Leider ist das typische Bild in den Köpfen, wenn man von Hyänen redet, fast immer ein sehr negatives. Ähnlich wie bei den Geiern haben sie ein abwertendes Image, das sie als gehässig, hämisch und hässlich darstellt – und das, obwohl diese Tiere eigentlich total faszinierend sind. Mit ihren biologischen Anpassungen und einer sehr speziellen Gruppenstruktur ist bei ihnen fast jede Begegnung interessant zu beobachten und auch ihr Jagd- und Futtersuch-Verhalten ist besonders.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass hier einfach die Schattenseite des pretty privilege durchkommt: da Hyänen keine besonders hübschen oder niedlichen Tiere sind, werden sie schnell zu „den Bösen“ degradiert, die anderen ihr Futter stehlen (was, wenn wir ehrlich sind, jedes Raubtier macht, wenn es die Chance dazu hat). Doch genug der Einleitung, schauen wir uns diese letzte der Fokusarten des Naturschutzes mal etwas genauer an.

Die typische (Tüpfel)Hyäne

Wenn man von Hyänen spricht, dann meint man damit meist die bekannteste Art dieser Tierfamilie: die Tüpfelhyäne (Spotted Hyaena). Die ist nämlich mit Abstand die häufigste und am weitesten verbreitete Hyänenart und oft ist den Menschen gar nicht bewusst, dass es noch andere gibt – doch zu denen später mehr.

Eine Tüpfelhyäne am Rand der Straße (© Cornelia Hebrank, 2024)
Hyänen haben generell die hohe Schulter und einen unebenen Gang, und diese Tüpfelhyäne zeigt gut, woher ihr Name kommt (© Cornelia Hebrank, 2024)

Die Tüpfelhyäne erkennt man an ihrem hellbraunen Fell mit schwarzen Punkten und sieht ein bisschen wie eine Mischung aus Hunde- und Katzenartigen aus, wobei sie tatsächlich näher mit den Katzen verwandt ist. Wenn man eine Tüpfelhyäne sieht, selbst aus der Nähe, lässt sich das Geschlecht nicht bestimmen, da die Weibchen „vermännlicht“ sind und einen Pseudopenis ausbilden. Die Ursache für diese Entwicklung ist ungeklärt, aber es wird vermutet, dass es mit der Aggressivität und Dominanz der Weibchen bei dieser Art oder auch den sozialen Begrüßungsritualen zu tun hat.

Bei diesen Hyänen gibt es nämlich weiblich geführte Clans, die eine besondere und seltene Zusammensetzung aufweisen, die wir uns gleich noch genauer anschauen werden. Durch diese Clans haben sich Tüpfelhyänen jedenfalls eine Machtposition in ihrem Ökosystem erkämpft und können so teilweise sogar Löwen ihre Beute streitig machen.

Die kräftigen, klobigen Tiere ernähren sich nämlich gerne von Aas, das sie schamlos auch anderen Raubtieren abnehmen. Als angepasste Aasfresser haben Hyänen besonders starke Kiefer, mit denen sie auch große Knochen aufbrechen können, um das nahrhafte Knochenmark zu fressen. Durch diesen großen Knochenanteil in ihrer Ernährung erkennt man ihren Kot auch schnell an seiner besonders hellen, weißen Farbe. Wie bei den Geiern schon erwähnt, unterstützen auch Hyänen als Aasfresser bei der Eindämmung von Krankheiten, da sie praktisch die Reste aufräumen.

Ihre Anpassung an das Aasfressen bedeutet aber nicht, dass Tüpfelhyänen nicht jagen können. Ganz im Gegenteil: in vielen Gegenden macht die aktive Jagd einen Großteil des Futters für einen Clan aus. Dabei sind die Tiere besonders ausdauernd und können ihre Beute über lange Strecken verfolgen, bevor sie diese durch eine schnelle Verfolgung einzelner Beutetiere erlegen.

So sind die Tüpfelhyänen sehr anpassungsfähig und kommen in den verschiedensten Habitaten vor, womit sie auch die am weitesten verbreitete Hyänenart sind. Daher sind sie global noch nicht als bedroht eingestuft, obwohl einige Populationen stark abnehmen. In Südafrika werden daher schon Schutzmaßnahmen eingeleitet, da die Tiere außerhalb der Schutzgebiete teilweise aktiv verfolgt und nicht toleriert werden. Leider spielen auch hier negative Ansichten über die Art und die Tötung von schlecht geschütztem Vieh eine große Rolle – besonders im südlichen Afrika.

Eine Tüpfelhyäne beobachtet ein Gnu aus der Ferne (© Cornelia Hebrank, 2016)
Hyänen können wie alle Raubtiere auch einfach entspannt durch die Landschaft ziehen und ihre Umgebung beobachten – wie diese hier (© Cornelia Hebrank, 2016)

In einigen Traditionen im östlichen Afrika werden sie aber in der Mythologie eher positiv dargestellt und bei manchen Stämmen werden ihre Toten aktiv den Hyänen überlassen. In wieder anderen Gegenden gibt es extra Hyänentore, an denen die Tiere zur Entsorgung von Metzgereiresten genutzt werden. Daran lässt sich aber auch nochmal gut erkennen, dass ein großer Teil des negativen Bildes auf Hyänen von westlichen Beschreibungen kommt…

Leben in der Clan-Struktur

Vorhin habe ich das Thema ja schon angeschnitten, dass Tüpfelhyänen gerne in großen Gruppen von bis zu über hundert Tieren zusammenleben. Dafür haben sie eine besondere Struktur entwickelt, wie sich die stark verteidigte Hierarchie in diesen Gruppen ergibt. Bei ihnen sind die Weibchen die führenden Tiere, die damit auch größer und aggressiver als die Männchen werden.

Drei dickfellige Tüpfelhyänen laufen mit einem Stückchen Beute herum (© Cornelia Hebrank, 2016)
Gemeinsam auf Futtersuche unterwegs – und in der kühleren Jahreszeit mit dickerem Fell…
(© Cornelia Hebrank, 2016)

Offensichtlich steht damit eine Hyänendame an der Spitze des Clans, die ihre Position offensiv verteidigt und mehr vom Futter abbekommt, da sie erstes Recht auf alle Beute hat. Aus letzterem ergibt sich, dass auch ihre Nachkommen wiederum mehr Futter abbekommen und kräftiger heranwachsen. Kombiniert mit dem Einfluss der Mutter, der schon während der Trächtigkeit hormonelle Auswirkungen zeigt, werden die Kleinen von höherrangigen Tieren aggressiver und haben damit schon erblich bedingt eine bessere Stellung im Clan.

Dadurch ergibt sich eine Hierarchie nach Müttern statt nach Alter der Tiere. Die Töchter der hochrangigsten Hyäne stehen somit schon mit wenigen Wochen höher als die zweithöchste, nicht mit ihnen verwandte Hyäne. Auch die Söhne der Anführerin haben bessere Chancen als die anderen Männchen im Clan, aber sie werden nie höher als ihre Schwestern stehen.

Eine einzelne Tüpfelhyäne im Winterfell (© Cornelia Hebrank, 2016)
Im Winterfell sehen die Hyänen ein bisschen dicker aus (© Cornelia Hebrank, 2016)

Bei so einem sozialen System braucht es natürlich auch klare Kommunikation. Die wichtigste Form davon ist hier der Geruch, an dem Hyänen gegenseitig ihr Geschlecht und ihre Gruppenzugehörigkeit erkennen können. Beim Begrüßungsritual zweier Hyänen wird jeweils am Geschlechtsteil der anderen geschnüffelt oder geleckt, wobei dieses vom unterwürfigen Tier aufgestellt wird. Dieses besondere Verhalten ist ein vermuteter Grund für die anatomische Anpassung der weiblichen Tiere mit ihrem Pseudopenis.

Zusätzlich zum Geruch nutzen Tüpfelhyänen auch ihre Laute, besonders das weit bekannte „lachen“, welches auch von niederrangigen Tieren als Zeichen von Unterwerfung verwendet wird. Sonst habe ich schon häufig die lauten „wuup“-Rufe gehört, mit denen sich die Tüpfelhyänen über weitere Strecken hin verständigen. Dieser Laut kann dabei andere Tiere herbeirufen, für die Verteidigung des Reviers genutzt werden oder auch Gefahr anzeigen. Damit ist die Tüpfelhyäne die mit Abstand lauteste der Hyänenarten und oft auch nachts durch diese Rufe zu finden.

Ganz andere Hyänen

Nun haben wir uns die typische Tüpfelhyäne ziemlich ausgiebig angeschaut. In der Familie der Hyänen gibt es aber vier Arten, von denen drei zu den echten Hyänen zählen und die vierte besonders spezialisiert ist. Bei den echten Hyänen gibt es eben die Tüpfelhyäne und die beiden näher verwandten Streifen- (Striped) und Schabrackenhyänen (Brown Hyaena). Tatsächlich unterscheiden sich diese beiden weniger bekannten Arten deutlich von der Tüpfelhyäne mit ihren großen Clans und eindrucksvollen Jagdaktionen am hellen Tag.

Ausschnitt eines Posters zu Hyänen - Schabrackenhyäne/Brown Hyaena
Da ich diese Arten leider noch nicht fotografieren konnte, habe ich nur Ausschnitte aus einem Poster, das über diese Tiere aufklärt – für einen ersten Eindruck hier die Schabrakenhyäne…

Fangen wir mit der Schabrackenhyäne an, da das die einzige andere Art ist, die ich selbst zumindest schonmal schemenhaft gesehen habe. Diese größtenteils dunkelbraune Hyäne kommt nur im südlichen Afrika vor und ist nachtaktiv – wir haben den Schemen damals auf der nächtlichen Fahrt grade noch lang genug im Scheinwerferlicht gesehen, um die Art im Weglaufen zu bestimmen. Nachts suchen diese Tiere häufig alleine nach Aas oder kleiner Beute, aber generell leben auch sie in Clans zusammen, auch wenn diese deutlich kleiner als die der Tüpfelhyäne sind und eher wie kleine Familiengruppen wirken.

Eine Streifenhyäne, die man an ihren schwarzen Streifen auf hellbraunem Fell erkennt, habe ich selbst noch nicht zu Gesicht bekommen, da sie eher in der nördlichen Hälfte Afrikas und dafür auch im westlichen Asien vorkommt. Sie ist noch einzelgängerischer und ernährt sich fast ausschließlich aus Aas, das sie vorwiegend nachts sucht und findet. Sonst ist diese Art bisher noch wenig erforscht und über sie ist daher am wenigsten bekannt.

Ausschnitt eines Posters zu Hyänen - Streifenhyäne/Striped Hyaena
…, die Streifenhyäne aus Nordafrika, …

Sowohl Schabracken- als auch Streifenhyäne sind deutlich seltener als die Tüpfelhyäne und daher auch mehr durch die Menschen und den damit verbundenen Rückgang ihrer Habitate bedroht. Trotzdem sind beide Arten aktuell noch als potentiell gefährdet eingestuft, vermutlich weil sie eher versteckt leben und daher weniger direkte Konflikte mit Menschen haben. Durch den deutlichen Rückgang der Population bei der Streifenhyäne und das geografisch recht kleine Verbreitungsgebiet der Schabrackenhyäne ist aber bei beiden Arten auch so schon abzusehen, dass auch sie Schutz brauchen.

Die vierte und kleinste Art der Hyänenartigen ist der Erdwolf (Aardwolf), der im südlichen und östlichen Afrika vorkommt und sich deutlich von den anderen Hyänenarten unterscheidet. Während er ähnlich wie die Streifenhyäne gefärbt ist, ist er nur etwa halb so groß und deutlich schmächtiger gebaut. Doch auch er ist nachtaktiv und versteckt sich tagsüber lieber in seinem Bau. Erdwölfe leben alleine in ihren geschlechterspezifischen Territorien und ernähren sich von Termiten und anderen Insekten, die sie mit ihrer breiten, klebrigen Zunge vom Boden lecken. Faszinierend ist dabei, dass in einer Nacht schon mal 300.000 Termiten gefressen werden, was dann knapp zwei Kilo Futter ist.

Ausschnitt eines Posters zu Hyänen - Erdwolf/Aardwolf
… und zum Abschluss den Erdwolf, der doch ein bisschen anders aussieht.

Da der Erdwolf mit seiner Größe und Ernährungsweise keine echten Schwierigkeiten mit den Menschen hat, lebt diese Art bisher recht stabil vor sich hin und passt sich an die Gegebenheiten an – ein bisschen wie unsere heimischen Füchse. Trotzdem braucht auch der Erdwolf einen passenden Wohn- und Jagdort zum Leben, also profitiert er deutlich von den vielen Schutzgebieten in seinem Verbreitungsgebiet.

Und das war die Übersicht zu den Hyänen, die damit auch unsere erste Runde von besonders geschützten und beobachteten afrikanischen Fokus-Tierarten abschließt – ich hoffe ihr habt wieder was gelernt! Da es mir echt Spaß macht, immer nochmal etwas mehr über diese spannenden Arten rauszusuchen und mich mit ihren zu beschäftigen, wird es auf jeden Fall noch eine zweite Runde zu afrikanischen Arten geben, in der wir auch etwas weniger bekannte Tiere besprechen können. Aber vielleicht machen wir erstmal mit den europäischen Arten weiter?


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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