Auch heute gibt es wieder einen kurzen Abstecher in die afrikanische Wildnis – an sich passt das Thema auch gut zu der ganzen Thematik unserer einheimischen großen Beutegreifer: der Löwe erfüllt in Afrika nämliche eine ganz ähnliche Position im Ökosystem. Also begleitet mich nochmal in die afrikanische Hitze, bevor es nächste Woche in die eisigen Kälte der Slowakei geht…

Wenn ich mit dieser Art anfange, dann werden wohl viele Leute sagen – Löwen? Die kennt doch jeder! Und klar, als ikonische Art, die man schon in Kinderfilmen als „Könige der Tiere“ kennenlernt und in praktisch jedem Zoo des Landes antreffen wird, haben die meisten Menschen hier ein Bild davon, was ein Löwe ist. Aber wie viel wisst ihr über diese imposanten Tiere wirklich?

Fangen wir doch mal mit einer Kleinigkeit an, die häufig übersehen wird und nicht jedem bekannt ist: wie sehen eigentlich die Ohren eines Löwen von hinten aus? Habt ihr da schonmal den schwarzen Streifen gesehen, der sich von der sonstigen Farbe der Tiere klar absetzt?

Löwin von hinten (© Sebastian Sperling, 2024)
Eine junge Löwin präsentiert sehr hübsch ihre Ohren von hinten (© Sebastian Sperling, 2024)

Wer meinen Eintrag zum Besuch im afrikanischen Katzenschutzprojekt gelesen hat, der kennt das Thema schon von den kleineren Katzenartigen: solche Streifen dienen der besseren Sichtbarkeit, wenn ein Rudel Löwen gemeinsam unterwegs ist. Tatsächlich leben diese Großkatzen nämlich häufig in der Steppe und dem Buschland, sodass es durchaus öfter vorkommt, dass eine Gruppe durch das hohe Gras wandert – das wirklich hoch genug werden kann, um selbst einen ausgewachsenen Löwen fast zu überragen. Da die Löwen farblich aber gut an das gelbe Gras angepasst sind, um sich beim Anschleichen besser tarnen zu können, bieten die schwarzen Ohren eine gute Möglichkeit, damit gerade auch jüngere Rudelmitglieder den Anschluss nicht verlieren.

Vom Aufwachsen bis zum eigenen Rudel

Schauen wir uns doch direkt mal diese jungen Rudelmitglieder an: die Löwenwelpen sind schließlich extrem putzige kleine Kätzchen, die ihre ersten Wochen noch recht tollpatschig damit verbringen, ihrem Rudel zu folgen. Sie sind zwar klein genug, dass sie generell von allen anderen afrikanischen Raubtieren gefressen werden können, aber das kommt eher selten vor – im Rudel findet sich eigentlich immer ein Babysitter, der nicht mit auf die Jagd muss. Entsprechend findet man die kleinen typischerweise viel beim Spielen, womit sie sich wie alle Jungtiere kräftigen und auf die spätere Jagd vorbereiten.

Tatsächlich geht eine der großen Gefahren für die jungen Welpen von ihrem eigenen Rudel aus: nämlich dann, wenn sich ihr Vater nicht gegen andere männliche Eindringlinge durchsetzen kann. Die Männchen sind bei den Löwen vor Allem für die Verteidigung ihres Territoriums da – deswegen jagen auch die Löwinnen fast immer alleine und versorgen damit die Familie – und wenn das Männchen eines Rudels besiegt wird, dann übernimmt das siegreiche neue Männchen dessen Stellung. Da die Weibchen mit Jungtieren nicht sofort für den Neuen empfänglich sind, kann es passieren, dass dieser die Welpen tötet.  Zum Glück geschieht das aber nur in der frühen Phase, während die Kleinen noch viel auf ihre Mutter angewiesen sind; größere Jungtiere können bereits in der Jagd unterstützen und werden daher normal in Ruhe gelassen.

Zwei aufeinander liegende Löwenwelpen (© Cornelia Hebrank, 2016)
Kuschelpause bei den Welpen – nur nicht alleine sein! (© Cornelia Hebrank, 2016)

Während die Welpen aufwachsen, kümmern sich ihre älteren Geschwister des Vorjahres mit um sie, da die Mütter eines Rudels oft auch die besten Jägerinnen sind. Und als Löwe ist diese Erfahrung besonders wichtig: anders als bei anderen rudellebenden Arten wie den Hyänenhunden haben Löwen schließlich nur eine 30-prozentige Erfolgsquote bei ihren Jagdversuchen. Dafür können sie mit ihrem starken Biss fast alle kleineren bis mittelgroßen Beutetiere direkt töten, wenn sie diese denn doch mal erwischt haben, und ernähren sich sonst auch gerne von der Beute anderer – bei den Hyänenhunden und den Geparden habe ich ja schon erzählt, dass sie sich vor den Löwen hüten müssen, um ihr Futter nicht zu verlieren…

Aber zurück zu unseren Welpen, die nach einigen Monaten nun zu Jungtieren herangewachsen sind, die zumindest von der Größe her kaum noch von ihren Eltern zu unterscheiden sind. Bei den Weibchen wird die Altersabschätzung recht schnell schwierig, während man bei den Männchen komplett nach der Mähne gehen kann. Die Jungen haben dabei zwar schon das typische Gesicht und die generelle Behaarung ist auch, gerade im Vergleich zu den Weibchen, erkennbar, aber von der prachtvollen Mähne eines ausgewachsenen Löwen kann hier noch keine Rede sein – die müssen sich die Jungspunde erst noch verdienen!

Nach dem Heranwachsen werden die jungen Männchen als erstes aus dem Rudel verstoßen und machen sich, oft in Brüdergruppen, auf die Suche nach einem eigenen Territorium. Dabei kommt es schonmal vor, dass die Tiere aus Schutzgebieten ausbrechen oder sonst versuchen, Abstand zu ihrem Geburtsrudel zu gewinnen. Und durch diese Gruppen lässt sich auch erklären, woher die Geschichten von Rudeln mit mehr als einem ausgewachsenen Männchen kommen: wenn sich die Brüder gut verstehen, dann können sie zu zweit oder sogar zu dritt leichter ein bestehendes Rudel übernehmen und danach gemeinsam „regieren“.

Ein Löwenrudel liegt im Gras (© Cornelia Hebrank, 2016)
Löwenrudel gibt es in verschiedenen Größen – von einer einzelnen Mutter mit ihrem Nachwuchs bis hin zu mehr als zehn Tieren… (© Cornelia Hebrank, 2016)

Und wenn man es dann mal zu seinem eigenen Rudel gebracht hat, dann darf man sich auch mal eine Pause gönnen. Wie die meisten Leute bestätigen können, die bereits an einer afrikanischen Safari teilgenommen haben, findet man Löwen sehr häufig in ruhender Form. Das liegt daran, dass sie etwa 20 Stunden am Tag ausruhen, um dann die kühleren Abend- oder Morgenstunden für eine Jagd zu nutzen – wenn dabei eine entsprechend große Beute gerissen wird, dann reicht diese auch gut für den nächsten Tag. Also eigentlich kann man die Tiere dann nicht mal wirklich als faul bezeichnen, oder? Wer arbeitet schon gerne mehr als er muss?

Ökologische Funktion, Gefährdung und Schutz

In der ökologischen Forschung sind Löwen nicht nur wegen ihrer Bekanntheit besonders interessant, sondern vor Allem weil sie starke Auswirkungen auf andere Arten haben. Und damit meine ich jetzt nicht einmal ihre Beutetiere, die bis hin zu jungen Elefanten und Giraffen reichen können. Tatsächlich haben viele andere Jäger gelernt, Abstand von Löwenrudeln zu halten, um ihre Ruhe zu haben und ihrer Beute sicher zu sein…

Bei Wildlife ACT werden diese großen Katzen auch regelmäßig beobachtet und viele wurden mit GPS-Halsbändern ausgestattet, die zusätzlich die Position der Löwenrudel automatisch melden. Die dabei gewonnenen Daten helfen nicht nur bei den nötigen Relocations, also dem Austausch von Tieren zwischen verschiedenen Schutzgebieten, oder dem Einfangen von ausgebrochenen Löwen, sondern zeigen auch spannende Muster auf. Wenn man die Bewegungen von Löwen durch ein eingezäuntes Naturschutzgebiet mit denen der Hyänenhunde vergleicht, dann fällt auf, dass die letzteren den größeren Raubkatzen aktiv aus dem Weg gehen. Kommen die Löwen beispielsweise in ein Gebiet, in dem die Hyänenhunde die letzte Nacht verbracht haben, so weichen diese direkt aus und laufen teilweise bis an das andere Ende des Parks. Schon spannend, wie die Arten so miteinander interagieren…

Löwin mit GPS-Halsband rennt über die Straße (© Cornelia Hebrank, 2013)
Fürs Monitoring bekommen die Löwen solche GPS-Halsbänder angelegt – bei ihrer Größe stören die nicht mal wirklich (© Cornelia Hebrank, 2013)

Aber selbst als größtes Raubtier Afrikas sind die Löwen nicht vor uns Menschen sicher: wie so viele andere Raubtiere haben sie mit der Verfolgung durch Bauern zu kämpfen und leiden an den stark fragmentierten Naturschutzgebieten, zwischen denen sie nicht selbstständig wechseln können. Damit ist die Zahl der Löwen so stark zurückgegangen, auch durch viele Jahre der Trophäenjagd ohne genauere Kontrolle, dass die Art heute als gefährdet gilt.

Vielleicht habt ihr ja auch schonmal von Blood Lions gehört – der gleichnamige Film, den ihr übrigens auf YouTube auch auf Deutsch schauen könnt, zeigt eindrücklich, wie schlimm die Jagdindustrie gerade bei Löwen immer noch ist. Es gibt auch heute noch private Reservate, die Löwen nur dafür aufziehen, um später die Jagdlizenzen zu verkaufen und die Tiere durch reiche Besucher abschießen zu lassen. Dabei handelt es sich um das sogenannte Canned Hunting, bei dem die Tiere absolut keine Chance haben, jemals zu entkommen, und die Jäger auch keine wirkliche Anstrengung mehr aufbringen müssen – sie werden zu „ihrem“ Löwen gefahren und können diesen „bequem“ erlegen.

Um bei diesen Unternehmungen noch mehr zu verdienen, werden die Aufzuchten häufig auch noch als Naturschutz oder gar als „für die Auswilderung bestimmt“ verkauft. Dazu bietet man normalen Touristen ein „Kuscheln mit Löwenbabys“ oder „Spaziergänge mit Jungtieren“ als besonderes Highlight an und die Leute finden es toll – oft auch, weil sie es selbst einfach nicht besser wissen!

Daher hier nochmal der explizite Hinweis, den eigentlich alle Besucher Afrikas kennen sollten: wenn man für die Auswilderung züchtet, dann sollten die Jungtiere, wenn irgendwie möglich, von ihren Müttern aufgezogen werden und möglichst wenig Kontakt zu Menschen haben. Natürlich wird in vielen sinnvollen Aufzuchten auch durch den Menschen gefüttert, aber auch das kann mit minimalem Kontakt erfolgen – zum Beispiel gibt es absperrbare Teile von Gehegen, in denen ein Kadaver ausgelegt werden kann, bevor das Tor wieder geöffnet wird. Dann kommen die Jungtiere nie in direkten Kontakt mit ihren menschlichen Betreuern und behalten somit die natürliche Scheu, die wichtig ist, um später Übergriffe auf Menschen zu vermeiden.

Wenn ihr also mal nach Afrika reisen solltet, dann lasst euch nicht von solchen Angeboten verleiten! Es gibt zwar auch Organisationen, bei denen ein paar Tiere an Menschen gewöhnt sind und für Besucherevents „genutzt“ werden, während im Hintergrund wirkliche Auswilderungen stattfinden, aber leider sind diese noch in der Unterzahl. Aber auch hier wird man als Besucher praktisch nie direkt mit Welpen zu tun haben, sondern typischerweise mit älteren Tieren, die durch Verletzungen oder andere Gründe nicht mehr ausgewildert werden können. Die wilden Löwen werden es euch jedenfalls danken, wenn ihr sie nur aus der Sicherheit eines Safari-Fahrzeuges heraus beobachtet und ihnen sonst ihre Freiheit lasst.

Ein Löwenrudel in der nachmittäglichen Sonne auf einem Hügel (© Cornelia Hebrank, 2016)
Am späten Nachmittag wird auch dieses Rudel wieder aktiver und die jüngeren Mitglieder sind schon wieder auf den Beinen, während die ältern noch ein bisschen ruhen.
(© Cornelia Hebrank, 2016)

Zum Abschluss habe ich euch aber noch einen Fakt mitgebracht, um die Stimmung wieder etwas aufzulockern: wusstet ihr schon, dass Löwen zwar eine ursprünglich afrikanische Art sind, sich aber bis nach Asien ausgebreitet haben? Vor langer Zeit gab es tatsächlich eine durchgehende Population, die sich vom kompletten afrikanischen Kontinent über Arabien bis nach Nordindien erstreckte. Mittlerweile sind die Tiere in den meisten Regionen leider ausgestorben, aber in Indien gibt es noch eine relativ kleine Restpopulation und damit sozusagen „asiatische Löwen“.


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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→ meinen Bericht über den Workshop zu Wölfen in Deutschland zu lesen,
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