Meistens bin ich ja eher für die größeren Tiere zu haben – oder natürlich für meine flatternden Freunde – aber wenn sich spannende Gelegenheiten für die Mithilfe im Naturschutz ergeben, dann bin ich immer gerne dabei. In diesem Fall ging es um eine Umsiedlung von Eidechsen, die sich in einer Mülldeponie eingenistet hatten, und nun vor dem dortigen Umbau „umziehen“ mussten.

Das klang schon von der Idee her spannend, weil sich Eidechsen eher schlecht fangen lassen, und das kühle Wetter im beginnenden Frühling versprach da auch nicht wirklich zu helfen. Aber manchmal darf es auch eine Herausforderung sein, besonders wenn ich dabei noch eine neue Art kennenlernen darf…

Ein Zauneidechsenmännchen (© Cornelia Hebrank, 2026)
Zauneidechsen-Männchen sind auffälliger als die Weibchen und haben diese hübsche grüne Färbung, an denen man sie gut erkennen kann (© Cornelia Hebrank, 2026)

Zauneidechsen und ihre Verstecke

Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich der Lebensraum einer Tierart aussehen kann. Wenn ich an Eidechsen denke, dann fallen mir dazu immer erstmal die alten Ruinen in Italien ein, bei denen ich jedes Jahr als Kind spazieren war und lauter Eidechsen gesehen habe. Oder sonst denke ich an schöne, alte Steinmauern, auf denen sich die Echsen sonnen…

Aber nicht an eine Mülldeponie, bei der alle Arten von Haushaltsschrott und zerbrochene Fliesen kreuz und quer verteilt rumliegen. Auf den zweiten Blick macht es dann aber doch Sinn: denn gerade hier gibt es natürlich viele tolle Verstecke für die kleinen Tiere und auch genügend krabbelnde Insekten, um sich zu ernähren. Außerdem ist es ein (aus Eidechsen-Sicht) ruhiges Eck, wo sie nicht ständig von Menschen gestört werden. Also schon verständlich, auch wenn es das nicht wirklich einladender für uns gemacht hat.

Nun war es aber ein etwas bewölkter Tag und so lagen leider nicht direkt überall die Zauneidechsen in der Sonne. Warum wir bei diesem Wetter überhaupt unterwegs waren? Ein Kompromiss: wenn man nicht zu lange warten darf, einen sonnigen Tag braucht, aber gleichzeitig auch noch ein paar helfende Hände Zeit haben müssen, dann ist das mit der Planung gar nicht so einfach.

Und jetzt waren wir da, also wollten wir auch Eidechsen fangen. Wir kletterten also den Müllberg hoch und suchten nach Bewegungen, die nicht vom Wind verursacht wurden. Bald hatten wir auch die ersten Sichtungen, doch die halfen weniger als erhofft. Schnell verschwanden die flinken Tierchen im nächsten Spalt und hier ließ sich nicht jedes Versteck einfach hochheben oder aufmachen, wie es sonst in natürlichen Umgebungen häufig geht.

So leicht ließen wir uns aber nicht entmutigen und die Suche ging weiter, bis wir endlich nicht nur fündig wurden, sondern auch praktisch gleichzeitig zwei Eidechsen in die Kescher bekamen. Dabei muss man ganz schön aufpassen, dass man zwar schnell genug ist und sie fest genug hält, um sie nicht direkt wieder zu verlieren, aber möglichst trotzdem zart genug ist, dass sie ihren Schwanz behalten können. Das klappte bei uns zum Glück sehr gut und bald hatten wir zwei Prachtexemplare in den Transportboxen.

Einmal eingesammelt wurden die beiden jungen Männchen genauer angeschaut, gemessen und dann etwas geschützt abgestellt, damit sie erstmal ein bisschen zur Ruhe kommen konnten. Bei so einer geplanten Umsiedelungsaktion werden natürlich auch gleich die biologischen Daten aufgenommen, sodass anschließend bekannt ist, wie viele Tiere im neuen Habitat freigelassen wurden und wie die Population sich zusammensetzt.

Wir machten uns dann nochmal auf die Suche, um noch weitere Exemplare mitzunehmen, aber leider wurden die Wolken dichter und der Wind kühler, und am Ende sahen wir nicht mal mehr eine Echse. Und das, obwohl wir wussten, dass noch welche da sein mussten. Ich hab auf jeden Fall gelernt, dass so eine Eidechsenjagd wirklich anstrengend ist und die flinken Tierchen sehr schwer zu fangen sind. Entsprechend waren wir dann auch mit den zwei Zauneidechsen recht glücklich – schließlich waren die beiden damit immerhin sicher.

Nahaufnahme einer Eidechse in der Transportbox (© Cornelia Hebrank, 2026)
Er ist schon ein Hübscher, oder? Zwar kann man ihn in der Box echt super ausmessen und genauer anschauen, aber er darf natürlich auch bald wieder raus (© Cornelia Hebrank, 2026)

Eine neue Heimat

Bald machten wir also eine Such-Pause und brachten unsere beiden Eidechsen auf die andere Seite des Müllbergs, die bereits begrast und für die Tiere hergerichtet worden war. Hier sollten sie ihre neue Heimat finden: nicht mehr in den Spalten zwischen dem Müll, sondern in liebevoll gebauten Habitaten. Diese bestehen aus einem Steinhaufen, der viele Möglichkeiten zum Verstecken bietet, und einer von Ästen eingefassten Sandfläche, inmitten der schönen grünen Wiese.

Ein vorbereitetes Habitat für die Eidechsen (© Cornelia Hebrank, 2026)
So sieht ein schönes Echsenhabitat aus: genug Steine zum Verstecken, etwas Sand zum Sonnenbaden und einfach vielfältig in Strukturen (© Cornelia Hebrank, 2026)

Tatsächlich gibt es gleich eine ganze Reihe dieser Strukturen, damit die ganzen geretteten Eidechsen einen guten Platz zum Leben finden können. Alle nah genug beieinander, dass ein kurzer Ausflug durchs Gras auch einen Austausch zwischen den Tieren erlaubt. Denn leider ist klar, dass wir bei der Umsiedelung, auch wenn es noch mehr Versuche geben wird, nie alle Tiere finden und retten können. Umso wichtiger, dass sich die Überlebenden im neuen Lebensraum wieder finden und weiter fortpflanzen können.

Wichtig ist auch der typische, kleine, dunkelgrüne Plastikzaun, der das neue Gebiet vom alten abtrennt. Durch seine Höhe und Glätte stellt er für die Echsen ein praktisch unüberwindbares Hindernis dar und sorgt so dafür, dass sie nicht wieder in den gefährlichen Bereich zurückwandern. Diese Zäune kennt ihr vermutlich vom Straßenrand, wo sie gerne auch zu den Zeiten von Froschwanderungen und Co. aufgestellt werden und eine ganz ähnliche Funktion erfüllen.

Da waren wir nun also am neuen Lebensraum mit unseren beiden Zauneidechsen und machten uns bereit, sie in die Freiheit zu entlassen. Weil sie eben noch so flink unterwegs gewesen waren, dass wir sie kaum fangen konnten, machten wir uns direkt mit Kameras bereit, um ihren Sprint in die neue Heimat aufnehmen zu können! Und warteten. Und warteten…

Denn jetzt waren die beiden Tiere deutlich langsamer unterwegs als wir gedacht hatten: ganz vorsichtig krochen sie fast Schritt für Schritt aus ihren Kästen, bis sie den Steinhaufen erreicht hatten und dann doch etwas schneller wurden, um ihn zu erkunden. Aber im Vergleich waren sie nun fast zutraulich und wir konnten bei beiden noch eine Weile zuschauen, wie sie sich neugierig mit der neuen Umgebung vertraut machten.

Das machte es wert, so viel Mühe in die Suche gesteckt zu haben, und wir genossen den Anblick noch ein paar Minuten, bevor wir uns langsam wieder auf den Rückweg machten. Als wir dann beim Abstieg vom Müllberg keine einzige Bewegung mehr fanden, entschieden wir, dass die Entscheidung aufzuhören die sinnvollste war, und vertagten den nächsten Versuch auf einen wärmeren und sonnigeren Tag. Aber zumindest die beiden jungen Zauneidechsen-Männchen können sich nun schonmal gut einleben, und das ist doch auch etwas wert.

Da ich beim nächsten Mal vermutlich nicht mehr dabei sein kann, gibt es den Bericht für euch schon heute. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht und war mal was anderes.


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Frau mit Telemetrie-Equipment (© Sebastian Sperling, 2024)

Ich bin Conny und aktiv im Naturschutz unterwegs. Mit meinem Hintergrund in Biologie und Informatik schreibe ich über verschiedene Themen, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen.

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