Wir waren letzten Monat endlich mal wieder im Urlaub und haben uns dabei Edinburgh und die nähere Umgebung angeschaut. Dabei waren wir sehr vielseitig unterwegs, aber natürlich mussten auch wenigstens ein paar Tage mit Natur und Tieren zu tun haben. Also möchte ich euch von unserer Reise erzählen, und wie viel man in einer Woche auch nebenbei von der Natur und Umwelt an seinem Urlaubsziel sehen kann.

Natur mitten in der Stadt

Tatsächlich war das nämlich mit ein Punkt, warum ich gerne mal wieder nach Edinburgh wollte: die Stadt hat einige große Grünflächen (und nebenbei noch eine wirklich faszinierende Geschichte, finde ich zumindest). Durch die sehr hügelige Gegend befindet sich die Burg und die Altstadt Edinburghs recht hoch gelegen auf einer Art Felsenkette, während die neueren Teile der Stadt sich in den ebeneren Gebieten daneben ausbreiten. Und gerade rund um den alten Kern der Stadt sind auch einige Hügel unbebaut geblieben und zusätzlich neue Parks entstanden.

Fangen wir doch kurz mit letzteren an. Früher gingen die Seitenstraßen der Altstadt steil den Berg hinunter bis zu einem See an dessen Fuß. Dort laufen nun die Zugschienen durch und daneben befinden sich die Princes Street Gardens, ein schmaler, langgestreckter Park entlang einer der Hauptverkehrsadern der Stadt. Da er aber neben dieser Straße ins Tal abfällt, hat man dort nicht ganz die Lärmbelästigung, die man sonst erwarten würde – und einen tollen Blick nach oben auf die Burg.

Aber im Vergleich sind die Gardens nur kleine Grünflächen, selbst wenn man sich den kleineren Hügel ansieht: Calton Hill. Rundum von der Stadt eingeschlossen, hält sich dieser Hügel als kleines Naherholungsgebiet mit ein paar schönen alten Gebäuden an seiner Spitze und bewaldeten Hängen und grünen Wiesen. Während man dort spazieren geht, kann man zeitweise fast vergessen, dass man mitten in der Stadt ist – bis einen der Ausblick über die Häuser bis an die Küste wieder daran erinnert.

Doch nicht nur die Menschen nutzen diesen Hügel zur Erholung, sondern auch an Vögeln haben wir da einiges gesehen und zwitschern gehört. Und grundsätzlich hatten wir dabei einige sehr nahe Begegnungen, da die Tierchen gar nicht mal so scheu waren. Nachdem auch praktisch keine Autos zu sehen waren, fühlte man sich dort ein bisschen in die Zeit der alten Denkmäler zurückversetzt und konnte das untypisch gute schottische Wetter genießen.

Außerdem bot der Hügel auch einen Blick hinüber auf die andere Seite der Altstadt und damit auf die mit Abstand größte Grünfläche der Stadt: den Holyrood Park. Den kann man schon fast als eigenen Berg bezeichnen, da man dort problemlos für ein paar Stunden Wandern gehen kann. Also mussten auch wir ihn uns mal genauer anschauen (auch wenn ich ihn von meiner Summer School aus Studienzeiten noch sehr positiv in Erinnerung hatte).

Blick von oben auf den Holyrood Palace und den Park dahinter (© Cornelia Hebrank, 2025)
Direkt hinter dem Holyrood Palace beginnt der größte Stadtpark Edinburghs: der Holyrood Park, der einen richtigen Berg beinhaltet und zum Wandern einlädt (© Cornelia Hebrank, 2025)

Am liebsten hätten wir es bis hoch zu Arthur’s Seat geschafft, der höchsten Spitze des Berges auf 250 m Höhe, allerdings fehlte uns dazu die Zeit – und unsere Beine waren nach den Tagen voller Erkundung der Stadt auch langsam etwas müde. Das war aber gar nicht so schlimm, denn auch auf der niedrigeren Bergkette davor, den Salisbury Crags, gibt es bereits einen wirklich atemberaubenden Ausblick über die Stadt.

Blick aus der Mitte des Holyrood Parks über dessen Wiesen und Hügel (© Cornelia Hebrank, 2025)
Wenn man sich die Stadt im Hintergrund wegdenkt, dann ist man hier einfach in der Natur spazieren – und das ohne lange Anreisezeit (© Cornelia Hebrank, 2025)

Doch auch der Park an sich ist einfach hübsch – weil er so natürlich ist. Es gibt nur wenige befestigte Wege hindurch und der Rest sind Trampelpfade, sodass man gerade in den mittleren Tälern das Gefühl hat, einfach komplett in der Natur unterwegs zu sein. Und die schroffen Felswände mit den feuchten Wiesen dazwischen gehören einfach zu diesem Teil Schottlands, genau wie die drei Seen, oder eben Lochs, die den ansässigen Wildtieren genug Trinkwasser und den Vögeln passende Ruhezonen bieten.

Blick auf die Salisbury Crags und deren Klippen (© Cornelia Hebrank, 2025)
Die Steinformationen und Berge Edinburghs sind schon etwas Besonderes und zeigen wie schroff diese Landschaft Schottlands ist (© Cornelia Hebrank, 2025)

Entsprechend fand ich es einfach wieder schön, dass man sogar bei einem Städtetrip so viel Natur zu sehen bekommt. Es ist schon schade, wie selten man das bei uns in diesem Maße schafft. Falls ihr also auch mal nach Edinburgh kommen solltet, dann kann ich nur empfehlen, diese Parks als Pause zwischen den vielen spannenden historischen Attraktionen zu nutzen und dort ein bisschen die Seele baumeln zu lassen…

Der Zoo und die Royal Zoological Society

Edinburgh hat natürlich auch einen Zoo, sodass ich da neugierig wurde und mich schon vor der Reise mal informieren musste. Tatsächlich arbeiten hier der Zoo in der Stadt und ein Wildpark in den Highlands zusammen und gehören beide zur Royal Zoological Society Scotland (RZSS), die auch viel für den Naturschutz macht.

Im Zoo gibt es ein genetisches Labor, das sich besonders damit beschäftigt, die genetische Diversität von bedrohten Arten zu untersuchen und zu erhalten. Denn leider gibt es viele Arten, bei denen zumindest Subpopulationen in bestimmten Regionen der Welt in der Wildbahn nur noch aus sehr wenigen Individuen bestehen. Beispielsweise bei Geparden kämpfen wir deswegen immer noch damit, dass es in einigen Populationen zu viel Inzucht gab und die Tiere daher nicht mehr so fortpflanzungsfähig sind.

Der Highlands Park beschäftigt sich dafür mehr mit den Arten, die in Schottland einheimisch sind oder waren, sodass man dort die besonderen Rinder und auch die Wildkatzen beobachten kann. Außerdem werden da auch einige größere Arten gehalten, für die in der Stadt einfach nicht ausreichend Platz ist oder die es gerne etwas kälter mögen. Das fand ich natürlich schon mal gut.

Also stand der Zoo recht schnell auf unserem Urlaubsplan und wir nahmen uns einen halben Tag Zeit für den Besuch – was fast etwas zu wenig war. Dabei wollten wir neben unseren typischen Lieblingstieren auch einige Arten besuchen, die wir noch nie oder schon länger nicht mehr in echt gesehen hatten. Leider konnten wir nicht auf alle davon einen Blick erhaschen, aber trotzdem gab es schon gleich zu Beginn einige schöne Erlebnisse: die Pinguin-Landschaft kam mir zwar etwas eng vor, aber immerhin wurden dort alle drei Arten gemeinsam gehalten und konnten so auch miteinander interagieren. Besonders die Schwimmformationen der einzelnen Gruppen waren dabei echt schön zu beobachten. Und ein Eck weiter kletterten die Varis fleißig durch ihr Gehege und schauten uns recht frühen Besuchern neugierig entgegen.

Weiter ging es dann mit einigen größeren Tieren, für die wir erstmal einige Höhenmeter überwinden mussten. Dann kamen wir zum Tigergehege, das nicht nur für die Menschen spannend gestaltet war, sondern für die Tiere eine ordentliche Größe und viele Ebenen zum Klettern und Wildwuchs zum Verstecken hatte. Den einen Tiger fanden wir dennoch grade beim Schlafen im Gebäude, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es da auch schon echt coole Sichtungen „im Dschungel“ gegeben hat.

Nachdem ich Bären ja eh sehr gerne mag und faszinierend finde, musste ich auch bei denen vorbeischauen. Es gibt nämlich seit diesem Jahr auch einen Lippenbären (Sloth Bear), dessen Art ich bisher noch nicht in echt begegnet bin. Auch sein Gehege war schön groß und bot einiges an natürlicher Umgebung, auch wenn es natürlich nicht mit den Waldgehegen eines alternativen Bärenparks mithalten kann. Der Bär selber war im hinteren Teil davon unterwegs, sodass wir noch ein Stück weiter zum Hilltop Aussichtspunkt gehen mussten, um einen Blick zu erhaschen.

Und dann mussten wir natürlich noch nach den Katzen schauen gehen: der Zoo hat nämlich nicht nur schottische Wildkatzen, sondern auch Manule (Pallas’s Cats), die in den zentralasiatischen Gebirgsregionen vorkommen und besonders flauschig aussehen. Leider gehen auch die Bestände des Manul immer weiter zurück und so gibt es das PICA-Projekt, das sich um den Schutz dieser besonderen Art kümmert und vom Edinburgh Zoo unterstützt wird. Daher konnten wir zumindest ein paar interessante Informationen zu der Art lesen, auch wenn sich die Katzen nicht zeigen wollten.

Bei den schottischen Wildkatzen hatten wir mehr Glück – da sahen wir sogar schon beim ersten Vorbeilaufen einen Haufen Katze im Baumwipfel liegen. Durch die typisch grau-braun-gestreifte Färbung ist sie unauffällig genug, um sie einfach mal zu übersehen, aber das Knäuel an der Astgabel fiel dann doch auf. Bei unserem zweiten Besuch am Gehege hatte sich dann eine zweite Wildkatze dazugesellt und saß gemütlich auf einem der Schlafkästen herum – absolut putzig.

Doch leider kämpfen auch Wildkatzen ums Überleben in der Wildbahn. Da sie sehr nah mit den Hauskatzen verwandt sind, ist dabei die Hybridisierung eine der größten Gefährdungen für die Art. Aber auch sonst haben es die Katzen nicht leicht, da es immer weniger durchgängige Wälder gibt, in denen sie sich gut verstecken und jagen können. Daher hat die RZSS im Highlands Park ein Auswilderungsprojekt für diese Art, bei dem schon einige der Tiere erfolgreich in einem schottischen Nationalpark freigelassen werden konnten. (Und wenn ihr noch mehr über Wildkatzen wissen wollt, dann dürft ihr euch darauf freuen, dass es bald einen eigenen Eintrag zu der Art geben wird.)

Neben dem Gehege gab es auch einen ganzen Abschnitt mit Informationen zu den Wildtieren Schottlands und deren Problemen, den ich sehr schön gemacht fand. Insgesamt fand ich den Zoo ganz in Ordnung. Nicht alle Gehege waren so schön groß wie die von Tiger und Lippenbär, aber manche wurden auch gerade noch umgebaut. Und immerhin gab es einiges an Aufklärung über die Beteiligung an Artenschutzprogrammen und aktiver Forschung, was ich sehr wichtig finde – aber es bleibt natürlich ein Zoo, und man sieht auch bei manchen Tieren stereotype Verhaltensweisen, was mich wirklich traurig macht. Insofern: wenn ihr Zoos mögt, dann schaut da ruhig mal vorbei, und wenn nicht, dann kann ich das auch gut verstehen.

Naturhistorische Ausstellung im Museum

Mit der echten Natur direkt in Edinburgh sind wir damit eigentlich auch schon wieder durch – wir waren noch einen Tag an der Küste, aber das erzähl ich euch nächstes Mal – aber als kleiner Zusatz passt hier trotzdem noch unser Abstecher ins National Museum dazu. Dort haben wir erst am letzten Tag unserer Reise vorbeigeschaut und hatten deshalb auch nicht genug Zeit für alles, aber dafür war es super. Der Eintritt ist hier nämlich kostenlos, sodass man ohne schlechtes Gewissen auch einfach mal für zwei Stunden die Sachen anschauen kann, die einen am meisten interessieren – von Geschichte über Technik bis hin zu Tieren ist alles dabei.

Wir haben also in der großen Halle der Tiere vorbeigeschaut, wo es so einiges an interessanten Exponaten zu bewundern gab. Das Ganze darf man sich dabei nicht wie eine voll strukturierte Ausstellung mit einem bestimmten roten Faden vorstellen, sondern eher als eine Sammlung von themenbezogenen Tieren mit der entsprechenden Information dazu. Damit konnte man mal schauen und mal vorbeilaufen, was diesen „einfach mal vorbeischauen“-Charakter des Museums noch betonte.

Ein ausgestopfter Fuchs im Sprung, der an der Wand befestigt ist (© Cornelia Hebrank, 2025)
Und hop! Wer kommt denn da gesprungen? (© Cornelia Hebrank, 2025)

Auf jeden Fall gab es einige echt lustig oder niedlich dargestellte Tierchen und auch wirklich interessant gestaltete Themengebiete wie Tiere, die Vibration spüren und nutzen können, oder verschiedene Jagd- oder Fortpflanzungsarten im Vergleich. Die dargestellten Tierarten kamen dabei von überall auf der Welt, sodass man sowohl was über die europäischen Lebensweisen als auch über die vom anderen Ende der Erde etwas lernen konnte.

Was für uns dann für den passenden Abschluss sorgte, waren die beiden absolut niedlichen Manule oder Pallaskatzen, die wir in einer der Vitrinen entdecken. Da wir sie im Zoo leider nicht mehr gefunden hatten, konnten wir sie so zumindest nochmal aus der Nähe anschauen.

Zwei ausgestopfte Pallaskatzen (© Cornelia Hebrank, 2025)
Und da sind sie, die beiden niedlichen Pallaskatzen, die wir leider immer noch nicht in echt sehen dürfen. Aber das bleibt ein Ziel für die Zukunft! (© Cornelia Hebrank, 2025)

Und damit sind wir mit unseren Erinnerungen aus der schottischen Stadt erstmal durch. Es war auf jeden Fall ein toller Urlaub und am Ende hätten wir definitiv noch ein paar Tage mehr gebrauchen können. Aber es gab auch außerhalb von Edinburgh noch etwas zu sehen: wir fuhren nämlich für einen Tag an die Küste nach Dunbar. Und da man an der Küste bekanntlich nicht nur Natur, sondern auch alle möglichen Vögel zu Gesicht bekommt, wird das unser Thema für den nächsten Eintrag…


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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