Wie die meisten von euch bestimmt schon mitbekommen haben, beschäftige ich mich hier vor Ort vor Allem mit dem Fledermausschutz. Nachdem ich da aber auch eher „reingerutscht“ bin, ist es noch gar nicht so lange her, dass ich nicht allzu viel über diese besonderen Tiere wusste. Natürlich kennt man die Fledermaus als nachtaktives Tier, aber meistens doch eher durch fiktive Geschichten über Vampire oder Batman – und diese Darstellungen haben mit unseren einheimischen Arten praktisch gar nichts mehr zu tun…
Und nachdem die diesjährige Fledermaussaison langsam aber sicher wieder näher kommt, ist eindeutig der passende Zeitpunkt gekommen, um euch etwas mehr über diese kleinen, sehr besonderen Säugetiere zu erzählen. Ab Juli ist das Fledermaushilfstelefon wieder aktiv, bei dem man sich melden kann, wenn man hier in der Nürnberger Region Hilfe braucht – falls ihr mehr dazu wissen wollt, dann schaut doch gerne bei meinem Eintrag aus dem letzten Jahr vorbei. Aber was macht die Fledermäuse denn nun so besonders?

Keine Vögel, aber trotzdem am Fliegen
Am bekanntesten sind Fledermäuse natürlich für ihre Flugfähigkeit, was sie zu den einzigen fliegenden Säugetieren macht – alle anderen Arten dieser Tier-Klasse können maximal gleiten, wie zum Beispiel die Flughörnchen. Entsprechend werden die „Fledertiere“ als eigene Ordnung geführt und machen tatsächlich mehr als 20% der Säugetierarten aus! Hättet ihr das gewusst? Ähnlich wie bei den Nagetieren gibt es nämlich auch bei den Fledermäusen sehr viele verschiedene Arten, die zum Teil nur sehr schwer zu unterscheiden sind.
Die Fähigkeit zu fliegen haben die Fledermäuse jedenfalls unabhängig von den Vögeln entwickelt: während Vögel den Flügel durch Federn entlang ihres Armes und eines Fingers wachsen lassen, nutzen Fledermäuse eine dünne Flughaut, die zwischen ihren deutlich verlängerten Fingern aufgespannt wird. Dadurch sind die kleinen Flattertiere leider auch anfälliger für Verletzungen, da die Flughaut nur sehr langsam und schwer nachwächst und generell immer feucht gehalten werden muss.


Auch ihre kleine Größe ist eine Anpassung an das Leben in der Luft, nachdem man damit weniger Gewicht in der Luft halten muss. Dabei sind die Flügel so eines kleinen Tieres typischerweise viel länger als der eigentliche Körper lang ist – wenn eine Fledermaus mit angelegten Flügeln sitzt, dann hat sie wirklich nur noch die Größe einer kleinen Maus, obwohl sie im Flug deutlich größer wirken kann.
Und dann gibt es da noch die Eigenschaft, dass Fledermäuse bekanntlich gerne kopfüber von der Decke hängen. Da sie sich nicht allzu gut verteidigen können, haben sie so nämlich eine schnelle Fluchtmöglichkeit, falls ihnen doch mal ein Fressfeind zu nahe kommen sollte: sie lassen sich einfach fallen und fliegen dann davon. Um sich beim Hängen festhalten zu können, nutzen sie ihre Krallen, die sie auf eine energiesparende Art entsprechend drehen.
Also wenn ihr das nächste Mal in den frühen Abendstunden kurz vor Sonnenuntergang draußen unterwegs seid, dann schaut doch mal genauer hin, was da über euch flattert. Falls es sich durch schnellen Flügelschlag und einen unruhigeren Flugweg als ein typischer Vogel auszeichnet, dann ist da vielleicht schon eine Fledermaus unterwegs!
Nachtaktiv – und speziell dran angepasst
So kommen wir auch direkt schon zum zweiten Themenblock: manche Fledermausarten starten schon am frühen Abend mit ihren Jagdzügen, aber die meisten der Tiere sind in den echten Nachtstunden in der Dunkelheit unterwegs. Dabei haben sie sich so gut an diese Nachtaktivität angepasst, dass es ihnen – besonders im Sommer – tagsüber in der Sonne zu heiß ist und sie da nicht lang unterwegs sein können.
Deswegen ist es für uns Helfer beim Fledermaustelefon besonders wichtig, sicherzustellen, dass tagsüber gefundene Flausen möglichst im Dunklen und nicht zu heiß ruhen können, bis sie erst abends wieder ausfliegen dürfen. Außerdem brauchen die Tiere in solchen Fällen dringend Wasser, da sie bei hohen Temperaturen leicht austrocknen können. Und deswegen hatte ich letztes Jahr ein nettes Erlebnis, bei dem ich zwei Fledermäuse mittags abholen ging und dann den ganzen Sommertag in einem passend hergerichteten Karton im kältesten Zimmer meiner Wohnung stehen hatte. Bei Sonnenuntergang ging ich dann mit ihnen auf den Balkon, gab ihnen nochmal etwas Wasser und konnte ihnen keine zwei Minuten später beim flotten Abflug zuschauen… Das war ein sehr lohnender Arbeitstag!

Doch zurück zur Biologie dieser faszinierenden Tiere. Um sich auch in kompletter Dunkelheit sicher und schnell bewegen zu können, haben Fledermäuse eine Form von Echoortung entwickelt, sodass sie nicht auf ausreichend Licht zum Sehen angewiesen sind. Dazu stoßen sie sehr hohe und sehr laute Ortungsrufe aus, die von Objekten wie Bäumen, Wänden oder auch Insekten zurückgeworfen werden. Dieses Echo wird dann wiederum durch die feinen Ohren der Fledermaus aufgefangen und daraus entsteht ein Bild von ihrer Umwelt.
Besonders spannend ist dabei, dass diese Rufe auch gerade zur Jagd von fliegenden Insekten eingesetzt werden, sodass eine wirklich schnelle Ruffolge und flinke Reaktion notwendig sind. Nachdem das eine ziemlich hohe Konzentration erfordert, um auch einem kreuz-und-quer fliegenden Insekt zu folgen, erstellen sich einige Fledermäuse vor der Jagd eine mentale Karte ihrer Umgebung, um sich dann im Jagdflug nicht mehr mit Büschen und anderen Hindernissen beschäftigen zu müssen.
Was an dieser Stelle noch wichtig ist: nur weil Fledermäuse die Echoortung haben und viel nutzen, bedeutet das nicht, dass sie blind sind. Tatsächlich sehen sie vermutlich ähnlich gut wie wir Menschen, wenn auch nur in schwarz-weiß – aber mal ehrlich, wenn man eh nicht tagsüber unterwegs ist, dann braucht man auch keine Farben…
Allerdings ist eine generelle Anpassung an die Nacht heutzutage gar nicht mehr so einfach und lohnenswert wie früher in der Evolution. Immer wieder gibt es Probleme, wenn Fledermäuse in Gebäuden (oft Kirchen oder Burgen) leben, die aus touristischen Zwecken abends und nachts angestrahlt werden. Wenn dieses Licht direkt auf den Ein- und Ausflug des Quartiers zeigt, dann gibt es Arten, die sich gar nicht mehr herausfliegen trauen. Mittlerweile haben wir Naturschützer aber recht gut über solche Effekte aufgeklärt, sodass es deutlich weniger Gebäude gibt, die länger als bis 23 Uhr angestrahlt werden. Damit bleibt auch den lichtscheueren Arten noch ausreichend Zeit für ihre nächtliche Jagd.

Eine weitere Schwierigkeit ist der Rückgang der Insekten, die für unsere heimischen Fledermäuse das Futter darstellen. Durch den Einsatz von Insektiziden und weil die Agrarlandschaft immer einheitlicher wird, sodass artenreiche Wiesen- und Buschstreifen oftmals wegfallen, gibt es mittlerweile deutlich weniger Insekten als früher. Tagsüber ist das häufig schon fast auffällig, aber da nachts noch deutlich mehr der kleinen Tierchen unterwegs sind, ist das Futterangebot für die Fledermäuse noch ausreichend. Doch auch hier gibt es Beeinträchtigungen durch unsere Lichtverschmutzung: einige Insektenarten kommen nicht mit der Straßenbeleuchtung klar, da sie sich eigentlich nach dem Mond richten wollen, aber stattdessen an Lampen hängenbleiben. Leider können sich diese Tiere dann nicht mehr davon lösen und sterben häufig an purer Erschöpfung…
Ein Jahr im sozialen Leben einer Fledermaus
Aber genug von dieser Ablenkung mit dem ganzen Licht und zurück zu den Fledermäusen. Wie verbringt denn so eine Flaus ihr Jahr? Wenn ihr schon länger hier mitlest, dann wisst ihr bestimmt schon ein paar der relevanten Punkte, aber lasst es mich trotzdem nochmal im Kontext beschreiben – fangen wir doch einfach mit dem Beginn ihres Lebens an…
Als sehr soziale Tiere leben die weiblichen Fledermäuse im Sommer zusammen in sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihren Nachwuchs bekommen und aufziehen. Eine Mutter bekommt dabei nur ein Junges pro Jahr, das im frühen Sommer geboren wird. Dieses Kleine bleibt tagsüber in der Schlafphase an der Mutter hängen und wird dann nachts mit dem restlichen Nachwuchs der Wochenstube in einer Traube hängend zurückgelassen, während die Mütter auf die Jagd gehen. Die Männchen leben während dieser Zeit in eigenen Gruppen zusammen, sind bei den meisten Arten aber nicht in der Wochenstube willkommen.

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Manche Arten wechseln auch während dieser Aufzuchtzeit das Quartier und nehmen die Kleinen dabei mit, indem sich diese an ihren Müttern festbeißen und festklammern. Allerdings kann es hier schon mal passieren, dass einzelne Junge verloren gehen – wenn das Muttertier noch in der Nähe ist, kann man die Kleinen aber oft mit etwas Hilfe wieder mit ihrer Familie vereinen.
Im Hochsommer ist es dann so weit: die kleinen Fledermäuschen lernen fliegen und ziehen wenig später in jugendlichen Trupps durch die Nacht. Immerhin dürfen sie erstmal noch in ihr Aufzuchtquartier zurückkehren, werden aber dann auch langsam selbstständiger und suchen sich neue Hangplätze. Zu dieser Zeit haben wir beim Fledermaushilfstelefon immer gut zu tun, da sich die Halbstarken noch nicht wirklich mit geeigneten „Höhlen“ oder Gebäudenischen auskennen und entsprechend auch gerne mal durch ein gekipptes Fenster in einer Wohnung landen…
Wenn sie diese Phase dann aber gut überstanden haben, geht es im Herbst los in Richtung Winterquartier – hier muss man ja noch ausreichend Zeit für die Suche haben! Nun ist es für die Fledermäuse besonders wichtig, viel und ausgiebig zu jagen, damit sie sich das notwendige Fett für den Winter anfressen können. Sobald es dann kälter wird und weniger Insekten unterwegs sind, typischerweise im Oktober oder November, geht es ab in die Winterruhe.
Spannend dabei ist, dass die Paarung bereits hier im Spätherbst stattfindet, die weiblichen Tiere aber erst im nächsten Frühjahr die Befruchtung ihrer Eizelle „auslösen“. Effektiv kommt es damit nur bei ausreichender Verfügbarkeit von Futter zur Trächtigkeit.
Doch zurück zum Winterquartier, das sich die verschiedenen Arten in Höhlen, Bierkellern, alten Gewölben oder Gebäuden und ähnlichem gesucht haben. Wichtige Faktoren für das Quartier sind dabei, dass die Temperatur dort recht stabil in den niedrigen Plusgraden bleibt und dass es dort ausreichend Verstecke in Nischen und Spalten gibt. Die Fledermäuse suchen sich nämlich nun einen passenden Hang- oder Liegeplatz aus und fahren ihre Körpertemperatur stark herunter, um Energie zu sparen. Allerdings ist es kein wirklicher Winterschlaf, da sie hin und wieder wach werden und Wasser zu sich nehmen oder den Platz wechseln.

(© Cornelia Hebrank, 2025)

Trotzdem gibt es während dieser Zeit bei den meisten Arten kein Futter und daher brauchen die Fledermäuse hier einen ruhigen Rückzugsort. Das ist auch der Grund, warum viele sonst touristisch genutzte Höhlen im Winter gesperrt oder zumindest mit Warnschildern versehen sind. Denn wenn sie gestört wird, muss die Fledermaus sich unter starkem Energieverbrauch aufwärmen, um reagieren zu können – diese Energie fehlt ihr dann für den Rest des Winters und wenn es schlecht läuft, dann kommt sie deswegen nicht durch und verhungert.
Also an dieser Stelle nochmal der explizite Aufruf: bitte geht im Winter nicht in Höhlen, besonders dann nicht, wenn es dort Hinweise auf Fledermäuse gibt! Zur kalten Jahreszeit braucht man außerdem auch rechtlich eine besondere Erlaubnis, um Höhlen und alte Keller oder Gemäuer zu begehen, um die Tiere besser zu schützen. Und falls ihr wissen wollt, wie es in so einem Winterquartier aussieht und zugeht, dann schaut doch gerne bei meinen Einträgen zu dem Thema vorbei – ich war brav und offiziell mit dem Naturschutz vor Ort.
Hoffentlich habt ihr nun schon einen schönen Einblick in die Welt der Fledermäuse bekommen – ihr dürft euch auch gerne schon auf den nächsten Teil dieser kleinen Serie freuen, bei dem es dann etwas genauer um unsere heimischen Arten gehen wird…
Noch nicht genug von Fledermäusen? Na dann ab zu Teil 2 dieser Reihe!


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