Eine der Techniken, die schon lange in Verwendung sind und immer noch sehr aktiv genutzt werden, sind Wildkameras oder Kamerafallen. Ich hatte ja schon in der Übersicht über Naturschutztechniken erzählt, dass diese kleinen Geräte einen wichtigen Teil in der biologischen Forschung und im Monitoring spielen. Unschlagbar einfach in der Verwendung und relativ billig in der Anschaffung bieten sie sich einfach für viele langfristige Fragen an. Also lasst uns mal etwas genauer anschauen, wie diese Kameras funktionieren.

Wie funktioniert so eine Wildkamera?

Die Grundidee ist so einfach wie klar: wir wollen einen Weg, Bilder von Tieren zu machen, die wir nur selten „in Echtzeit“ vor uns sehen. Dazu braucht man in der einfachsten Form eine Kamera, die per automatischem Auslöser auf Bewegungen in ihrem Sichtfeld reagiert und die Ursache für diese Bewegungen festhält.

Doch ganz so einfach ist es in der echten Nutzung dann doch nicht. Im typischen Einsatzfall solcher Kameras sind diese mindestens einige Tage, aber auch mal einige Wochen in der Natur angebracht und werden erst danach wieder eingesammelt oder zumindest kontrolliert. Das führt zu weiteren Anforderungen an das System: es muss witterungsgeschützt und wasserfest sein, darf nicht zu viel Energie verbrauchen, sodass der Akku lang genug hält und im besten Fall auswechselbar ist, und braucht eine ausreichend große Speicherkarte. Mittlerweile sind die meisten dieser Anforderungen sehr leicht zu lösen, aber Wildkameras sind schon viele Jahre im Einsatz und in früheren Modellen waren diese Eigenschaften teilweise limitierende Faktoren.

Über die Jahre hat man aber auch noch mehr gelernt. Viele der scheuen Tiere sind nachtaktiv und so waren frühe Kameras mit einem normalen Blitz ausgestattet. Durch Studien konnte man aber feststellen, dass dieser die Tiere abschreckte und dazu führte, dass sie teilweise andere Wege wählten und der Kamera aus dem Weg gingen. Daher werden in den letzten Jahren modernere Techniken wie Rotlicht- oder Schwarzlichtblitz verwendet, die die meisten Tierarten deutlich weniger zu stören scheinen.

Doch die Tiere spielen noch in anderer Hinsicht eine Rolle: die Kamera muss nämlich ausreichend gegen „Übergriffe“ geschützt sein. Wenn ein Nashorn oder ein Braunbär zu neugierig wird, dann ist eine einfache Kamera ganz schnell kaputt gemacht. Daher gibt es entsprechende Schutzhüllen aus Metall, die solche Zerstörungen verhindern sollen. Auch die Art, wie man die Kamera befestigt, sollte auf die entsprechende Umgebung angepasst sein: während hier im Wald vielleicht auch der einfache Riemen um den Baum ausreicht, nutzt man in Afrika eher Ketten oder anderweitig stabilere Optionen.

Aus Afrika kenne ich die Kamerafallen ungefähr auf diesem Stand der Technik. Für den dortigen Einsatzzweck, bei dem die Speicherkarten und Akkus regelmäßig ausgetauscht und dann die Bilder ausgewertet werden, ist das auch vollkommen ausreichend. Aber natürlich gibt es immer neue Weiterentwicklungen, die beispielsweise beim Wildtiermonitoring hier in Deutschland oder auch den Vereinigten Staaten schon eingesetzt werden.

Ein großer Fortschritt dabei ist die Möglichkeit, sich neue Bilder direkt aufs Handy schicken zu lassen. Damit lassen sich die Kameras auch für aktive Einsätze nutzen, da man sie etwa an einer Falle anbringen und dann aus ausreichender Entfernung auf die Auslösung warten kann. Außerdem lassen sich mittlerweile nicht mehr nur Fotos aufzeichnen, sondern moderne Kameras haben eigentlich immer auch einen Video-Modus, bei dem sie nach dem Auslösen eine bestimme Anzahl von Sekunden lang aufnehmen. Diese beiden Neuerungen kosten natürlich mehr Strom, was aber durch bessere Akkus und kürzere Einsatzzeiten (einige Tage statt mehreren Wochen) ausgeglichen werden kann.

Aktuell ist eine weitere Verbesserung in der Diskussion: dass man direkt in der Kamera KI nutzen könnte, um die Tierart zu identifizieren und basierend darauf entsprechende Nachrichten zu verschicken. Allerdings habe ich dazu bisher keine wirklich vielversprechenden Ergebnisse zu Ohren bekommen – aber wir können uns das Thema auch im Rahmen des noch ausstehenden Eintrags zu KI für den Naturschutz genauer anschauen…

Wie setzt man sie ein?

Doch genug zur generellen Technik der Kamerafallen und deren Ausprägungen. Ich habe zwar schon ein paar grobe Verwendungszwecke angerissen, aber auch hier lohnt sich ein Blick ins Detail. Denn so ein afrikanischer Nationalpark und auch ein einheimischer Wald sind groß – wo stellt man da jetzt am besten die Kamera auf?

Wie so häufig ist die Antwort ein klares „es kommt darauf an“ und richtet sich danach, was man wo aufspüren möchte. Aber trotzdem gibt es einige Best Practices, die für die meisten Fälle nützlich sind.

Man sollte kein hohes Gras vor der Kamera stehen haben. Durch den Bewegungssensor wird sonst jeder Windhauch erkannt und man bekommt ganz viele tolle Gras-im-Wind-Bilder, die man am Ende mühsam aussortieren muss. Analog zum Gras gilt das gleiche natürlich auch für kleine Äste oder Ähnliches, was sich gerne im Wind bewegt.

Bild einer Kamerafalle mit einer Antilope im Bild (© Wildlife ACT, 2024)
Bei einem so klaren Bild mit nur einem Tier könnte eine KI bestimmt helfen, aber ob das direkt in der Kamera passieren müsste? Für die Zählung und Auswertung reicht die Bestimmung nämlich auch später… (© Wildlife ACT, 2024)

Aus dem gleichen Grund sollte man auch menschliche Wege und Straßen möglichst vermeiden, sonst sammelt man Bilder von Fahrzeugen oder Fußgängern. Hierbei ist auch das jeweils geltende Gesetz zu beachten: häufig dürfen solche Aufnahmen nicht ohne Genehmigung gemacht werden.

Trotzdem sind Wege eigentlich perfekt fürs Wildtiermonitoring – nämlich die Tierpfade durchs Unterholz. Wenn man sehen möchte, was generell in einem Gebiet unterwegs ist, dann bietet sich besonders eine Kreuzung solcher Pfade an.

Hat man es auf ein bestimmtes Tier abgesehen, dann lohnt es sich, mehr über dessen Verhalten zu wissen. So kann man beispielsweise an einem Nashorn-midden (Markierungsort) gut nach diesen Tieren spähen, während sich für Großkatzen bestimmte Bäume (Stellen zum Krallen schärfen) anbieten oder man für heimische Vögel vielleicht einfach die Futterstelle hernimmt.

Zwecks der Befestigung der Kamerafalle an sich wählt man am besten einen stabilen Standort wie einen Baum oder Pfosten. Im Idealfall bringt man sie dann auf der Höhe an, auf der man die meisten Tiere erwartet – meistens also recht niedrig. Um den Winkel zu prüfen, schaut man entweder von der Stelle aus, die man fotografieren möchte, in die Kamera, oder man nimmt per Handy ein Bild aus deren Perspektive auf. Wenn man eine extra Hülle verwendet, dann ist es sogar noch einfacher: man lässt die Kamera einfach direkt ein paar Bilder machen, indem man vor ihr vorbeiläuft, und schaut sich das Ergebnis an. Das funktioniert aber halt nur, wenn die Befestigung nicht direkt an der Kamera angebracht ist.

Am Ende muss man auch hier einfach Erfahrungen sammeln und verschiedene Standorte oder Blickwinkel ausprobieren. Dabei darf man aber auch nicht gleich aufgeben – es sind nicht jeden Tag lauter Tiere unterwegs, die nur darauf warten, vor Kameras vorbeizulaufen.

Und was kommt dabei raus?

Die Ergebnisse davon können sich jedenfalls schnell lohnen: ob es das seltene, nachtaktive Tier ist, oder ein Tier oder Mensch bei etwas Lustigem aufgenommen wird – es gibt eigentlich immer was zu sehen. Und wenn man Glück hat, dann sind es auch nicht nur wackelnde Gräser…

Wir haben uns vor ein paar Monaten selbst eine einfache Wildkamera angeschafft, um unsere Futterstelle auf dem Balkon genauer zu beobachten. Ich hatte die Idee schon länger mit mir rumgetragen und nachdem wir beide gespannt waren, was da so zum Fressen vorbeischauen würde, haben wir nun unser eigenes kleines Setup. Die Ergebnisse können sich auch sehen lassen:

Zusätzlich zu den typischen Besuchen von Spatz und Meise haben wir sehr regelmäßig zwei Eichelhäher auf dem Balkon und auch Elstern schauen immer wieder vorbei. In einer Nacht hatte sich sogar ein kleines Säugetier hochgeschlichen, was aber leider zu unscharf war, um es sicher zu bestimmen. Nur Fledermäuse haben wir noch keine aufgenommen, obwohl wir sicher wissen, dass sie manchmal nah an uns vorbeifliegen – wir konnten sie nämlich auf dem Detektor hören. Und bei unseren Nachbarn im Garten wurden schon Igel, Marder und sogar ein Waschbär festgehalten…

Ein kleines Säugetier im Nachtmodus (schwarz-weiß) auf dem Balkon (© Cornelia Hebrank, 2025)
Und hier unser nächtlicher Überraschungsgast – was macht der denn auf unserem Balkon?
(© Cornelia Hebrank, 2025)

Aber das sind natürlich nur Spielereien im Vergleich zur eigentlichen biologischen Nutzung der Technik. Wenn die Kamerafallen entsprechend regelmäßig eingesetzt werden und auch die Auswertung nach klaren Kriterien erfolgt, dann kann man damit die Populationsdynamiken für verschiedene Arten bestimmen. Dazu werden zuerst Standorte für die Wildkameras ausgesucht, die möglichst viel Bewegung einfangen können, und diese Standorte werden dann regelmäßig mit der Kamera beobachtet.

Für die Auswertung werden alle aufgenommenen Tiere so genau wie möglich bestimmt: mindestens die Art, wenn möglich auch weitere Kategorien oder sogar die biologische Identität des Tieres sind relevant. Für häufiger vorkommende Arten lässt sich meistens schon über die gesehene Anzahl eine grobe Entwicklung ableiten, während seltenere Arten deutlich mehr Aufwand und längere Monitoringzeiten brauchen.

Ein schönes Beispiel für die coolen Ergebnisse, die über längere Zeiträume möglich sind, ist die Langzeitstudie von Panthera über Leoparden, die von Wildlife ACT durchgeführt wird. Dafür werden jedes Jahr in einem bestimmten Zeitraum haufenweise Wildkameras aufgestellt, um so viele Leoparden wie möglich aufzuzeichnen. Die dabei entstandenen Bilder werden dann anhand der einzigartigen Flecken den einzelnen Individuen zugeordnet und damit deren Bewegungen nachgestellt. Jedes Jahr werden so neue Individuen gefunden, aber einige Tiere wurden auch über mehrere Jahre – und sogar durch verschiedene geschützte Gebiete – verfolgt. Denn Leoparden sind gut im Ausbrechen und können auch schonmal zwischen Reservaten wandern (und falls ihrs noch nicht gelesen habt: es gibt auch einen eigenen Eintrag zu Leoparden).

Ein Bild einer Hyäne, die in die Kamera schaut (© Wildlife ACT, 2024)
Zwar kein Leopard, aber auch genug Punkte im Fell: diese Hyäne findet die Kamera doch ganz interessant, als sie auf dem Pfad vorbeikommt (© Wildlife ACT, 2024)

Und damit kennt ihr euch mit Wildkameras aus und habt die erste von vielen Naturschutztechniken im Detail verstanden – und ich glaube es war nicht zu technisch, oder? Ich fand es jedenfalls interessant, mal so etwas anderes zu erzählen und hoffe auch, dass ich es gut genug erklären konnte. Lasst mir gerne Feedback da, wie euch dieser Eintrag gefallen hat!


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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