Draußen war es noch bis vor kurzem schön kalt und weiß, die ganze Natur ruht, bis auf ein paar kleine Vögelchen, die durchgehend aktiv sind und piepend durch die Büsche streifen. Aber die sind die Ausnahme, denn die meisten Tiere sind entweder in den Süden gezogen oder haben es sich zum Winterschlaf bequem gemacht – so auch die Fledermäuse.
Die Fledermausarten, die bei uns überwintern, hängen gerade immer noch in Höhlen, Kellern und anderen kalten Spalten und versuchen, so viel Energie wie möglich zu sparen. Dafür brauchen sie allerdings ihre Ruhe, denn schon einzelne Störungen können dazu führen, dass sie den Winter nicht überleben. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir Menschen sie zu dieser Zeit nicht stören. Das Betreten von Fledermaushöhlen im Winter ist sogar gesetzlich verboten, um die Tiere zu schützen – bitte haltet euch also wirklich daran!

Natürlich ist für den Naturschutz aber auch wichtig, zu wissen, wie viele Fledermäuse aktuell noch bei uns überwintern. Und bei diesen Zählungen helfe ich seit letztem Jahr aktiv mit. Leider ist auch das ruhige und vorsichtige Zählen der Fledermäuse eine Störung für deren Winterschlaf, aber wir haben gelernt, wie wir diese Störung minimieren können und zählen deswegen jede Höhle und jeden Keller auch nur einmal im Jahr. Um das sicherzustellen, wird die Zählung von offizieller Seite koordiniert und wir bekommen eine explizite Genehmigung von der Naturschutzbehörde.
Zum Glück muss ich das meiste von dieser Organisation nicht selber machen, da ich größtenteils als Unterstützung zur Artenbestimmung bei bestehenden Gruppen mitgehe. So hat es dieses Jahr an drei Wochenenden geklappt, dass ich bei der Suche nach den putzigen kleinen Tierchen dabei sein durfte…
Erstes Wochenende: Felsenkeller mit Anleitung
Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, in bestehende Gruppen von Fledermauszählern aufgenommen zu werden, da man idealerweise nicht mit zu vielen Leuten in die Höhlen und Keller geht, um die dortige Temperatur nicht zu sehr zu stören. Zum Glück hatte ich durch die Teilnahme am Bestimmungskurs letztes Jahr (über den ich auch zwei Einträge geschrieben habe) aber die passenden Kontakte, sodass ich auf der Tagung der Fledermausschützer Bayerns im November den richtigen Leuten vorgestellt wurde. Im Landkreis Roth konnten sie nämlich noch Unterstützung für die Bestimmung brauchen und da das nicht so weit weg ist, war ich gerne dabei.
Mit dieser Planung standen dann zwei Touren schonmal fest: eine mit unserem Trainer von letztem Jahr und dann eine zweite nur mit der Ortsgruppe. Dieser erste Tag mit etwas mehr Anleitung war mir dabei echt wichtig, weil man halt nur einmal im Jahr nach winterschlafenden Fledermäusen sucht und die Unterschiede zwischen den Arten da echt nicht groß oder gar einfach zu erkennen sind. Also macht es absolut Sinn, nochmal mit Absicherung anzufangen und sich wieder „einzuschauen“.
Außerdem lagen auf dieser Tour auch die Keller mit den meisten Fledermäusen, da man bei diesen natürlich die besten Zähler dabeihaben möchte. Und so freute ich mich schon besonders auf den Samstag, an dem es losgehen sollte. Womit allerdings keiner von uns gerechnet hatte: in den Tagen vor dem Termin schneite es so heftig, dass dann immer noch eine ordentliche Schicht Schnee lag – besonders auf dem Land.

Aber wir hatten den Termin mit so vielen Leuten geplant, dass er trotzdem stattfand. Der Schnee bedeutete für uns, dass wir nicht wie üblich mit den Autos bis vor die Keller fahren konnten, sondern stattdessen immer etwas weiter entfernt ebene und sinnvolle Parkplätze suchen mussten. Damit gab es die Schneewanderung direkt noch inklusive, was nicht so schlimm war, da die Landschaft so absolut hübsch war.


Wir stapften also den Berg hinunter zu den ersten Kellern und machten uns auf die Suche. Sehr schnell sahen wir auch die ersten großen Mausohren hängen, und auch in den engeren Spalten war so einiges los. Man kann leicht vergessen, wie klein und versteckt die Tierchen unterwegs sind! Bald war ich also sehr froh, nochmal mit Experten unterwegs zu sein, denn ich musste mich wirklich erst wieder an die Feinheiten erinnern, bevor ich auch nur ansatzweise das Gefühl hatte, die Tiere hier bestimmen zu können.
Mit den nächsten Kellern und mehr Fledermäusen wurde es aber langsam wieder besser, sodass ich schon bei der Mittagspause merkte, dass die ganzen Tipps und Bestimmungshilfen aus dem letzten Jahr doch nicht vergessen waren. Doch solche Zählungen sind wirklich anstrengend: die Keller sind teilweise recht niedrig, sodass man sich beim über-Kopf-in-Spalten-schauen schon mal etwas verrenken muss, und auch das Taschenlampe ständig hochhalten wird mit der Zeit schwerer als man denken sollte… Und dass dann dieses Mal noch die Schneewanderungen dazukamen, das half auch nicht wirklich.


Aber dafür wird man ja schließlich auch mit den putzigen Fledermäusen belohnt, die man immer wieder in den Spalten finden kann. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass die es absolut wert sind (aber ich gebe zu, dass ich da etwas voreingenommen bin 😉). Ich war also noch bei zwei weiteren Bergwanderungen zu Höhlen dabei, bevor mir dann langsam aber sicher die Puste ausging und ich mich am späteren Nachmittag ausklinkte. Dennoch war es ein super Anfang für die Saison und mein Ziel war erreicht: ich fühlte mich wieder ein bisschen sicherer beim Bestimmen.

(© Cornelia Hebrank, 2026)
Zweites Wochenende: Suche nach den Kellern
Als wir dann eine Woche später nochmal aufbrachen, zeigte sich uns ein komplett anderes Bild von der Freiwilligenarbeit im Fledermausschutz: zwar war der Schnee mittlerweile abgetaut, aber dafür hatten wir eine Tour vor uns, die zum letzten Mal vor vielen Jahren abgesucht worden war. Das stellt einen dann direkt vor ganz andere Probleme, da man erstmal die Eingänge zu den Höhlen und Kellern finden muss und dann auch keine wirkliche Ahnung hat, was einen drinnen eigentlich erwartet.


Entsprechend spannend wurde der Tag. Die Kollegin von der Ortsgruppe hatte die meisten Stellen schon für uns gesucht, sodass wir zumindest die Eingänge recht gut finden konnten. Aber manchmal bringt der Eingang auch nicht viel. Bei unserer ersten Höhle hatten wir zwar den Schlüssel vom Besitzer bekommen, aber wegen Vandalismus war das Schloss so eingedellt, dass wir es trotzdem nicht öffnen konnten. Das war wirklich schade, denn die Höhle war mitten im Wald und in bester Lage für Fledermäuse.
Bei den nächsten Kellern wurde es etwas besser. Wir kamen zumindest ohne größere Aufwände rein, aber halt nur, um dann festzustellen, dass es in dieser Gegend nur sehr wenige Spalten im Gestein gibt. Also suchten wir zwar alles ab, fanden anfangs aber keine einzige Fledermaus. Das war schon etwas entmutigend, doch wir gaben nicht auf und wurden auch noch fündig – wenn auch leider nur in sehr geringer Anzahl. Dafür fanden wir lauter anderes Getier, das in solchen Höhlen kreucht und fleucht: von Höhlenspinnen über Falter bis hin zu Würmern. Nicht ganz das, weswegen wir gekommen waren…


Und dann war da noch das vermutlich krasseste Erlebnis des Tages: ein Keller mitten im Grünen, aus dem eine Quelle herauskommt und der mit einem Metalltor gesichert ist. Auch hier hatten wir den Schlüssel geholt, allerdings war das Schloss – und auch das ganze Tor – eingerostet. Mit Mühe und Not schafften wir es nach viel draufschlagen, rumwackeln und gewaltsam ziehen das Schloss zu öffnen, nur um dann festzustellen, dass sich das Tor gar nicht recht bewegen ließ! Wir mussten also erst noch Äste, Steine und Co. entfernen und selbst dann ging es nicht weit auf. Aber immerhin weit genug, dass eine von uns sich durchquetschen und zählen gehen konnte.
Das war schon eine besondere Art der Zusammenarbeit und auch in den anderen Kellern waren wir froh, zu mehreren unterwegs zu sein. Egal ob es darum ging, sich gegenseitig Tipps zu geben, wo man mit den Gummistiefeln noch stehen konnte, ohne Wasser einzusammeln, oder ob man sich gegenseitig wieder aus den abschüssigen Eingängen half – alleine hätten wir das nicht machen wollen. Und auch wenn wir am Ende nicht so viele Fledermäuse gefunden hatten, wie uns lieb gewesen wäre, so war es doch ein ereignisreicher Tag.

Drittes Wochenende: Ab auf den Berg
Eigentlich hatte ich dann gedacht, das wars jetzt für das Jahr. Doch meine Bestimmungspartnerin hat noch ein paar Höhlen in ihrer Region und hatte sich dort mal näher erkundigt. Stellt sich raus, dass die dieses Jahr bisher nicht kontrolliert wurden, da der bisher Zuständige nicht mehr so viele Kontrollen schafft. Das konnten wir natürlich so nicht stehen lassen, also meldeten wir uns brav bei den entsprechenden Stellen an und bekamen im Februar noch die Genehmigung für die Kontrolle.
So machten wir uns also an einem kalten Sonntagmorgen auf den Weg und kletterten erstmal den kleinen Berg hoch, um zu der ersten und beschilderten Höhle zu wandern. Dort machten wir uns leicht gebückt auf die Suche und entdeckten auch schnell unsere ersten Fledermäuse – die typischen Mausohren und Mopsfledermäuse, die gerne auch mal frei hängen. Entsprechend gut gelaunt und optimistisch zogen wir weiter.
Hier wussten wir nun wirklich noch nicht, wo sich die restlichen Stollen befinden würden, und mussten erstmal etwas Ausschau halten. Zwar gab es neben dem großen Eingang noch ein paar kleine Löcher, aber nicht viel, in das man als Mensch tatsächlich passen würde. Am Ende stellte sich heraus, dass wir noch ein ganzes Stück weiter am Hang entlang gehen mussten, um zu einer zweiten Reihe von Öffnungen zu kommen.
Dafür gab es auch hier einige wirklich enge Eingänge und viele, die einfach nur aus Matsch zu bestehen schienen. Ganz ehrlich, dafür habe ich nicht wirklich die passende Ausrüstung und am Ende bin ich in zwei der Minihöhlen nicht mit rein, einfach um nicht komplett verdreckt mit der S-Bahn heimfahren zu müssen. Aber der Rest der Höhlen war wirklich spannend, auch wenn leider ein paar der Seitengänge unter Wasser standen und wir sie deshalb auslassen mussten.


Trotzdem waren wir auf zwei Arten erfolgreich: wir fanden alle Höhleneingänge und dazu auch noch gar nicht so wenig Fledermäuse. In der letzten größeren Höhle hatten wir am Ende sieben Tiere von drei Arten bestimmt (und wir waren uns bei der Bestimmung einig, auch immer wichtig!) und das war ein echtes Erfolgserlebnis.
Zum Abschluss machten wir noch eine kleine Wanderung, um auch noch den alten Sommerkeller zu prüfen. Der war leider leer, aber immerhin hatten wir damit alle relevanten Stellen kontrolliert und konnten so unser erstes offizielles Protokoll abgeben gehen. Bonus: auf dem Weg zum Keller kamen wir an einer sehr natürlich lebenden Rinderherde vorbei, das fanden wir schon auch ziemlich cool. Am Ende war es ein schöner Vormittag mit Bergwanderung, Rindern und einigen tollen Fledermäusen.

Und das wars wieder mit einem Einblick in meine aktuellen Tätigkeiten im Naturschutz. Ich hoffe, die Erzählung hat euch gefallen – und wenn ihr noch mehr in diese Richtung lesen wollt, dann schaut doch bei dem Bericht von letztem Jahr vorbei und bei meiner Serie über Fledermäuse. Sonst geht es nächstes Mal wieder etwas technischer zu, wenn wir die Reihe Technik im Naturschutz weitermachen.


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