In den letzten beiden Einträgen habe ich euch ja schon viele der Besonderheiten unserer Fledermäuse nähergebracht – und wie versprochen soll es heute noch etwas detaillierter um ihre Jagdstrategien gehen. Dabei gehe ich davon aus, dass ihr zumindest schon ein bisschen was über diese tollen Tiere wisst, also würde ich euch empfehlen, mit Teil 1 dieser Kurzserie anzufangen, falls ihr die beiden letzten Einträge noch nicht gelesen habt.
Als zweiten Hinweis muss ich dazu sagen, dass es dieses Mal weniger Bilder geben wird als sonst, da es wirklich schwierig ist, Fledermäuse im Flug oder gar bei der Jagd zu fotografieren und ich offensichtlich auch nicht fremde Bilder klauen möchte. Ich hoffe aber, dass ihr das Thema trotzdem auch so spannend findet wie ich, also lasst uns direkt reinstarten.

Jagen im Flug
Wir hatten ja schon geklärt, dass sich alle einheimischen Fledermausarten von Insekten ernähren. Allerdings gibt es offensichtlich sehr viele verschiedene Insektenarten und nicht alle davon werden auch von jeder Fledermaus gefressen. Die meisten der fliegenden Jäger sind wahre Flugkünstler und stellen ihrem Futter direkt im Flug nach, sodass hier vor allem Mücken und Nachtfalter auf dem Speiseplan stehen.
Aber wie jagt man so eine kleine, wendige Mücke am besten? Tatsächlich haben sich die Rufmuster der Fledermäuse genau darauf spezialisiert: bis zu 200 mal pro Sekunde wird bei der Jagd gerufen und diese Schallwellen werden vom Insekt zurückgeworfen, sodass die Fledermaus jede Bewegung „hören“ kann. Damit verfolgt sie ihre Beute und fängt das Insekt dann oft mit dem Flügel ein, um es dann direkt im Flug zu verspeisen und weiter zu jagen. Schließlich fressen diese Luftakrobaten bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts pro Nacht – da muss man dann schon erfolgreiche Jagdstrategien entwickeln.
Doch lasst uns mal etwas genauer auf die verschiedenen Fledermausarten schauen. Am meisten hatte ich bisher mit der Zwergfledermaus zu tun, die als Kulturfolger vor allem in Spalten an Gebäuden schläft und entsprechend häufig auch beim Fledermaushilfstelefon aufschlägt. Bei der Jagd haben es die Zwergis als kleinste hiesige Gattung vor allem auf Mücken und Fliegen abgesehen und patrouillieren dafür oft kleine Gegenden auf festen Flugbahnen ab. Sehr ähnlich dazu lebt auch die Weißrandfledermaus, die ihren Namen von einem kleinen weißen Saum am Rand ihrer Flughaut bekommen hat. Und die dritte in diesem Bunde der leicht zu verwechselnden Fledermäuse aus der gleichen Gattung ist die Mückenfledermaus, die auf den ersten Blick genau wie eine Zwergfledermaus aussieht und daher noch gar nicht lange als eigenständige Art bekannt ist. Diese „Mücken“ bevorzugen aber die Jagd in bewaldeten Gegenden und sind dort sogar schon kurz vor Sonnenuntergang unterwegs.

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Auch der Große Abendsegler ist häufig ab der Dämmerung unterwegs, sodass er zum Teil fast gemeinsam mit den Schwalben zu jagen scheint. Als Waldbewohner ist er dabei häufig an den Baumkronen unterwegs und jagt meist schnell und geradlinig. Entsprechend seiner Größe frisst der Abendsegler neben den Mücken auch Wanzen, Käfer und Schmetterlinge. In ähnlich bewaldeten Gegenden lässt sich auch die Rauhautfledermaus finden, die allerdings bevorzugt etwas niedriger jagt und dafür alle möglichen Waldeinschnitte wie Schneisen, Wege oder Stromtrassen ausnutzt – Hauptsache im oder nah am Wald.
Die Breitflügelfledermaus hingegen lässt sich fast überall nieder und ist auch bei der Jagd entsprechend flexibel: egal ob an den Vegetationsrändern, um Einzelbäume oder einfach komplett frei in der Luft – es wird gefressen, was grade da ist, neben den allgegenwärtigen Mücken und Nachtfaltern auch alles von Maikäfer über Wespen bis hin zu Wanzen.
Die meisten Arten sind aber nicht gar so flexibel. So leben die Bartfledermäuse in offeneren Landschaften mit Büschen und Hecken, und jagen daher gerne an Vegetationskanten entlang, aber am liebsten in der Nähe von Gewässern, an denen sie die vielen Stechmücken futtern können. Sie fressen aber fast alles, was ihnen vor die Schnauze kommt und sind dabei nicht sonderlich wählerisch. Auch die Zweifarbfledermaus jagt vor Allem an Gewässern, dabei aber eher schnell und geradlinig im freien Luftraum. Unter Helfern ist sie jedoch besonders dafür bekannt, in der Hand ziemlich aggressiv zu werden…
Zwei Spezialisten haben sich zusätzlich zu diesen typischen Flugjägern noch weitere Strategien einfallen lassen. So ruft die im Wald lebende Mopsfledermaus in zwei verschiedenen Frequenzbereichen und kann damit sogar bei der Jagd anderer Fledermäuse mithören, was sie natürlich deutlich flexibler macht. Das kann die Nordfledermaus nicht, aber dafür hat sie sich besonders an die Jagd auf Nachtfalter angepasst. Dabei gibt es nämlich einige Falterarten, die die Fledermausrufe wahrnehmen können und sich dann fallen lassen, womit sie den meisten Jägern entgehen können – aber nicht der Nordfledermaus: diese verfolgt sie bis auf den Boden und schnappt sie sich dann einfach dort noch!
Andere besondere Strategien bei der Jagd
Aber das sind bei weitem nicht die einzigen Spezialisten, denn es gibt einige Arten, denen das typische Jagen im Flug nicht besonders genug war. In den einfachsten Fällen sind die Fledermäuse so frech, dass sie die Insekten aus Gebüschen aktiv aufscheuchen. Das macht beispielsweise die Kleine Hufeisennase sehr gerne, die als wendige und flotte Fliegerin die Beutetiere dann nur Sekunden später aus der Luft schnappt. Ihre besondere Nasenform hilft ihr dabei, ihre Echoortung auf engere Bereiche einzuschränken und diese dafür noch genauer wahrzunehmen.
Andere Arten brauchen ihre Nahrung gar nicht erst aufscheuchen, sondern fressen sie einfach direkt von ihren Sitzplätzen ab. So hat sich die Wimpernfledermaus richtig gut an uns Menschen angepasst und macht nun mit Vorliebe im Kuhstall Jagd auf die Mücken an der Wand. Da es hier immer genug Futter gibt, sind sogar einige Wochenstuben in oder an Ställen bekannt.
Die Wasserfledermaus hingegen bleibt ihrem Namen treu und pflückt die Insekten oft direkt von der Wasseroberfläche stehender Gewässer, wobei sie dabei sogar hin und wieder einen Kleinfisch mitgehen lässt! Dafür nutzt die Wasserfledermaus ihre Beine oder die Schwanzflughaut, um ihre Beute einzusammeln und steckt sie sich danach ins Maul. Am liebsten lebt auch diese Fledermaus in Wäldern, aber auch Parks und offenere Landschaften sind in Ordnung, solange das stehende Gewässer gegeben ist.
Aber im Flug einsammeln ist ja nochmal was anderes als gezielt ein Beutetier auszusuchen, es wie ein Raubvogel im Rüttelflug zu beobachten und es dann direkt vom Busch zu greifen. Das können die Langohren, Bechsteinfledermaus und Fransenfledermaus – durch die eindeutigen Größenunterschiede fällt allerdings die Beute dabei unterschiedlich aus. Trotzdem sind sowohl Bechsteinfledermaus in ihren lichten Heimatwäldern als auch Fransenfledermaus in allen möglichen Habitaten vor Allem auf der Suche nach Insekten, die sich ein bisschen von ihrem Untergrund abheben. Dabei werden gerne auch flugunfähige Beute wie Spinnen und ähnliches im langsamen Flug gesucht und dann vom Boden aufgesammelt und gefressen.

(© Cornelia Hebrank, 2025)

(© Cornelia Hebrank, 2024)
Die Langohren haben noch eine zusätzliche Besonderheit: sie hören ihre Beute tatsächlich dank ihrer, wer hätte es gedacht, langen Ohren sogar ohne Echoortung schon und rufen daher nur sehr leise, da sie auch die kleinsten Echos wahrnehmen können. Die beiden Arten sind dafür bekannt, dass sie ihre Leibnahrung von Schmetterlingen und Nachtfaltern besonders gerne an speziellen Fraßplätzen zu sich nehmen, sodass sich dort ganze Sammlungen von abgebissenen Insektenflügeln am Boden aufhäufen.
Und dann gibt’s da auch noch die großen Arten, die sich gerne auch an größeren Insekten bedienen – schließlich wollen sie auch noch während der Nacht satt werden… So findet man das Große Mausohr in Laubwäldern mit wenig Bodenbedeckung, in denen es bodennah nach dem verräterischen Rascheln lauscht, um sich dann im Sturzflug die Beute zu schnappen. Am liebsten werden dabei große Laufkäfer gejagt, die daraufhin mit zu einem nahen Hängeplatz genommen und im Hängen verzehrt werden. Da diese Käfer ein stinkendes Abwehrsekret absondern, findet man dann gerne entsprechend stinkende Fledermäuse, da sich diese nicht daran stören.
Ähnlich macht es auch die sehr seltene Große Hufeisennase, die sich eine passende Stelle im Wald aussucht, um von dort aus eine sogenannte Wartejagd zu betreiben. Von der Jagdwarte aus lauscht sie auf lohnenswerte, also möglichst dicke, Beute und stürzt sich dann nach einem kurzen Anflug auf diese. Durch diese selektive Auswahl von Nahrung braucht diese Art eine strukturreiche Landschaft, die im Idealfall extensiv beweidet wird und entsprechend Dungkäfern eine gute Heimat bietet. Daher gibt es beim letzten großen Quartier in Bayern, beim Fledermaushaus in Hohenburg, extra eine Herde von rotem Höhenvieh, das die Landschaft erhält und für ausreichend Dung sorgt.
Die Vielfalt der Fledermäuse
Mit diesen vielen Beispielen haben wir fast alle unserer häufigeren einheimischen Arten abgedeckt, aber ihr habt bestimmt auch schon festgestellt, dass es dabei schnell unübersichtlich wird. Daher (und weil ich es einfach praktisch finde) habe ich euch hier mal eine Übersicht über die genannten Arten mitgebracht, aus der die Verwandtschaften hoffentlich etwas besser hervorgehen.

Falls ihr jetzt festgestellt haben solltet, dass ihr immer noch neugierig seid und am liebsten noch viel mehr über diese faszinierende Tiergruppe lernen möchtet, dann habe ich eine Empfehlung für euch. Viele meiner Informationen habe ich aus Vorträgen und Erzählungen von Naturschutzkollegen, aber den Rest habe ich gelesen, und zwar in dem wirklich ausführlichen Fledermausführer von Kosmos. Darin findet ihr nicht nur die Infos zu allen europäischen Arten und einen Bestimmungsschlüssel, sondern zusätzlich noch ausführliche Kapitel zu Quartieren, den Fledermausrufen und deren Aufnahme und Auswertung, sowie hilfreiche Tipps zur Bestimmung in allen möglichen Umständen. Ich finde das Buch jedenfalls wirklich gut gemacht und sehr hilfreich, wenn man in das Thema einsteigen oder einfach nochmal Details nachschlagen will.
Auf jeden Fall ist hiermit meine kurze Reihe zu den Fledermäusen abgeschlossen und ich hoffe, dass ihr dabei noch was Interessantes gelernt habt. Natürlich wird es auch in Zukunft regelmäßig Infos zu den nächtlichen Flatterern geben, schließlich startet die Hilfstelefon-Saison in nur zwei Wochen, aber fürs Erste gibt’s nun wieder andere Themen.


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