Mittlerweile sind wir schon fast mit allen priorisierten Arten durch, die ich damals nach meiner letzten Afrikareise zusammengefasst hatte. Aber diese prachtvollen Raubkatzen, die man viel zu selten zu Gesicht bekommt, dürfen dabei auf keinen Fall fehlen. Tatsächlich erfolgt bei Leoparden das Monitoring auch deswegen zu einem großen Teil durch Kamerafallen, und wenigstens lassen sich die Großkatzen durch ihre eindeutigen Punktemuster dabei auch eindeutig bestimmen.
Bevor ich euch zu meinen schönsten Begegnungen mit diesen Tieren mitnehme, möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass auch ich bisher nur selten die Möglichkeit hatte, Leoparden in der Wildnis zu beobachten – daher gibt es in diesem Eintrag deutlich mehr Bilder von Tieren in Gefangenschaft, wenn auch durchgehend in ihrer Heimat Afrika. Aber genug der Vorrede, lasst uns direkt mit ein paar Geschichten aus dem Busch starten!
Immer eine besondere Begegnung
Tatsächlich hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mal eine wirklich schöne Leopardensichtung hatte. Bei meinen ersten Reisen hatten wir zwar mal Schemen in der Nacht oder auch die beeindruckend großen Pfotenabdrücke am Rand des Camps, aber so wirklich gut gesehen hatte ich noch keins dieser mächtigen Tiere – zumindest nicht in freier Wildbahn.
Trotzdem hatte ich auch damals schon eine ziemlich coole Begegnung mit einem Leoparden in Gefangenschaft, als ich in Plettenberg Bay das Tenikwa Wildlife Awareness Center besuchte. Dort werden einige Tiere gehalten, um sie den Touristen zeigen zu können, und ein guter Teil des Eintritts fließt in die Rehabilitation von weiteren Tieren, die nur die entsprechend ausgebildeten Angestellten zu sehen bekommen. Auf jeden Fall konnte ich da das erste Mal so richtig in voller Pracht einen Leoparden aus der Nähe begutachten und feststellen, was für kräftige und gleichzeitig gewandte Tiere das sind. Aber dennoch fehlte mir die Sichtung in der Wildnis, weil die einfach nochmal was ganz anderes ist.

(© Cornelia Hebrank, 2013)

Das sollte sich aber auf meiner Reise nach Tansania ändern. Dort waren wir von der Uni aus als ganze Gruppe unterwegs und ließen uns von einigen Mitarbeitern des dortigen Wildlife College durch ein paar Schutzgebiete führen. Diese Reise war schon generell einfach unglaublich toll, aber dann hatten wir auch noch eine der besten Leopardensichtungen, die man sich vorstellen kann.
Wir fuhren am frühen Morgen am Rand der Serengeti entlang und die Sonne war grade erst so richtig aufgegangen, als wir in einem der typischen Bäume der Savanne eine unförmige Ausbuchtung bemerkten. Wir zückten also die Ferngläser und sahen – eine blutige Antilope? Im Baum? Als wir den Ast genauer absuchten, klärte sich die Geschichte aber gleich auf: etwas weiter oben saß ein Leopard!
Bis wir näher herangefahren waren, um das prächtige Tier weiter zu beobachten, hatte er sich zu seiner Beute gesetzt und bewachte diese. Unsere Führer erzählten uns, dass es gar nicht unüblich sei, dass die Leoparden ihren Riss mit auf die Bäume tragen. Sie sind ja stark genug dafür und können dann praktisch vor allen anderen großen Beutegreifern geschützt fressen.

(© Cornelia Hebrank, 2016)

(© Cornelia Hebrank, 2016)
Der Leopard schien sich auch keinerlei Sorgen um die Sicherheit seines Futters zu machen, denn er sprang wenig später am Stamm des Baumes entlang nach unten und verschwand in den Büschen, vermutlich um schnell noch sein Revier abzusichern, bevor es zu warm wurde. Mit Sicherheit ist er dann später zu seiner Beute zurückgekehrt, um den Rest der Antilope zu fressen…
Auf jeden Fall war das bis vor kurzem die einzige klare Sichtung, die ich in der Wildnis gehabt hatte. Letztes Jahr bei unserer Südafrikareise hatten wir aber das unglaubliche Glück, sogar zweimal abends einen Blick auf die dortigen Leoparden zu erhaschen. Beim ersten Mal kamen wir gerade um eine enge Kurve und sahen nur noch, wie der Schwanz im Gesträuch verschwand.
Aber beim zweiten Mal war die Begegnung dafür umso schöner: wir waren abends auf der Rückfahrt ins Camp und es wurde schon richtig dunkel, als wir auf die Zufahrt zu dem Campbereich abbogen. Auch hier war es hinter einer Kurve, dass wir den vollkommen entspannten und ungestörten Leoparden zu Gesicht bekamen: er lief einfach gemütlich auf dem Weg vor uns entlang und warf uns über seine Schulter einen Blick zu. Aus dieser Nähe und von hinten konnten wir richtig gut sehen, wie kräftig dieses Tier gebaut war. Und er zeigte uns auch ganz klar, dass er mit zu den Königen dieses Ökosystems gehört: er ließ sich so gar nicht von uns stören und ging noch einige Schritte weiter auf dem Weg entlang, bevor er mit einem Schwanzschlenkern ins Gebüsch abbog.

Leider war es schon zu dunkel, um ein sinnvolles Bild davon zu machen, aber der Moment war auch von der Atmosphäre her so besonders, dass das nicht der erste Gedanke war. Jedenfalls fanden wir diese Begegnung alle total toll und es fühlte sich wie etwas Besonderes an – wie so häufig bei Arten, die man sonst kaum zu sehen bekommt und dann endlich mal für ein paar Augenblicke beobachten darf…
Gerne heimlich – und nachtaktiv?
Wie man aus meinen Erlebnissen schon bemerken konnte, sind Leoparden als heimliche Einzelgänger in vielen Fällen nur selten direkt zu finden. Dabei wirkt es gerne so, als wären sie nur nachtaktiv, obwohl sie eigentlich zu allen Zeiten jagen und auch unterwegs sind. Vermutlich ist es eher etwas ähnlich wie beim Spitzmaulnashorn und man sieht nur weniger von der Art, weil sie sich vor Allem in dichter bewachsenen Gegenden aufhält. Doch auch das ist keine feste Regel: Leoparden können genauso auch in Wüsten auf die Jagd gehen.
Dennoch bevorzugen sie Bäume, die sie für eine geduldige Ansitzjagd nutzen können. So bleiben sie schon mal regungslos auf einem Ast liegen, bis eine Herde Antilopen langsam beim Grasen unter den Baum gelaufen kommt, und stürzen sich dann direkt von oben auf ihre Beute. Alternativ beobachtet er die Annäherung von potentiellem Futter, klettert dann leise in der Deckung des Baumstammes herunter und versteckt sich in der Vegetation, bis die Beute nah genug herangekommen ist.


Mit dieser klassischen Lauerjagd unterscheidet er sich von den anderen Großkatzen Afrikas, die ihre Beute durchaus auch etwas länger verfolgen und scheuchen können. Man kann also sagen, dass der Leopard dabei der heimlichste und versteckteste Jäger ist. Besonders wenn er dann mitten in der Nacht auch wehrhaftere Arten wie Warzen- oder Stachelschweine oder gar Paviane überfällt.
Das schafft er aber auch nur so gut, weil er als direkte Schwesterart zu den Löwen eine der echten Großkatzen ist und damit deutlich mehr Gewicht und Kraft mitbringt als beispielsweise der Gepard. In dieser Familie der eigentlichen Großkatzen finden sich sonst noch die Tiger, Jaguare und natürlich auch die Schneeleoparden. An dieser Stelle ist auch spannend, dass sich die eine Art der Leoparden geografisch durch Afrika und komplett durch Asien erstreckt, was sie zu den am weitesten verbreiteten Großkatzen macht.

Daran erkennt man schon, wie anpassungsfähig diese Tiere sind. Sie können nicht nur in den verschiedensten Gegenden leben, sondern auch fast alles jagen, was vor ihnen wegläuft oder -fliegt. Zwar bevorzugen sie größere Säugetiere als Beute – da hat man einfach mehr zum Fressen dran – aber auch Reptilien und Vögel werden verspeist. Und wenn grade keine guten Bäume oder Büsche zum Verstecken da sind, dann kann man sich an seine Beute auch langsam und versteckt anschleichen…
Und leider oft gejagt
Doch wie bei so vielen Raubtieren haben auch die Leoparden mit menschengemachten Problemen zu kämpfen. Als große Raubkatze brauchen sie nicht gerade wenig Platz und besonders männliche Tiere nutzen weitläufige Territorien, um Partnerinnen zu finden. Das ist aber durch die Fragmentierung der naturnahen Habitate und das Fehlen von grünen Korridoren zwischen Nationalparks und anderen Reservaten deutlich schwerer geworden. Gerade in Südafrika, wo die meisten Schutzgebiete eingezäunt sind und daher keine natürliche Wanderung mehr möglich ist, führt das zu isolierten Subpopulationen.

(© Sebastian Sperling, 2019)

(© Sebastian Sperling, 2019)
Nun sind Leoparden aber deutlich beweglicher als die meisten anderen Arten, die ich in dieser Serie vorgestellt habe. Ihnen reicht schonmal ein Baum in der Nähe des Zauns und dann sind sie weg – in vielen Gegenden ziehen die Tiere so auch zwischen verschiedenen Reservaten hin und her. Das kommt allerdings mit neuen Gefahren für die Großkatzen: zwischen den Parks müssen sie durch Farmlandschaften wandern und sich dabei vor Farmern hüten, die wegen Übergriffen auf ihre Nutztiere schlecht auf alle Raubkatzen zu sprechen sind.
Aber das ist leider nicht genug: in einigen Gegenden sind Leopardenfelle immer noch als altes Statussymbol anerkannt und junge Männer verdienten sich früher ihren Ruf durch eine solche waghalsige Jagd. Zwar werden nun auch explizit Alternativen angeboten, beispielsweise leitet Wildlife ACT eine Aufklärungsaktion, bei der auch künstliche Felle verteilt werden, aber trotzdem kommt es immer wieder zu illegalen Tötungen von Leoparden.

Durch ihre versteckte und einzelgängerische Lebensweise ist es schwer, sichere Zahlen zu Leoparden zu bestimmen, sodass die aktuelle Populationsgröße nicht klar ist. Trotzdem ist klar, dass es in praktischen allen Regionen ihrer Verbreitung immer weniger Leoparden gibt und sie unter den Auswirkungen der Menschen auf ihre Lebensgrundlage leiden. Wie bei den meisten großen Raubtierarten fehlt ihnen mehr und mehr der Lebensraum und auch die Beutedichte nimmt ab. Wenn man dann noch die aktive (illegale) Jagd miteinberechnet, ist klar, warum auch Leoparden als bedroht eingestuft sind.
Immerhin setzen sich mittlerweile mehrere Organisationen für den Schutz dieser ikonischen Art ein, sodass die Populationen zumindest in den Reservaten und Naturschutzgebieten gut erhalten werden können. Auch die Aufklärung der örtlichen Bevölkerung zeigt Erfolge und mit neuerer Technik lassen sich mehr Daten über die verbleibenden Leoparden zusammentragen, also dürfen wir vielleicht doch noch auf eine bessere Zukunft für diese anpassungsfähige, kletternde Großkatze hoffen…

(© Sebastian Sperling, 2019)

Ich hoffe dieser Ausflug in die Welt der afrikanischen Großkatze hat euch gefallen. Anfangs habe ich ja schon erwähnt, dass ein großer Teil des Monitorings bei Leoparden durch Kamerafallen passiert – also nutze ich das jetzt als perfekte Überleitung, um nächstes Mal in diesen Teil der Naturschutztechnik einzutauchen…


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