Für mich sind Bären mittlerweile ein Symbol für Gelassenheit und Ruhe, aber auch Natürlichkeit und Kraft, und ich finde diese Tiere absolut spannend und besonders. Das „mittlerweile“ kommt dabei daher, dass ich die Art erst so richtig kennen und schätzen gelernt habe, als ich das erste Mal im alternativen Bärenpark in Worbis war. Ich war damals eigentlich deswegen hingefahren, weil es dort auch Wölfe gibt, habe aber so viel über die faszinierenden braunen Giganten erfahren, dass ich sie seitdem in einem anderen Licht sehe.

Dazu muss man wissen, dass die alternativen Bärenparks anders als ein typischer Zoo aufgebaut sind und wirklich große und naturbelassene Gehege besitzen, in denen sie Bären aus schlechter Haltung ein schöneres Leben ermöglichen. Letztes Jahr war ich im zweiten Park im Schwarzwald, was ihr hier nachlesen könnt, und auch dort konnten wir wieder das natürliche Verhalten der Braunbären beobachten. Denn so interessant es sein kann, ein Tier mal „in echt“ in einem Tierpark zu sehen, umso schöner ist es, wenn man ihm in seiner natürlichen Umgebung bei normalen Verhaltensweisen zuschauen kann. Doch was macht so ein Bär normalerweise?

Zwei Bären brummen sich an (© Cornelia Hebrank, 2025)
Bei unserem letzten Besuch im Bärenpark im Schwarzwald konnten wir einiges an spannenden Interaktionen sehen, wie bei diesen beiden (© Cornelia Hebrank, 2025)

Koloss, Kletterkünstler und Einzelgänger

Durch seine Größe und Masse muss ein Braunbär so einiges fressen, um fit zu bleiben und satt zu werden. Als nachtaktive Tiere sind Bären dabei vor Allem in der Dämmerung und in der Dunkelheit unterwegs und verbringen einen guten Teil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche. Dabei bewegen sie sich meist gemächlich und gemütlich fort, obwohl sie bei Bedarf auch richtig rennen können – und dabei bis zu 50 Kilometer pro Stunde erreichen können!

Doch schnell laufen ist nicht alles, was so ein Braunbär kann. Er mag auch Wasser sehr gerne und kann darin nicht nur baden gehen, sondern auch mal längere Strecken schwimmen. Außerdem sind besonders junge Bären auch absolute Kletterkünstler und erklimmen auch hohe Bäume ohne jegliche Schwierigkeiten – ich durfte das nicht nur einmal direkt beobachten, als ich in den Bärenparks unterwegs war. Und da schaut man schon nicht schlecht, wenn der Baum „umarmt“ wird und der Bär wenig später oben gemütlich Zapfen von den Ästen rupft.

Also Bären können mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut, aber insgesamt sind sie doch recht gemütliche Gesellen. Statt dass sie sich im Winter mit der aufwändigen und fast aussichtslosen Nahrungssuche beschäftigen, halten die Tiere lieber einen langen Winterschlaf, der vom Spätherbst bis in den Frühling reichen kann, wenn es in dem Gebiet kalt genug wird und bleibt. Dabei verlangsamen sie ihre Atmung und ihren Herzschlag stark, sodass ihre Körpertemperatur ein bisschen abnimmt und sie deutlich weniger Energie verbrauchen.

Trotzdem nehmen sie in dieser Zeit bis zu 40% ihres Gewichtes ab, sodass sie sich im Herbst den Bauch ordentlich vollschlagen müssen. Sie legen dafür nämlich extra Fettgewebe an, um über den Winter nicht zu verhungern, und bereiten auch ihre Höhle für die Überwinterung mit trockenen Pflanzen und Schutz vor der Witterung vor.

Ein gemütlich liegender und ausruhender Bär (© Cornelia Hebrank, 2021)
Auch wenn noch keine Winterschlaf-Zeit ist, liegen die Bären immer gerne mal gemütlich rum und ruhen sich aus (© Cornelia Hebrank, 2021)

Umso faszinierender ist es, dass die Weibchen die Jungen während dem Winterschlaf austragen und noch in der Überwinterungshöhle gebären. Dabei bekommen sie typischerweise zwei bis drei Junge, die ihre Mutter dann für die nächsten zwei bis vier Jahre begleiten und dabei von ihr lernen. Anschließend werden sie verjagt und bleiben manchmal noch für ein paar Jahre als Geschwister zusammen, um Spiel- und Jagdgefährten zu haben.

Wenn diese Zeit vorbei ist, dann findet man in Bären aber eher Einzelgänger, die noch bis zu ihrem zehnten Jahr weiter wachsen und in freier Wildbahn über zwanzig Jahre alt werden können. Bei einem so langen Leben kann man sich ja dann auch mal Zeit lassen und es gemütlich angehen!

Fleischfresser, Raubtier und Gefahr?

Braunbären sind die größten einheimischen Raubtiere und werden als Allesfresser klassifiziert. Tatsächlich ernähren sie sich zu etwa 80% vegetarisch, wobei täglich mehrere Kilo an Grüngemüse, Wurzeln, Pilzen und am liebsten Beeren vertilgt werden. Dazu kommen gerne auch Insekten, Vogeleier und natürlich Honig auf den Speiseplan, womit sich doch eine recht spannende Futter-Zusammensetzung ergibt.

Das bedeutet aber nicht, dass sie kein Fleisch und keine Tiere fressen würden. Besonders wenn Bären auf Aas stoßen, beispielsweise auf die Beute von kleineren Raubtieren wie auch Wölfen, schnappen sie sich dieses gerne – durch ihre Größe und Kraft fällt es ihnen dabei oftmals leicht, kleinere Jäger zu vertreiben. Aber sie sind nicht unbedingt so „faul“ bei der Futtersuche: wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann werden Fische gefangen, Nagetiere geschnappt oder ausgebuddelt und auch schon mal ein größeres Beutetier erlegt.

Allerdings machen Bären nur selten aktiv Jagd auf größere Tiere, da das vermutlich die aufwändigste Form von Ernährung für sie ist – und irgendwie mögen die Kolosse es halt doch lieber ein bisschen gemütlich. Daher sind sie im normalen Alltag auch keine direkte Gefahr für den Menschen und man kann ihnen aus der Ferne typischerweise problemlos begegnen, ohne große Sorgen zu haben.

Es gibt aber zwei Zeiten, zu denen eine Begegnung gefährlich werden kann und vermieden werden sollte: während des Winters, wenn die Bären ihren Winterschlaf halten, kann es sein, dass sie kurze Ausflüge aus ihrer Höhle heraus unternehmen, um sich nochmal zusätzlich mit Nahrung zu versorgen. Dabei haben sie oft ziemlich miese Laune und reagieren deutlich unfreundlicher als bei wärmerem Wetter. Auch während der Jungenaufzucht sollte man definitiv sehr vorsichtig vorgehen, wenn man sich in Bärengebiet befindet – offensichtlich haben Bärenmamas einen sehr stark ausgeprägten Beschützerinstinkt und können dabei schon mal über die Stränge schlagen…

Ich persönlich habe da einige spannende und nicht ungefährliche Geschichten gehört, als ich beim Workshop Wolf in der Slowakei unterwegs war – von unserem Spurenleser und ganz besonders auch von einem der Naturfilmer, der schon mehrere knappe Begegnungen mit Tieren hatte (Berufsrisiko und so). Der letztere war beispielsweise mal einem Bären auf dem Rückweg zu dessen Winterschlaf-Höhle begegnet und musste sehr schnell ausweichen, um nicht umgerannt zu werden. Wir haben aber zum Glück keine direkte Begegnung dieser Art gehabt und auch keine frischen Bärenspuren im Schnee gefunden – dafür aber Kratzspuren an einer Holzhütte, die uns schon etwas bedenklich gestimmt haben!

Ein liegender Bär präsentiert seine Tatzen (© Cornelia Hebrank, 2025)
Hier sieht man die Krallen recht gut – die sind schon gut lang und groß, da möchte man nicht drunter geraten… (© Cornelia Hebrank, 2025)

Denn das ist eine weitere Sache, bei der man im Bärengebiet echt aufpassen muss: mit Essen. Bären haben wie viele Tiere eine sehr feine Nase und fressen wie gesagt alles Mögliche, haben also auch an so gut wie allem Interesse. Wenn man also in ihrer Nähe unterwegs ist, dann muss man sich besonders beim Übernachten im Zelt oder in kleinen Hütten gut überlegen, was man mit seinem Essen macht. Vermutlich kennt ihr auch die Aussage, dass man das Essen lieber außerhalb des Zeltes in einiger Entfernung stehen lässt, damit man im Zweifel keinen ungewollten nächtlichen Besuch abbekommt…

Dank der Kälte waren wir nicht in Zelten unterwegs und hatten somit nur tagsüber unsere Verpflegung dabei, aber auch da gab es spezielle Verhaltensregeln und allen war klar – im Notfall geben wir unsere Rucksäcke mit dem Essen auf und retten lieber uns! Zur Sicherheit hatten wir auch immer ein Abwehrspray dabei, aber das ist wirklich nur das allerletzte Mittel zur Abwehr und wir waren durchaus froh, dass wir es nie nutzen brauchten.

Ausbeutung, Ausrottung und Rückkehr

Nun habe ich schon einiges zu wilden Bären erzählt, aber die meisten von euch haben diese Tiere vermutlich (wenn überhaupt) eher in einem Zoo oder Tierpark zu Gesicht bekommen – oder vielleicht sogar in einer alten Bärengrube oder einem ähnlich schlimmen Umfeld. Denn leider gibt es auch heute noch zu viele Stellen, an denen Bären wegen irgendwelchen Traditionen in absolut unwürdigen Bedingungen gehalten werden, auch bei uns in Europa. Teilweise hebelt dabei das „kulturelle Erbe“ den Tierschutz aus, sodass die Bedingungen eigentlich so nicht mehr erlaubt wären – und da kommen dann Organisationen wie die Stiftung für Bären ins Spiel, die solche Haltungen ankreiden und versuchen, die Bären von dort zu retten.

Ursprünglich hatte die Stiftung auch noch viel damit zu tun, dass Bären als Zirkustiere missbraucht wurden, aber seit 2016 gibt es zumindest in Deutschland keine Zirkusbären mehr. Als ich damals das erste Mal im Bärenpark in Worbis war und mir dort die Ausstellung zu dem Thema angeschaut habe, war ich absolut angeekelt von dem, was wir Menschen diesen Tieren dabei antun. Nicht nur die Haltung auf viel zu kleinem Raum in Gitterkäfigen mit Betonboden, sondern auch die Misshandlung, um die Tiere gefügig zu machen: Futterentzug und Nasenringe durch das empfindlichste Stück der Schnauze sind Beispiele davon.

Leider gibt es weiterhin Regionen, in denen junge Bären als Touristenattraktionen gehalten werden, aber immerhin werden es weniger und die Schutzbemühungen werden mehr. Doch ähnlich wie beim Wolf wurden Braunbären früher aktiv und explizit ausgerottet, sodass der letzte deutsche Bär in der Mitte des 19. Jahrhunderts getötet wurde.

Langsam, aber sicher kehren die großen Tatzengänger jedoch wieder nach Deutschland zurück. Mit Ausnahme des „Problembären“ Bruno geht das Ganze auch recht ruhig und unscheinbar voran – aber vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei den Bären eine ähnliche Diskussion wie die zum Wolf startet… Tatsächlich gibt es seit 2019 immer wieder Sichtungen von Bären oder entsprechende Nachweise durch Kamerafallen im Süden von Deutschland und hin und wieder ist auch mal ein Bär schuld am Verschwinden eines Schafes.

Aber was unterscheidet einen friedlich durch die Berge wandernden Bären von einem Problembären? Wie so oft leider vor Allem die Menschen in seiner Umgebung… Ein wildlebender Bär wird kaum zu einem echten Problem, solange er genug zu Fressen findet und sich zurückziehen kann. Wird aber ein Bär schon in jungen Jahren von Menschen angefüttert und lernt direkt, den Mensch mit Futter zu verbinden, dann sieht es ganz anders aus. Denn hat so ein Tier einmal die Scheu vor unseren Ansiedlungen verloren, dann wird es nicht nur forscher, sondern kommt auch absichtlich und häufiger vorbei – und dann ist es fast nur noch eine Frage der Zeit, bis etwas passiert.

Denn auch hier gilt: Bären sind gerne faul. Wenn man also durch das Umwerfen einer Mülltonne mehr Essensreste findet als bei einer stundenlangen Suche im Wald – na, wo würdet ihr dann euer Futter holen?

Ein Bär steht in einem flachen Bach (© Cornelia Hebrank, 2025)
Diese schönen und kraftvollen Tiere haben es verdient, dass wir sie besser behandeln und dass auch sie in ihre natürlichen Lebensräume zurückkehren können (© Cornelia Hebrank, 2025)

Also sollten wir Menschen auch im Hinblick auf Bären wieder mehr lernen, wie man mit der Natur und den wilden Tieren vor der eigenen Haustüre am besten umgeht. Denn bleiben wir mal realistisch: es gab nicht nur historisch gesehen sehr viele Menschen, die problemlos mit diesen Tierarten eine Region geteilt haben – auch heute gibt es genug Gegenden, in denen Bär, Wolf und Mensch ohne wirkliche Probleme zusammenleben. Ja, wir müssen uns dafür vielleicht auch ein bisschen umstellen, aber wenigstens das sollte uns unsere Umwelt eigentlich schon wert sein, findet ihr nicht?


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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