Zur Abwechslung gibt es mal wieder ein ganz aktuelles Thema: Schneespaziergänge! Denn es war ja endlich mal wieder ein echter Winter – so mit Schneegestöber und Temperaturen unter null Grad. Und auch wenn man sich bei solchem Wetter lieber unter einer warmen Decke im Sessel einkuschelt, so ist es doch geradezu perfekt, um die Tiere in unserer Umwelt etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bei uns gab es nach dem Schneefall auch wirklich schöne Tage, oder zumindest welche, an denen es trocken blieb, und da mussten wir natürlich ein paar Spaziergänge durch die weiße Landschaft unternehmen. Denn nach dem Workshop Wolf, bei dem ich auch die Grundlagen des Spurenlesens gelernt habe, bin ich immer auf der Suche nach Tiergeschichten, die es zu entdecken gilt…

Eine Winterlandschaft im Schnee (© Cornelia Hebrank, 2026)
Endlich mal wieder ein weißer Winter – wenn auch nur kurz (© Cornelia Hebrank, 2026)

Spurenlesen als kleine Geschichte…

Denn auch ohne super Kenntnisse im Spurenlesen lassen sich oft zumindest kleine Geschichten „lesen“: das kann schon ganz einfach anfangen, mit der wandernden Nachbarskatze im eigenen Vorgarten oder dem Eichhörnchen bei der Überquerung der Straße. Natürlich ist es deutlich einfacher, solche Spuren zu erkennen, wenn man etwas Übung hat und zumindest die häufigsten Arten kennt, aber für die ersten Versuche braucht man das nicht unbedingt.

Nehmen wir doch die Geschichte mit der Nachbarskatze. Auf den ersten Blick ist eine Katzenspur nicht leicht von der eines kleinen Hundes zu unterscheiden. Aber zum Glück kennen wir unsere Nachbarschaft und kommen mit etwas logischem Denken oft recht weit. Beispielsweise war das Gartentor die ganze Zeit geschlossen und wir hatten keine Besucher mit Hund, also kann diese Pfotenspur, die vom Zaun kommt und auf der anderen Seite des Hauses beim Zaun zum Nachbargarten verschwindet, eigentlich nur von einer Katze sein.

Wenn man sich nun ein bisschen Zeit nimmt und den Verlauf der Spur mal genauer anschaut, dann zeigen sich die interessanten Stellen – hier hat das Tier wohl interessiert geschnuppert, jedenfalls ist es an der Stelle hin und her gelaufen, und dort fehlt der Schnee auf den niedrigen Ästen, also ist es wohl daran entlanggestreift. Und schon haben wir einen kleinen Teil unserer Tierwelt beobachtet.

Wir kamen tatsächlich nach der Katzenspur nicht viel weiter, da im frischen Schnee gleich die nächste Geschichte auf uns wartete: eine Eichhörnchen-Spur, die anhand der typischen Sprünge des Tieres recht eindeutig zu erkennen ist. Es ist schon lustig, dass ich früher nie so genau zugeschaut habe, wie sich so ein Hörnchen fortbewegt – in meinem Kopf hatte ich da nur das am Baum kletternde Eichhörnchen… Aber als wir beim Spurenlesen-Workshop die verschiedenen Fortbewegungsarten durchgegangen sind, war das ein echtes Aha-Erlebnis – und seitdem fällt mir bei jedem Eichhörnchen, das ich über die Straße rennen sehe, auf, wie große Sprünge es macht.

EIchhörnchen-Spuren im Schnee (© Cornelia Hebrank, 2026)
Und da ist das Eichhörnchen gehüpft! Am Ende finden sich in der Spur die Hinterfüße vor den Vorderfüßen, da das Hörnchen mit Schwung unterwegs ist (© Cornelia Hebrank, 2026)

Da man so eine Spur wirklich gut erkennen kann, bietet sich die auch für Anfänger an. Eine der ersten Spuren, die wir im Workshop verfolgt haben, war ein Eichhörnchen. Am Ende hatten wir eine richtige Strecke zusammengepuzzelt: es kam von der anderen Straßenseite, von einem Baum herunter, unter einem geparkten Auto durch, über die Straße, auf ein anderes Auto und von dort in den Busch am Rand des Gehwegs. Anfangs dauert das dann schon eine Weile, weil man ein paar Mal hin und her laufen muss, um alle sichtbaren Teile der Spur zu finden und auch einen durchgängigen Pfad zu entdecken – aber irgendwie ist es dann ein absolut cooles Gefühl, wenn man sich die Geschichte am Ende so zusammenbauen konnte, dass sie auch Sinn ergibt.

… oder als Bestandsaufnahme der Vielfalt

Vor der eigenen Haustüre findet man aber vermutlich nicht viel mehr als Hunde, Katzen und Eichhörnchen, also muss man schon ein bisschen spazieren gehen. Am besten eignen sich Waldgebiete oder Waldränder und Wege, auf denen zwar schon Menschen unterwegs sind, aber vielleicht nicht gar so viele. Sonst wird es nämlich grade am Anfang schwierig, die Wildtierspuren von denen der Hunde zu unterscheiden, und auch generell lassen sich Spuren einfacher verfolgen, wenn die Wege nicht komplett „ausgelatscht“ sind.

Ein zugeschneiter Weg durch einen Wald (© Cornelia Hebrank, 2026)
Ruhige Wege mit nur ein paar Menschen-Spuren sind die besten Stellen zum Spurenlesen – hier findet man die Tierspuren viel leichter (© Cornelia Hebrank, 2026)

An einer solchen Stelle hat man also die besten Voraussetzungen, um ein paar interessante Spuren zu entdecken. Ich würde nun gerne sagen, dass ich beim letzten Waldspaziergang alle kreuzenden Tiere sicher bestimmen und meinen Begleitern erklären konnte – aber das wäre absolut gelogen. Leider übe ich ja auch nur noch sehr selten und entsprechend kann ich nur bei wenigen Arten wirklich direkt eine Aussage treffen.

Aber das soll jetzt keineswegs abschreckend wirken! Es macht trotzdem jedes Mal wieder Spaß, einfach auf die Suche zu gehen und zu sehen, was man finden kann. Für den Anfang würde ich deshalb empfehlen, einfach ohne Druck mal zu schauen, wie viele verschiedene Spuren ihr auf dem Spaziergang entdecken könnt.

Denn grade am Anfang ist es gar nicht so einfach, die Größe vom Tier zu dessen Abdruck zuzuordnen. Das liegt zum einen daran, dass die Spuren im Schnee gerne auch mal größer aussehen, weil man beim Gehen darin einsinkt, aber gleichzeitig nicht die stabilsten sind und so am Rand kleine Verwehungen entstehen können. Also schaut man sich lieber erstmal verschiedene Spuren an, bevor man direkt auf die Suche nach einzelnen Tieren geht – außerdem kann man so schonmal die kleinen Wildpfade entdecken, die die Tiere gerne nutzen.

Einige Arten lassen sich aber auch recht gut zuordnen, wie beispielsweise die Rehe. Mit ihren paarigen Hufen sind sie eigentlich nur mit den Wildschweinen zu verwechseln, wenn man nicht gleich die verschiedenen Arten von Reh- und Rotwild unterscheiden möchte. Und glücklicherweise sind Rehe auch häufig genug, dass sie eine dankbare Art zum Üben abgeben – bei unserem Spaziergang war das eine der typischsten Spuren, die unseren Weg gekreuzt hat.

Eine Reh-Spur auf einem kleinen Weg (© Cornelia Hebrank, 2026)
Ein typischer Anblick: zwischen verschiedenen Schuhabdrücken und einer Fahrradspur findet sich auch ein klarer Abdruck von einem Reh (© Cornelia Hebrank, 2026)

Doch es gibt auch noch andere Tiere oder Tiergruppen, die sich recht sicher bestimmen lassen. Meistens weiß man in der heimischen Umgebung schon, wo auch mal ein Hase zu sehen ist – und durch dessen Sprünge sind seine Spuren auch recht gut zu erkennen, zumindest wenn man ihnen ein Stück weit folgen kann.

Und auch die Vögel lassen sich problemlos erkennen: sie haben schließlich keine Pfoten, sondern zeigen ihre Füße eher als einzeln auseinandergespreizte Zehen. Diese unterscheiden sich in Länge und Anordnung zwischen den verschiedenen Vogelarten, aber das soll uns erstmal nicht so sehr interessieren. Viel spannender ist es doch, zu sehen, wo der Vogel herumgestakst ist, wann er einen Hüpfer gemacht hat und wann er dann wieder abgeflogen ist!

Und einfach ein Genuss in Weiß

Apropos Vögel: natürlich sind die paar Tiere, die hier überwintern, in dieser Jahreszeit auch deutlich einfacher zu sehen. Es sind keine Blätter im Weg und jegliche Farbe fällt im weiß-braunen Landschaftsbild noch mehr auf als sonst. Also bietet sich der Spaziergang nicht nur für die Beobachtung des Bodens an.

Für mich hat das Spurenlesen dabei aber trotzdem etwas Beruhigendes, das besonders gut zu der Winterstimmung passt. Denn um so einer Spur zu folgen und wirklich mitzubekommen, was das Tier getan hat, braucht man etwas, was heute viel zu sehr aus der Mode gekommen ist: Geduld. Man muss sich die Zeit nehmen, etwas Unbewegtes, von dem man nicht genau weiß, wie spannend es am Ende wirklich wird, in Ruhe anzuschauen. Und das fällt uns heute gefühlt deutlich schwerer als früher.

Doch man kann das auch von einer anderen Seite aus betrachten: solche Spuren sind etwas, das nicht wegläuft, bei dem man nicht aufpassen muss, nichts zu verpassen – man kann sich dafür genau so viel Zeit nehmen, wie man möchte. Und für mich bringt das Ruhe und erlaubt mir, für ein paar Minuten den ganzen Stress um mich herum zu vergessen. Fast wie eine Form der Achtsamkeit.

Blick auf eine verschneite Winterlandschaft (© Cornelia Hebrank, 2026)
Also, auch wenns kalt wird: einfach mal rausgehen, tief durchatmen und dann ganz in Ruhe durch die Natur spazieren – wer weiß, was ihr dort findet… (© Cornelia Hebrank, 2026)

Falls ihr jetzt aber sagt, gemütlich anschauen ist ja schön und gut, aber viel lieber will ich wirklich wissen, was da langgelaufen ist – auch dann habe ich eine Empfehlung für euch. Denn Spurenlesen ist etwas, das man auch gut selbst lernen kann, wenn man genug Motivation mitbringt, um sich einzulesen und zu üben. Denn es gibt ziemlich gute Bücher zum Thema, und zwar in der passenden Größe für jeden.

Ich würde empfehlen, mit einem kleinen Ratgeber zu starten, den man leicht auch mit nach draußen nehmen kann. Aber wenn ihr wirklich in das Thema einsteigen wollt, dann empfiehlt es sich, mit Block, Stift und Maßband rauszugehen. So haben wir das zumindest in dem Spurenlesen-Workshop gelernt. Und wir haben auch schnell festgestellt, dass unsere Zeichnungen an jedem Tag besser wurden – denn wenn man mit der Zeichnung zurück beim dicken Wälzer ist und genau eine Information für die Bestimmung fehlt, dann schaut man beim nächsten Mal direkt genauer auf die Stelle…

Selber hätte ich auch wirklich Lust, da wieder etwas mehr zu machen, aber leider ist der Schnee schon wieder weg und in den letzten Wochen hatte ich mit den Winterzählungen der Fledermäuse schon so kaum noch freie Tage. Aber natürlich kann man nicht nur im Schnee auf Spurensuche gehen – auch Sand und Matsch eignen sich gut dafür. Allerdings hat man das zugegeben nicht unbedingt immer direkt um die Ecke.

Doch genug gelabert – ich hoffe ich konnte euch ein paar Ideen geben, für wenn es das nächste Mal schneit, und vielleicht findet ihr ja dann auch ein paar Geschichten im Schnee, denen ihr zumindest für ein paar Schritte folgen könnt…


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Veröffentlicht von

Eine Antwort zu „Ein Winterspaziergang – oder: Spuren im Schnee“

  1. Avatar von ritahebrank
    ritahebrank

    Das macht richtig Lust auch mitzuschauen und neugierig in alle Ecken zu lugen

    Gefällt 1 Person

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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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