Ähnlich wie die Hyänenhunde haben auch die Elefanten einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen gefunden. Ich hatte es ja im letzten Update schon kurz angeschnitten: meine erste Afrika-Reise, noch damals während meiner Studienzeit, ging in einen Elefantenpark und führte dazu, dass ich immer noch regelmäßig diesen faszinierenden Kontinent besuchen möchte.
Aber auch ohne diesen Hintergrund sind afrikanische Elefanten eine ikonische Art, die für viele ein Highlight beim Zoobesuch sind und gerne in afrikanischer Kunst auftauchen. Als Touristen und Besucher sind diese grauen Giganten ein absolutes Must-See und zum Glück haben sich ihre Zahlen nach früheren Jahren der Elfenbein-Wilderei in vielen Gegenden wieder gut erholt, sodass man sie in vielen großen Reservaten und Nationalparks finden kann. Trotzdem möchte ich euch hier wieder einmal eine Kombination aus Fakten und Geschichten zusammenstellen – ob dabei auch für euch noch etwas Neues dabei ist?
Wie lernte ich diese Tiere kennen?
Tatsächlich war schon meine erste Afrika-Reise eine Art von Volunteering, also Freiwilligenarbeit, im Rahmen meines Biologiestudiums. Ich spielte damals mit dem Gedanken, mich in die Richtung Verhaltensbiologie zu spezialisieren, und wollte mir die praktische Arbeit dazu anschauen, bevor ich meine finale Entscheidung traf. Bei der Suche nach einem passenden Praktikum stieß ich dann auf den Knysna Elephant Park,der gleichzeitig die African Elephant Research Unit beherbergte, bei deren Forschung man als Freiwillige aushelfen konnte.

Dabei muss man direkt einschränken, dass es sich bei diesem Park nicht um einen Nationalpark oder ähnliches handelt, sondern dass die dort gehaltenen Elefanten sozialisiert und trainiert werden. Diese Tiere kamen alle aus Wilderei-Episoden, bei denen sie den Rest ihrer eigentlichen Herde verloren hatten. Um sie vor weiterer Wilderei zu schützen, wurden sie über Nacht immer in eine große Halle mit einzelnen „Käfigen“ gebracht, während sie tagsüber fast frei durch den ganzen Park streifen konnten.
Durch die Sozialisierung und die regelmäßige Arbeit der Guides mit den Elefanten gab es hier eine einzigartige Möglichkeit, das Sozialverhalten der Tiere aus der Nähe zu beobachten. Das war also auch der Fokus der Forschung, bei der man als angelernte Freiwillige unterstützen konnte. Meine erste Aufgabe hierbei war es, zu lernen, wie man die Individuen voneinander unterscheiden konnte – um die Daten korrekt aufzunehmen. Dafür lernte ich schnell, mich auf die etwas verschieden geformten Stoßzähne, Löcher oder Risse in den Ohren und auf die Stirnfalten zu konzentrieren.

Als nächstes ging es dann um das Verhalten der Herde. Elefanten organisieren sich in matriarchalen Gruppen, bei denen die älteste, erfahrenste Dame als Anführerin fungiert. Das zeigte sich auch schon in dieser kleinen Herde, in der die beiden Ältesten eindeutig am häufigsten die Richtung vorgaben und auch entschieden, wann weitergezogen wurde. Die meiste Zeit wurde mit Futtern verbracht – entweder einfach Gras, oder sehr oft auch die bereitgelegten Zweige, bei denen nicht nur die Blätter abgerupft, sondern auch die Rinde gekonnt abgezogen wurde.

(© Cornelia Hebrank, 2013)
Sonst war die Herde auch gerne unterwegs, meistens ganz gemütlich, und fast immer wurde bei der Bewegung auch gegrast. Und manchmal, wenn wenig Besucher da waren, dann durften die Elefanten einen Ausflug in den Naturwald im Tal am Rande des Parks unternehmen, wo dann die Bäume und Büsche herhalten mussten. An warmen, sonnigen Tagen gab es außerdem häufig einen Abstecher zu einem der zwei Wasserlöcher…
Von Nahem gibt es viel zu entdecken
Einige der schönsten Momente waren definitiv die badenden Elefanten. Dabei gab es alles zu sehen – von älteren Tieren, die sich mit dem Rüssel Wasser über den Rücken spritzen, bis hin zu den kleineren, die einfach fast komplett unter Wasser verschwanden und sich darin wälzten. Am Ende hatte man dann eine deutlich dunklere Gruppe von Elefanten, die plötzlich einen ganz neuen Farbton bekommen hatten.


Manchmal konnte es auch vorkommen, dass die Tiere gar nicht mehr so grau, sondern eher rotbraun vor einem standen. Sie baden nämlich nicht nur in Wasser und Schlamm, sondern bestreuen sich auch gerne selbst oder gegenseitig mit Sand und Staub. Aber warum machen sie das überhaupt? Man würde es bei einer afrikanischen Art eigentlich so nicht erwarten, aber Elefanten haben eine sonnenempfindliche Haut und müssen sich daher besonders mittags entsprechend schützen. Am besten funktioniert das mit einer Schicht Schlamm oder Staub, wenn sie sich nicht in den Busch oder Wald zurückziehen können.
Und wenn wir grade schon (fast) bei dem Thema sind: um solchen Sand oder Matsch gut zu verteilen, nutzt ein Elefant seinen Rüssel. Der komplette Rüssel ist effektiv eine Verlängerung der Nase, sodass die Tiere sozusagen die Luft anhalten müssen, um Staub aufzunehmen und dann wieder rauszupusten. So ähnlich geht es auch beim Trinken: dabei nutzen Elefanten ihren Rüssel dafür, einige Liter Wasser aufzunehmen, die sie sich dann selbst in den Mund laufen lassen. Dabei tropfen sie gerne ein bisschen viel, aber bei den Mengen kann man das schonmal hinnehmen.

Außerdem besteht der Rüssel nur aus Muskeln, sodass er komplett beweglich ist und die Elefanten sehr viel damit anstellen können. Afrikanische Elefanten haben außerdem zwei „Finger“ am Ende ihres Rüssels, was ihnen deutlich mehr Feingefühl gibt als ihren asiatischen Äquivalenten, die nur einen haben. Es ist wirklich faszinierend, was diese Tiere damit anstellen können: ich konnte zuschauen, wie damit einzelne Blätter von Ästen gezupft wurden oder leicht abstehende Rinde gegriffen, um sie von einem Ast abzuziehen, der solange mit dem Fuß festgehalten wurde.
Das bringt mich gleich zu meinem nächsten Punkt: den Füßen. Habt ihr euch eigentlich die Füße oder Fußabdrücke von Elefanten schon mal genauer angeschaut? Auf den ersten Blick sehen sie nicht nach etwas besonderem aus, aber wenn man Elefanten beim Laufen beobachtet, dann kann man sehen, dass sich ihre Füße ein bisschen wie Kissen verhalten. Beim Auftreten werden sie etwas breiter, was auch dabei hilft, in sandigen oder matschigen Böden nicht weiter einzusinken – vor allem da sie so schwer sind – und beim Heben ziehen sich die Füße wieder ein bisschen zusammen.


Das hat auch noch den Effekt, dass sich Elefanten unglaublich leise verhalten können. Während meiner Zeit mit dieser kleinen Herde wurden wir mehrfach davon überrascht, dass sich ein solcher Riese von hinten an uns angeschlichen hatte. Wenn die Tiere grade gemütlich am Fressen waren, dann hörte man natürlich das Ausrupfen von Grasbüscheln oder das Knacken von Ästen, aber wenn sie einfach nur liefen, dann hörte man so gut wie gar nichts. Auch bei der letzten Reise hatten wir im Nationalpark einen echten Schreckmoment, als plötzlich direkt neben uns ein lautes Tröten ertönte, obwohl wir davor nichts von dem ausgewachsenen Elefanten mitbekommen hatten!
Ein langes und soziales Leben
Aber so ein Gigant kommt ja nicht in dieser Größe auf die Welt, sondern beginnt sein Leben als kleines, putziges und tollpatschiges Wesen. Ich hatte das unglaubliche Glück, bei der Geburt eines solchen Tierchens im Park zu sein und konnte so die ersten wackeligen Schritte miterleben, und zuschauen, wie die Kleine lernen musste, mit ihrem Rüssel umzugehen. Das war schon ein wirklich besonderes Erlebnis, auch wenn es gleichzeitig eine traurige Zeit war, da die Mutter ihr Kind nicht annehmen wollte… Leider kommt auch sowas vor, und die vielen Menschen rundherum haben bestimmt nicht geholfen…
Doch zurück zu jungen Elefanten. In ihren ersten Lebensmonaten sind sie noch verletzlich und können durch große Raubtiere gejagt und gefressen werden, sodass ihre Herde gut auf den Nachwuchs aufpassen muss. Auch sind die Jüngsten noch nicht selbstständig – neben der Milch ihrer Mutter brauchen sie noch Hilfe beim Trinken und können keine so weiten Strecken laufen wie die älteren Tiere. Aber wann immer es geht nimmt die Herde Rücksicht auf die Kiddies und daher kommen diese sehr häufig durch – wenn es nicht gerade eine schlimme Dürre oder ähnliches gibt.


Die Jungtiere beider Geschlechter bleiben für einige Jahre ein Teil der Herde, bis die heranwachsenden Elefantenbullen sozusagen in der Pubertät immer mehr ausgegrenzt werden und sich schließlich zu eigenen Grüppchen zusammenschließen. Diese folgen in der Wildnis häufig einem älteren Bullen, um von diesem zu lernen, was ein wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung ist. Tatsächlich gab es in einigen südafrikanischen Parks echte Probleme mit aggressiven Jungbullen, die nie ein solches Vorbild gehabt hatten – das war damals nach der schlimmsten Zeit der Wilderei auf Elfenbein, bei der besonders die alten Bullen mit prächtigen Stoßzähnen ums Leben gekommen waren. Und nachdem so ein Elefant schon mal so 60 Jahre alt werden kann, dauert es leider auch wieder seine Zeit, bis solche Prachtbullen neu herangewachsen sind…

Grundsätzlich ziehen die männlichen Elefanten als erwachsene Tiere größtenteils alleine durch die Steppe und sind einen großen Teil der Zeit auch recht friedlich. Wenn sie allerdings in Musth sind, also auf der aktiven Suche nach einer Partnerin, dann sollte man ihnen besser aus dem Weg gehen und ganz besonders nicht zwischen ihnen und der werten Dame stehen bleiben (auch nicht mit dem Auto…). Nun verfolgen diese Bullen nämlich aktiv Herden, in denen es eine oder mehrere empfängliche Elefantenkühe gibt und versuchen, diese von sich zu überzeugen. Durch die Tragezeit von knapp zwei Jahren gibt es allerdings nicht immer so viele Damen, die noch zu haben sind.
Für die weiblichen Tiere ist der Alltag dafür deutlich weniger einsam. Sie bleiben durchgehend bei der Herde ihrer Mutter, sodass die kleinsten solchen Gruppen praktisch aus allen weiblichen Abkömmlingen einer Matriarchin und den dazugehörigen jungen Söhnen besteht. Häufig tun sich aber etwas mehr Mütter oder Großmütter zusammen und wandern mit ihrem Nachwuchs durch die Lande. Dabei führt meistens die Älteste die Gruppe an, da sie die besten Wasserstellen kennt und viel Erfahrung mitbringt.

Trotzdem helfen natürlich alle beim Schutz und bei der Versorgung der Familie mit: ältere Tiere reißen Zweige ab oder werfen gar ganze Bäume um, damit die kleineren auch an das leckere Futter kommen. Die mittelalten Weibchen passen auf die jüngeren auf und schauen, dass sich keiner zu weit von den Großen entfernt, und immer wieder sieht man liebevolle Gesten von einem Rüssel zum anderen…
Und was bedeutet das jetzt für das Ökosystem? Lange gab es eher zu wenige Elefanten, aber mittlerweile gibt es in manchen Gegenden Probleme in die andere Richtung. Früher zogen große Elefantenherden über den Jahresverlauf durch die ganzen Länder im Süden Afrikas, sodass ihre Auswirkung sehr weit verteilt war. Mit den modernen, eingezäunten Parks ergeben sich dadurch ganz neue Herausforderungen: die Herden können nicht mehr weit ziehen, vermehren sich auf dem kleinen Raum und fressen dann mehr, als das (für sie eigentlich zu kleine) Gebiet leisten kann. Damit möchte ich jetzt keineswegs sagen, dass wir weniger Elefanten brauchen – aber es ist eine wirkliche Herausforderung für deren Management in der heutigen, menschen-gemachten Welt…



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