Woche direkt mit der ersten durch: den Hyänenhunden – ihr kennt sie bestimmt schon aus meinem Afrika-Abenteuer

Durch den deutschen Namen werden Hyänenhunde häufig auf den ersten Blick als „ach ja, eine Hyäne“ abgetan. Dabei sind sie biologisch gesehen Teil der Wolfsfamilie und näher mit unseren Wölfen und Schakalen verwandt als mit den eigentlichen Hyänen. Die Verwechslungsgefahr mit den Hyänen kommt vermutlich vor Allem aus der typischen farblichen Anpassung von Raubtieren im afrikanischen Ökosystem – braun mit schwarzen Flecken – aber da enden dann die Gemeinsamkeiten auch schon wieder.

Ein junger Hyänenhund steht am Wegrand und schaut neugierig (© Cornelia Hebrank, 2016)
Dieser neugierige, junge Hyänenhund präsentiert seine Art in prachtvollster Form und zeigt deutlich den Unterschied zu einer Hyäne (© Cornelia Hebrank, 2016)

Wenn man sie in Ruhe anschaut, dann können sie mit ihren dreifarbigen Flecken und den großen Ohren auch ein sehr putziges Bild abgeben – und dann versteht man auch einen ihrer englischen Namen, Painted Wolf, besser. Aber nicht nur ihr Aussehen macht diese Tiere besonders, sondern auch ihr soziales Verhalten und ihr faszinierender Jagderfolg im Vergleich zu anderen Jägern. Also lasst uns doch gemeinsam etwas genauer hinschauen, wer diese Hyänenhunde wirklich sind…

Lebensweise der Hyänenhunde

Fangen wir doch direkt mal damit an, wie so ein Hyänenhund seinen Tag verbringt. Viel davon konnte ich ja bei meinen Reisen schon selber erleben. An einem typischen Tag im afrikanischen Winter wacht das Rudel morgens so um den Sonnenaufgang auf und dann wird erstmal aneinander geschnuppert und miteinander gespielt, bis alle Tiere wach und in Bewegung sind. Dieses frühe Aufwachen ist ein besonderes Schauspiel, das wirklich schön zu beobachten ist, da man dabei so richtig sieht, wie nahe sich die Rudelmitglieder stehen.

Sind dann mal alle am Rumlaufen, zieht das Rudel typischerweise los und macht sich auf die Suche nach Beute. Wie häufig die Hyänenhunde jagen müssen, hängt etwas von der Größe des Rudels ab – je mehr Mäuler es zu stopfen gilt, desto häufiger wird Beute gemacht. Ganz direkt ist dieser Zusammenhang aber nicht, da die Rudel kooperativ jagen und meist mittelgroße Antilopen (Impala und Nyala) erlegen, aber als große Gruppe durchaus auch mal ein Gnu, einen Eland oder sogar ein Zebra erwischen können. Aber in typischen Rudeln von 5-10 Tieren wird nach meiner Erfahrung oft täglich oder spätestens jeden zweiten Tag gefuttert.

Unser imaginäres Rudel macht sich also auf die Suche nach Beute. Sie haben aber gestern schon gefressen und sind daher recht entspannt bei der Sache – das erkennt man daran, dass sie zwar immer wieder durch den Busch laufen und Beutetiere aufscheuchen, aber diese dann nur ein Stück weit treiben, bevor die Jagd wieder abgebrochen wird. Mit noch teilweise gefüllten Bäuchen ist die Not nicht groß genug, um suboptimale Jagdbedingungen wirklich nutzen zu müssen.

Ein Rudel liegt gemütlich herum, während im Hintergrund ein Gnu schaut (© Cornelia Hebrank, 2016)
Mit vollem Magen kann man auch ganz gelassen bleiben, wenn Beute vorbeikommt. Auch der Gnu merkt, dass hier grade keine wirkliche Gefahr besteht (© Cornelia Hebrank, 2016).

Also wandert das Rudel weiter, generell gerne kreuz und quer durch sein Gebiet (home range), das bis zu 1500 km2 groß sein kann. Typischerweise geht diese Phase der Aktivität bis kurz vor die Mittagsstunden, wenn es heiß wird. Dann halten auch die Hyänenhunde gerne Siesta und warten, bis es nachmittags wieder abkühlt. Dabei kann man sie oft geradezu in Haufen liegend finden – gerne kuscheln sich wenigstens zwei bis drei Tiere aneinander, ich habe aber auch schon fünf in einem Knäuel gesehen.

Fünf Hyänenhunde liegen in einem Knäuel beieinander (© Cornelia Hebrank, 2016)
Ist das nicht einfach ein putziger Hundi-Haufen? (© Cornelia Hebrank, 2016)

Später wird es langsam wieder kühler und dann werden die Tiere auch wieder fitter. Eine zweite Wanderung beginnt, und nachdem unser Rudel nun so ziemlich ausverdaut hat, wird die Jagd etwas ernster. Es ist tatsächlich selten, eine Jagd bis zum Schlagen der Beute mitverfolgen zu können, aber einmal konnte ich beobachten, wie ein Rudel einen Kudu gemeinsam vor sich hertrieb, bis sie ihn gegen den Zaun in die Enge drängen konnten. Prinzipiell sind die Hyänenhunde Hetzjäger, die kooperativ vorgehen und als Fächer rennen, um es der Beute schwerer machen, zu entkommen. Das Töten kann dann ziemlich brutal werden, da die Hunde mit ihrer Größe die Beute selten mit einem einzelnen Biss erlegen können, und daher teilweise von allen Seiten angreifen und zubeißen…

Ist die Antilope einmal erlegt, dann wird sie von den Hyänenhunden auseinandergenommen – oft laufen einzelne Rudelmitglieder mit Fleischstücken oder einem Bein im Maul auf die Seite, um in Ruhe fressen zu können. Dabei geht es auch richtig schnell und nach wenigen Minuten sind nur noch knochige Reste vorhanden. Das muss es aber auch, da das Rudel sich gegen größere Raubtiere wie Löwen oder Hyänen nicht wirklich verteidigen kann und in solchen Fällen die Beute aufgeben muss. Entsprechend meiden Hyänenhunde besonders Löwen und gehen ihnen wenn möglich großräumig aus dem Weg.

Ein Rudel Hyänenhunde mit einem schon fast aufgefressenen Beutetier am Wegrand (© Cornelia Hebrank, 2016)
Hier hatte das Rudel eine Antilope erlegt (die Reste lassen sich bei genauem Hinschauen noch erkennen) und keine zehn Minuten später knabbert nur noch einer aktiv weiter, der Rest ist schon rund und satt (© Cornelia Hebrank, 2016).

Unser imaginäres Rudel hat aber Glück – es ist niemand in der Nähe, der ihnen die Beute streitig machen will, also schlagen sie sich die Bäuche ordentlich voll und bald ist aus den Büschen auch das Knacken von Knochen zu hören… Gerade wenn noch Reste übrig sind, bleiben die Hyänenhunde gerne auch etwas länger vor Ort, und vollgefressen läuft es sich eh nicht mehr so gut… Mit dem schwindenden Tageslicht legen sich die Rudelmitglieder also wieder zur Ruhe und höchst wahrscheinlich wird man sie am nächsten Morgen immer noch in derselben Gegend finden.

So haben wir den Tagesablauf und damit den Großteil des Lebens eines Hyänenhunds schon miterlebt – aber eine Sache ist auch im Jahresablauf noch relevant. Analog zu unseren hiesigen Wölfen pflanzen sich auch Hyänenhunde einmal im Jahr fort, typischerweise im März oder April, und das Alpha-Weibchen bringt dann im Juni oder Juli einen Wurf von Welpen auf die Welt. Wie bei Wölfen gibt es dafür eine gegrabene Höhle, in der die Kleinen ihre ersten Wochen verbringen, bis sie im Alter von zwei bis drei Monaten anfangen, das Rudel zu begleiten.

Nach ein bis zwei Jahren, die die Jungtiere ihre Eltern im Rudel begleiten, wandern sie dann häufig in gleichgeschlechtigen Gruppen ab, um ein neues Rudel zu gründen. Das ist leider nicht in jedem Gebiet möglich – im Zweifel wird sonst von den Naturschutzorganisationen eingegriffen und ein Umzug oder Austausch von Tieren ermöglicht (relocation). Damit haben wir auch eine schöne Überleitung zum zweiten Teil meines Artenportraits geschaffen, in dem es mehr um den Schutz der Hyänenhunde gehen soll.

Status und Schutz der Art

Leider sind diese schönen und spannenden Tiere nämlich vom Aussterben bedroht (endangered), da sie nur noch in wenigen Gegenden ihrer ursprünglichen Verbreitung zu finden sind. Nach der aktuellsten Version der roten Liste der IUCN gibt es weltweit nur etwa 1400 ausgewachsene Tiere und auch diese Zahl nimmt weiterhin stetig ab. Diese Tiere leben in knapp 40 kleinen Populationen, die maximal etwa 250 Hyänenhunde beinhalten.

Hier zeigt sich schon eins der Probleme, vor dem viele größere Tiere heutzutage stehen: ihre Lebensräume/Habitate sind so verstreut und durch menschlich geprägte Landschaften wie Städte und Plantagen zerschnitten, dass die Hyänenhunde nicht mehr selbstständig von einem Gebiet in ein anderes wechseln können. Diese Bedrohung bezeichnet man als Habitat-Fragmentierung (habitat fragmentation) und sie ist mit die Ursache für weitere Schwierigkeiten.

Wenn sich überall um die Schutzgebiete Menschen ansiedeln und dort ihr Vieh und ihre Haustiere halten, dann kommen auch die Hyänenhunde vermehrt in Kontakt mit diesen anderen Tieren. Hierbei kann es zu Konflikten kommen, wenn ein Rudel doch auch mal Vieh jagt, oder die Hyänenhunde können von den Haushunden Krankheiten übertragen bekommen. Durch die enge Rudelstruktur ist letzteres besonders kritisch, da Krankheiten schnell das ganze Rudel betreffen und im Zweifel auch auslöschen können.

Ein Rudel Hyänenhunde am Zaun des Schutzgebietes (© Cornelia Hebrank, 2016)
In vielen Schutzgebieten sind die Hyänenhunde oft am Zaun unterwegs – viel Trennung zum Umland bleibt hier nicht. Daher wird, wie hier mit den Steinen, oft ein Untergrabungsschutz angelegt, um den Ausbruch zu erschweren. (© Cornelia Hebrank, 2016)

Aber auch der Konflikt mit dem Menschen an sich ist nicht zu unterschätzen. In vielen ländlichen Gegenden sind die Hunde verhasst, was zum Teil auch an Aberglauben liegen mag, und wenn ein Rudel aus einem eingezäunten Schutzgebiet ausbricht, dann muss es zum eigenen Schutz schnell wieder eingefangen werden…

Ein weiteres großes Problem mit den Menschen ist deren Verlangen nach „Buschfleisch“ (bush meat). Damit bezeichnet man wild gefangene Tiere, meist Antilopen, die von der Bevölkerung entweder selber gegessen oder weiterverkauft werden. Da eine Jagd in den Schutzgebieten nicht erlaubt ist, gibt es häufig Wilderer, die durch den Zaun einsteigen und Fallen auslegen, um diese Tage später wieder zu kontrollieren. Solche Fallen bestehen meist aus einfachem Draht, der als eine Schlinge gelegt ist, die sich dann um das zu fangende Tier zusammenzieht. Diese Fallen sind entsprechend sehr billig und es stört die Wilderer nicht, wenn manche davon gefunden werden – aber sie sind gleichzeitig auch extrem brutal. Wenn sich ein Tier mit einer solchen Schlinge losreißt, dann zieht sich der Draht oft so fest, dass es trotzdem langsam und schmerzvoll daran verendet. Ich habe schon selbst ein Zebra gesehen, bei dem sich der Draht so weit in den Hals geschnitten hatte, dass es erschossen werden musste, und kenne Geschichten von Hyänenhunden, die dadurch ein Bein verloren haben…

Leider machen nicht nur Menschen diesen Tieren das Leben schwer, sondern auch andere Raubtiere lassen sie nicht wirklich in Ruhe. Wie vorhin schon erwähnt, gibt es größere Beutegreifer, die gerne mal ein erlegtes Beutetier für sich haben wollen – besonders die Tüpfelhyänen, die in Clans unterwegs sind, verjagen oft kleinere Jäger. Löwen sind aber auch noch zusätzlich während der Welpenaufzucht gefährlich, da sie die Jungen der Hyänenhunde fressen, wenn sie deren Wurfhöhle finden. Dieser Konkurrenzdruck (competition and predation) unter afrikanischen Raubtieren führt dazu, dass Hyänenhunde in einer sehr geringen Dichte vorkommen, was sie wiederum anfälliger dafür macht, durch Krankheiten oder Katastrophen in einer Gegend komplett auszusterben.

Ihr könnt euch mit diesen Infos bestimmt vorstellen, dass es nicht leicht ist, Hyänenhunde dauerhaft und sicher zu schützen. Daher gibt es mittlerweile in allen Schutzgebieten genau ausgearbeitete Managementpläne für die Art, die eben auch das tägliche Monitoring der Tiere vorsehen, das Organisationen wie Wildlife ACT durchführen. Dieses Vorgehen ist natürlich extrem aufwändig und teuer, besonders wenn es um Tierarzteinsätze geht, um verletzte Tiere zu betreuen oder Halsbänder mit Sendern anzulegen.

Ein Hyänenhund mit Halsbald (© Cornelia Hebrank, 2013)
Halsbänder wie bei diesem Hyänenhund dienen zum einen dem leichteren Monitoring der Tiere, aber mittlerweile gibt es auch welche, die extra Metallbolzen besitzen, um Drahtfallen festzuhalten, damit diese am Halsband zu liegen kommen und nicht in den Hals einschneiden können. Traurig, dass man sowas braucht… (© Cornelia Hebrank, 2013)

Aber immerhin zeigt es Ergebnisse, und auch wenn die Zahlen jedes Jahr schwanken, so lässt sich doch wenigstens in Südafrika ein leichter Anstieg in der Zahl der Hyänenhunde verzeichnen. Hoffentlich lässt sich diese Tendenz in Zukunft noch weiter steigern, bis es irgendwann wieder typisch ist, auf Safari auch diesen Wölfen Afrikas zu begegnen.


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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